Christian Hackl über die Nations League und die Performance des ÖFB-Teams.
DER STANDARD

Drei Spiele, drei Siege, mehr war für die österreichische Fußballnationalmannschaft nicht möglich, sonst hätte sie ja vier oder fünf Partien innerhalb von acht Tagen bestreiten müssen. Und das wäre ein physischer wie psychischer Irrsinn gewesen. Dem 2:1 im Test in Klagenfurt gegen Griechenland folgten Auswärtssiege in der Nations League, jeweils 1:0 in Nordirland und in Rumänien. Die Nations League zählt nicht unbedingt zu den legendären Bewerben, speziell in Zeiten von extrem steigenden Infektionszahlen muss die Frage erlaubt sein, ob es klug ist, wenn Nationalteams kreuz und quer durch Europa fliegen. Um dann in irgendeinem Corona-Hotspot in einem leeren Stadion zu kicken. Wobei Teamchef Franco Foda sagt und sagen muss: "Jedes Länderspiel macht Sinn, man muss die außergewöhnliche Situation annehmen."

Logischerweise geht es um die TV-Gelder, auch die nationalen Verbände spüren das Virus, sie kämpfen um den wirtschaftlichen Fortbestand. Der Betrieb muss aufrechterhalten werden, Resignation ist keine Alternative. Gegen Griechenland hätten 3.000 Zuschauer ins Wörthersee-Stadion kommen dürfen, es waren nicht einmal 1.500 – eine gespenstische Atmosphäre.

Drei Spiele, drei Siege.
Foto: EPA/GHEMENT

Wankelmütig

Die drei Siege waren allesamt verdient, wobei die Gegner einte, dass sie in Europas Fußball maximal dem Mittelmaß angehören. Österreich hat höhere Ansprüche. Die wurden erfüllt und auch nicht. Die Mannschaft ist wankelmütig, auf starke Phasen folgen schwache. Mitunter fehlt die Präzision, es schaut zerfahren aus. Beispiel Nordirland: erste Halbzeit hervorragend, Spielwitz, Dominanz. Darauf konnte nicht aufgebaut werden, die zweiten 45 Minuten hatten den Unterhaltungswert eines Konzerts von Michael Wendler.

In Rumänien wiederum war eine Steigerung nach der Pause zu orten. Die Mannschaft ist in der Lage, das System neu auszurichten, sich umzustellen. Stürmer Michael Gregoritsch, ein Gewinner des Lehrgangs, stellte fest: "Man sieht, dass sich die Ansprüche verändert haben, wenn man bedenkt, dass wir nach Siegen kritisiert werden. Man muss sich fast rechtfertigen. Es ist aber auf eine gewisse Art und Weise auch ein Lob." Foda gefallen "die Mentalität, der Siegeswille". Kapitän Julian Baumgartlinger ist nicht frei von Selbstkritik, nach dem Rumänien-Match sagte er: "Unser schwächstes Spiel. Und trotzdem haben wir gewonnen, das ist wichtig und schön."

Martin Schauhuber im Tête-à-Tête mit der STANDARD-Community.
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Großes Reservoir

Die Mannschaft hat Potenzial, es ist eine starke Generation, das Reservoir ist groß, Ausfälle (Sabitzer, Laimer, Arnautovic, Lazaro etc.) können weggesteckt werden. Der 21-jährige Christoph Baumgartner dürfte für Hoffenheim in absehbarer Zeit zu schade sein, obwohl er betont, bodenständig zu bleiben. Foda wird mitunter vorgeworfen, unattraktiv, nur ergebnisorientiert spielen zu lassen. Andererseits hat er die Startformation gegen Rumänien lediglich an einer Position verändert. Alessandro Schöpf kam anstelle von Reinhold Ranftl. Just Schöpf erzielte das goldene Tor. An dieser Aktion war übrigens David Alaba beteiligt.

Alaba, der bei Bayern München endlich so viel wie Robert Lewandowski verdienen möchte, war links in der Abwehr recht unauffällig. Er wurde von Stefan Lainer an der rechten Seite klar in den Schatten gestellt. Foda lobte Alaba trotzdem. "Er kann die Mannschaft führen."

Mittelmaß

Im November geht es weiter. Sofern Europa nicht im Lockdown verharrt, Reisen in den Blasen erlaubt sind. Los geht es am 11. mit einem Test in Luxemburg (warum eigentlich?). Am 15. und 18. gastieren Nordirland und Norwegen in Wien. Österreich kann als Tabellenführer den Gruppensieg aus eigener Kraft schaffen, in die Liga A aufsteigen. Sollte sich Schanghai nicht fürs Finale um die chinesische Meisterschaft qualifizieren, wird Marko Arnautovic erscheinen. Drei Siege sind nicht auszuschließen. Wobei die Gegner dem Mittelmaß angehören. (Christian Hackl, 15.10.2020)