Erneut kam es in Belarus zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko, erneut kam es zu Festnahmen.

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Minsk – In der belarussischen Hauptstadt Minsk hat die Polizei am Sonntag eine Massendemonstration gegen den autoritär regierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko gewaltsam aufgelöst. Die Sicherheitskräfte hätten Wasserwerfer und Blendgranaten eingesetzt, bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums. Laut der Menschenrechtsorganisation Wjasna nahm die Polizei landesweit mindestens 170 Demonstranten fest. Darunter waren dem Journalistenverband von Belarus zufolge mehr als 20 Medienvertreter.

Hartes Vorgehen

Unabhängige belarussische Medien veröffentlichten Aufnahmen, auf denen vermummte Bereitschaftspolizisten, Soldaten sowie Männer ohne Uniform zu sehen waren, die sich aus nicht gekennzeichneten Minibussen heraus auf Demonstranten stürzten und auf sie einschlugen. Beobachter berichteten, dass das mobile Internet zeitweise abgeschaltet wurde. Die Behörden wollten damit verhindern, dass sich die Demonstranten zu Protestrouten verabreden.

Zudem waren in Minsk mehrere U-Bahn-Stationen geschlossen, damit die Menschen nicht mehr ins Zentrum gelangen konnten. Auch eine zentrale Straßenkreuzung wurde abgesperrt. Es war das neunte Protestwochenende in Folge.

Regelmäßige Proteste

Seit der umstrittenen Präsidentenwahl Anfang August gehen die Menschen regelmäßig gegen Lukaschenko auf die Straße. Der 66-Jährige hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Die EU erkennt das Wahlergebnis aber nicht an. Die Opposition sieht Swetlana Tichanowskaja als wahre Siegerin an. (APA, dpa, 11.10.2020)