Die Buckelwalbestände haben sich in den vergangenen Jahren erholt, seit 2008 scheint die Art nicht mehr auf der Roten Liste auf. Weltweit dürfte es inzwischen rund 135.000 Buckelwale geben, Tendenz steigend.
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Es ist ein Anblick, den man nie mehr vergisst. Vor knapp einer halben Stunde hat der Forschungsleiter übers Unterwassermikrofon einen Giganten geortet. Die Klickgeräusche sind eindeutig: Weit unten in der Tiefe kreuzt offenbar ein Pottwal auf der Suche nach Futter. Dann herrscht dort plötzlich Stille.

"Er kommt hoch", schallt es aus der Kajüte. An Deck spähen alle gespannt durch ihre Ferngläser. Wo wird das Tier auftauchen? Minuten vergehen, bis ein lautes Schnauben ertönt. Hinterm Boot, nur ein gutes Dutzend Meter vom Heck entfernt, schwimmt auf einmal ein riesiger grauer Körper. So nah hatte ihn niemand erwartet.

Der Wal liegt ruhig in den Wellen, scheint von dem Besuch keine Notiz zu nehmen. Er ist fast so lang wie der Bootsrumpf und wahrscheinlich schwerer. Der Wind trägt den – tatsächlich fischigen – Geruch seines Atems herbei. Der Koloss lüftet seine Lungen für den nächsten Tauchgang. Bald darauf kommt der gewaltige Leib wieder in Bewegung. Das Tier buckelt drei Mal und gleitet mit erhobener Fluke hinab ins unendliche Blau. Was für eine Kreatur!

Sollten die Wale eines Tages von der Erde verschwinden, wird unsere Welt etwas Wesentliches verlieren. Die unfassbare Kraft der Evolution; die ganze Magie der Schöpfung scheint sich in ihrer Existenz zu spiegeln.

Massenjagd auf Giganten

Doch das Ende war schon einmal nah. Jahrhundertelang hat der Mensch die majestätischen Großsäuger gejagt, vielleicht schon vor unserer Zeitrechnung. Einige Populationen wurden bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts bedenklich dezimiert. Ein wahres Massenschlachten indes setzte erst nach 1869 ein, als der Norweger Svend Foyn die ersten von ihm erfundenen Harpunenkanonen erfolgreich testete.

Mit diesen Waffen konnten die Jäger fortan jede Walspezies erlegen, auch die schnellen und bis dahin praktisch unbehelligten Furchenwale der Gattung Balaenoptera. Rund um den Globus wurden neue Walfangstationen errichtet, ganze Flotten stellten den Giganten bis in die entlegensten Regionen der Ozeane nach.

Die Folgen waren verheerend. Hochrechnungen zufolge fielen in rund 100 Jahren zirka 2,7 Millionen Leviathane dem industrialisierten Walfang zum Opfer. Besonders stark traf es den Blauwal, zoologisch Balaenoptera musculus – mit manchmal über 30 Metern Länge die größten Tiere, die jemals auf unserem Planeten gelebt haben. Einst dürften an die 270.000 dieser Riesen durch die Weltmeere gezogen sein. 1965 gab es vermutlich weniger als 3000 Überlebende. Die Art stand kurz vor der Auslöschung.

Mit der Erfindung der Harpunenkanone im Jahr 1869 konnte die Waljagd in industriellem Maßstab betrieben werden. Erst in den vergangenen Jahrzehnten erholten sich die Bestände vieler Arten dank des Waljagdverbots.
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Fangmoratorium und Verstöße

Der dramatische Niedergang beunruhigte nicht nur Tierschützer. Experten der 1946 gegründeten Internationalen Walfangkommission IWC warnten zunehmend vor einem totalen Zusammenbruch der Bestände. Damit würde auch die verarbeitende Industrie ihre Grundlage verlieren. Man beschloss Quoten und Beschränkungen, deren Wirkung gleichwohl gering war.

Mit der Zeit aber wendete sich das Blatt. Immer mehr IWC-Mitgliedsstaaten reagierten auf das wachsende Umweltbewusstsein ihrer Bevölkerungen und schworen der Waljagd ab. 1982 beschloss die Kommission ein Fangmoratorium, welches 1986 in Kraft trat. Nicht jeder hielt sich daran. Vor allem die damalige Sowjetunion verstieß regelmäßig gegen die Beschlüsse und hatte ihre Schiffe schon vor dem Fangstopp illegal gegen geschützte Populationen losgeschickt.

Deckmantel der Wissenschaftlichkeit

Norwegen und Island weigerten sich ebenfalls, die Hatz einzustellen, und Japan erlegte unter dem Deckmäntelchen des "wissenschaftlichen Fangs" bis vor kurzem sogar in antarktischen Gewässern Wale. Mit diesem Frevel dürfte es jetzt allerdings vorbei sein, glaubt der Biologe Justin Cooke von der internationalen Naturschutzorganisation IUCN. Die Kosten seien zu hoch, der wirtschaftliche Nutzen nicht existent. Der kommerzielle Walfang in der Antarktis ist "am Ende", sagt Cooke. Es wäre ein Meilenstein.

Den Verstößen zum Trotz: Das bald 35 Jahre währende Moratorium hat tatsächlich die entscheidende Wende herbeigeführt. Viele Walbestände nehmen inzwischen zu, auch die des fast ausgerotteten Blauwals scheinen wieder leicht zu wachsen. Eigentlich ist B. musculus bereits seit 1966 vollständig geschützt.

Die Sommerquartiere der Buckelwale liegen in den polaren Meeren, die Winter verbringen sie in tropischen und subtropischen Gewässern. Kaum eine Art wandert weiter als sie.
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Geringe Fortpflanzungsrate

Die sowjetischen Walfänger stellten ihm dennoch weiter nach. Durch diesen verbleibenden Jagddruck konnte sich die Blauwal-Population in der Südpolregion zunächst nicht erholen, wie Cookes Kollege John Calambokidis vom Forschungsinstitut Cascadia Research im US-Bundesstaat Washington erläutert. Abgesehen davon ist die Fortpflanzungsrate der Riesen gering. Ihre Generationszeit beträgt gut 30 Jahre.

Experten schätzen, dass es heute weltweit zwischen 10.000 und 25.000 Blauwale gibt. 5000 bis 8000 davon dürften in der Antarktis leben, der Rest verteilt über die Gebiete der Atlantischen, Pazifischen und Indischen Ozeane. "Für eine komplette Erholung wird es deutlich über 100 Jahre brauchen", meint Justin Cooke.

Teilpopulationen

Der Blauwal macht es seinen Beschützern jedoch nicht leicht. Über die Wanderrouten der Tiere ist viel zu wenig bekannt, und dementsprechend weiß man auch nicht genau, wie viele Teilpopulationen und – eventuell akut bedrohte – Unterarten existieren. Der Ostpazifik zum Beispiel könnte eine solche Subspezies beherbergen, erklärt Cooke. Manche Biologen bezeichnen diese bisher als "chilenische Blauwale", womöglich aber gehören sie genetisch zur selben Gruppe wie ihre Artgenossen vor Alaska.

Früher kam B. musculus übrigens auch im Nordwestpazifik vor. Dieser Bestand, sagt Cooke, ist vielleicht schon erloschen. Die nordatlantische Population dürfte laut IUCN 1000 bis 3000 Exemplare umfassen. Ein Teil davon verbringt den Sommer vor der Ostküste Kanadas im Gulf of St. Lawrence, andere wiederum tauchen im August in isländischen Gewässern auf.

Hoffnungsvolle Sichtungen

Die kalte Jahreszeit verbringen die Riesen anscheinend weiter südlich im offenen Ozean, einige legen in der sogenannten Porcupine Bight südwestlich von Irland und bei den Azoren Zwischenstopps ein. In letzter Zeit werden Blauwale vereinzelt auch wieder in westeuropäischen Gefilden gesichtet, vor Frankreich, Spanien und Portugal. Ein hoffnungsvolles Zeichen.

Das geheimnisvolle Migrationsverhalten des B. musculus könnte Justin Cooke zufolge eine spezielle Überlebensstrategie sein. Andere Meereswanderer wie der Buckelwal (Megaptera novaeangliae) ziehen mit den Saisonen zwischen Nahrungsgründen, oft in den Polarregionen gelegen, und angestammten Überwinterungsgebieten hin und her. Letztere dienen den Weibchen auch als Wochenstuben, wo sie ihren Nachwuchs zur Welt bringen.

Diese Ortstreue birgt allerdings Risiken. Zwar ist das Wasser in den Winterquartieren zum Vorteil der Neugeborenen wohlig warm, die Kleinen sind aber für räuberische Schwertwale eine begehrte Beute. Die schwarz-weißen Jäger leben in matriarchalen Familienverbänden, und die Anführerinnen solcher Rudel haben offenbar ein sehr gutes Gedächtnis. Sie merken sich genau, wo es regelmäßig etwas zu holen gibt.

Die schwarz-weißen Schwertwale sehen zwar süß aus, leben aber räuberisch. Mitunter haben sie es auf die Kälber von Buckelwalen abgesehen.
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Flossen als Hiebwaffen

Die Buckelwale wiederum verteidigen ihre Kälber – mitunter sogar gemeinsam. Ihre mächtigen Flossen sind effektive Hiebwaffen. Den Blauwalen indes fehlt eine wirksame Abwehr. "Sie verlassen sich auf ihre Geschwindigkeit", sagt Cooke. Und auf Distanz. Wenn es keine festen Geburtsstätten gibt, meint der Wissenschafter, können sich die Walmütter mit ihren Babys in den Weiten des Ozeans verstecken. Dass sie damit auch ihre Zählung seitens der Forschung erschweren, steht auf einem anderen Blatt.

Beim Buckelwal sieht die Lage deutlich besser aus. Mithilfe von Fotodatenbanken können Fachleute einzelne Exemplare immer wieder identifizieren, denn die Farbmuster und Kerben an einer Walfluke sind so individuell wie ein Fingerabdruck. Die Bekannten tauchen regelmäßig entlang der Wanderrouten auf.

135.000 Buckelwale weltweit, Tendenz steigend

Aus der Anzahl ihrer Sichtungen im Verhältnis zu den Beobachtungen noch nicht registrierter Tiere lässt sich die gesamte Populationsgröße auf wenige Prozent genau errechnen. Demnach dürfte es weltweit inzwischen wieder mehr als 135.000 Buckelwale geben, Tendenz weiterhin steigend. Im Nordatlantik scheint der Bestand jährlich über drei Prozent zu wachsen, aus Australien wurden sogar Raten von mehr als zehn Prozent gemeldet.

Den Zahlen entsprechend hat die IUCN M. novaeangliae bereits 2008 praktisch von ihrer Roten Liste genommen. Die Art steht nun in der Kategorie "least concern" – zurzeit nicht gefährdet. Weiterhin bedroht ist lediglich eine kleine, isoliert lebende Population im Arabischen Meer. Sie soll nur noch weniger als 100 Exemplare umfassen und wurde bisher kaum erforscht.

Traditionelle Route reaktiviert

Die Ursachen für die rapide Erholung der Buckelwalbestände sind vor allem zweierlei. "Das Ende des kommerziellen Walfangs ist ganz klar der Hauptfaktor", wie John Calambokidis betont. Davon profitieren aber auch andere Walspezies, deren Comeback nicht so rasch verläuft – wenn überhaupt.

Ein zusätzlicher Vorteil für M. novaeangliae ist die relativ hohe Fortpflanzungsrate. "Im Schnitt gebären die Weibchen jedes zweite Jahr ein Kalb", sagt Calambokidis. Mittlerweile erobern die Buckelwale auch Regionen, aus denen sie einst verschwanden, wieder zurück.

Eines dieser Gebiete ist der Salish Sea, ein rund 450 Kilometer langes Meeresgebiet zwischen der Insel Vancouver und der kanadischen Westküste. Früher lockte der dortige Fischreichtum jeden Sommer zahlreiche Buckelwale an. "Manche von ihnen blieben sogar über den Winter", erzählt Calambokidis. Walfänger bereiteten dem Treiben ein Ende. Seit etwa zehn Jahren jedoch, berichtet der Biologe, kreuzen die Riesen erneut in der Salish Sea auf. Es sehe so aus, als würde eine traditionelle Wanderroute reaktiviert.

Manchmal ist eine Nebelfontäne das Einzige, was die Anwesenheit eines Wals verrät. Nach dem Tauchen stoßen die Tiere feuchte Atemluft mit hohem Druck aus dem Blasloch aus.
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Klimawandel als Unbekannte

Gänzlich gesichert ist die Zukunft der Buckelwale allerdings nicht. Der Mensch greift nach wie vor massiv in die Meeresökosysteme ein und könnte ihnen irreversibel schaden. "Der größte Unbekannte ist der Klimawandel", sagt John Calambokidis. Die Tiere selbst werden die steigenden Temperaturen wohl kaum kümmern, meint der Wissenschafter. Sie bringen ihre Junge in sehr warmem Wasser zur Welt.

Der Golfo Dulce an der Westküste Costa Ricas zum Beispiel ist eine beliebte Buckelwal-Wochenstube. Temperaturen von 25 Grad Celsius und mehr sind dort nichts Außergewöhnliches. Ernsthafte Probleme könnten den Giganten dagegen bei der Nahrungsversorgung dräuen. Erwärmung und Versauerung des Meerwassers verringern die biologische Produktivität.

Das Plankton, die Basis der Nahrungspyramide, nimmt ab, wodurch es auch weniger Fisch gibt. Schon in den nächsten Jahrzehnten könnte dieser Effekt in vielen Seegebieten stark auftreten. M. novaeangliae wiederum ernährt sich zu einem wesentlichen Teil von Schwarmfischen wie Heringen oder Sandaalen. Als sogenannte "lunge feeders", die ihr Maul wie eine Art Riesenkäscher einsetzen, brauchen Buckelwale große Dichten an Futtertieren, erklärt Calambokidis. Daran könnte es zukünftig mangeln.

Von Schiffen überfahren

Es gibt noch weitere Bedrohungen. Jedes Jahr verfangen sich tausende Meeressäuger in den Leinen und Netzen von Fischern. Viele überleben das nicht. Wale werden auch zunehmend von Schiffen überfahren, oft mit tödlichen Folgen.

Ganz besonders leidet unter diesen Gefahren offenbar der Nordkaper (Eubalaena glacialis). Er wurde bereits im Mittelalter intensiv bejagt, vor allem von baskischen Walfängern. Die Tiere sind eher träge und daher leichte Beute. 1986 gab es im Nordwestatlantik nur noch eine Restpopulation von zirka 250 Exemplaren. Der ostatlantische Bestand war offenbar schon ausgerottet worden.

Nach dem Fangstopp setzte eine zunächst langsame Erholung ein. Der erfreuliche Trend hielt bis 2011 an, damals zählten Experten vor den Ostküsten der USA und Kanadas insgesamt rund 500 Nordkaper. Seitdem geht ihre Zahl wieder zurück – in einem beunruhigenden Tempo. "In weniger als vier Jahren haben wir rund zehn Prozent der Population verloren", erklärt der Walforscher Michael Moore von der Woods Hole Oceanogranographic Institution. Die Anzahl geschlechtsreifer Weibchen liegt jetzt unter 100 Stück.

Buckelwale gehören zu den begabtesten Sängern der Meere: Ihr Gesang hat die größte Vielfalt an Stimmäußerungen unter den Walen, ihre Rufe zählen mit bis zu 90 Dezibel zu den lautesten im Tierreich.
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Hummerfischerei bedroht Wale

Eine der Hauptschuldigen für die dramatische Entwicklung ist laut Moore die Hummerfischerei. Die dafür verwendeten Fangkörbe werden über lange Kunststoffseile mit Bojen verbunden. Leider bleiben die Nordkaper leicht darin hängen, gerade wenn sie mit offenem Maul schwimmen und Plankton einsammeln. Oft können sich die Tiere nicht mehr befreien und müssen die Takelage mit sich herumschleppen; nicht selten reißen die Seile Wunden. Den Betroffenen droht ein langsamer und qualvoller Tod.

Das Problem ist allerdings lösbar, wie Moore erläutert. Innovative Hummerkörbe mit aufgespülten Leinen und Signalempfängern seien bereits im Testeinsatz. Die Bojen dieser Geräte werden erst beim Einholen an die Oberfläche geschickt. Die zweite häufige Todesursache, der Schiffsverkehr, nehme womöglich auch infolge des Klimawandels zu.

Bis vor kurzem war die Bay of Fundy eines der Hauptnahrungsgebiete der Nordkaper. In den letzten Jahren jedoch hat das Futterangebot im Gulf of St. Lawrence, vermutlich als Ergebnis veränderter Wasserzirkulation, deutlich zugenommen. Ergo zieht es die Wale häufiger in dieses Gebiet, wo aber auch mehr Schiffe unterwegs sind.

Man habe den Verdacht, dass vor allem die schnellen Kreuzfahrtschiffe im Gulf of St. Lawrence zunehmend Nordkaper überfahren, so Moore. 2020 indes wurde noch kein Schiffsopfer registriert. Der mögliche Hintergrund: Bedingt durch die aktuelle Covid-19-Pandemie blieben die Kreuzfahrer in den Häfen.

Eine Schwertwalmutter und ihr Junges zeigen sich vor der Küste Kanadas.
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2000 Pottwale und 5000 Finnwale im Mittelmeer

Fischfang und Schiffsverkehr stellen auch diesseits des Atlantiks wesentliche Risiken dar. Im Mittelmeer leben, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, rund 2000 Pottwale (Physeter macrocephalus) und bis zu 5000 Finnwalen (Balaenoptera physalis). "Beide Populationen gelten als gefährdet", sagt Guiseppe Notarbartolo die Sciara, Gründer des Tethys-Forschungsinstituts mit Hauptsitz in Mailand.

Für die Pottwale seien die riesigen, illegalen Treibnetze vermutlich die Hauptgefahr. Die italienische Küstenwache zeigt sich sehr engagiert im Kampf gegen die Bedrohung und konnte bereits mehrfach Wale befreien, aber sie hat nicht genug Mittel. "Es ist himmelschreiend", sagt Notarbartolo die Sciara. Die Politik müsse viel strengere Maßnahmen gegen die Treibnetzplage durchsetzen.

Treibnetze verbannen

Finnwalen scheinen die "Wände des Todes" nur wenig zuzusetzen. Die kraftvollen Schwimmer können die Netze wahrscheinlich durchbrechen, meint der Experte. Trotzdem wurden auch bei ihnen schon schwere Verletzungen beobachtet. "Wir müssen uns wirklich Sorgen machen um die Zukunft dieser faszinierenden Tiere im Mittelmeer."

Eine gewisse Hoffnung bietet das 2002 ausgewiesene Pelagos Sanctuary, welches praktisch das gesamte Seegebiet zwischen der Côte d’Azur, Ligurien, der Toskana und Korsika umfasst. Es soll in erster Linie ein Walschutzreservat sein. Die Region ist im Sommer wegen des guten Nahrungsangebots der wohl wichtigste mediterrane Sammelplatz, sowohl für Pottwale als auch für Finnwale.

Hier, betont Notarbartolo die Sciara, sei es tatsächlich gelungen, die Treibnetze fast vollständig zu verbannen. Das Problem der Schiffskollisionen müsse noch angegangen werden. Dafür brauche es Geschwindigkeitsbegrenzungen, und diese vorzuschreiben, wäre wieder Aufgabe der Politik. Seine größte Wirkung indes habe das Pelagos Sanctuary in der öffentlichen Wahrnehmung entfaltet. Immer mehr Menschen erfahren jetzt, welch großartige Geschöpfe da praktisch vor ihrer Haustür schwimmen. "Das sollte man nicht unterschätzen." (Kurt de Swaaf, 28.12.2020)