Bagdad – In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind die Büros der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) in Brand gesetzt worden. Lokale Medien und Augenzeugen berichteten am Samstag, dass hunderte Anhänger der schiitischen Volksmobilisierungskräfte (PMF) vor dem Gebäude demonstrierten und neben dem KDP-Sitz auch Fahnen der Region Kurdistan verbrannten.

Ein Polizist versucht einem PMF-Anhänger einen Brandsatz abzunehmen, während im Hintergrund ein anderer Feuer legt.
Foto: AP/Mohammed

Der Angriff auf das Büro der Kurdenpartei ist Medienberichten zufolge eine Reaktion auf Kommentare des ehemaligen irakischen Außenministers und KDP-Mitglieds Hoshyar Zebari.

Die PMF werden aus dem Iran unterstützt, der eine eigene kurdische Minderheit hat und einen Kurdenstaat im Nordirak vehement ablehnt. Die Schiitenmilizen waren auch am Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligt. Die KDP gehört seit langem zu den dominierenden Kräften in den irakischen Kurdengebieten.

"Respektlosigkeit"

Zebari soll Anfang des Monats in Fernsehaussagen die Auflösung der PMF sowie die Vertreibung der Milizen aus der sogenannten Grünen Zone in Bagdad gefordert haben. Der schiitische Abgeordnete Yousef al-Kalabi forderte daraufhin den irakischen Regierungschef Mustafa al-Kasimi auf, gegen die Äußerungen Zebaris vorzugehen. Die Respektlosigkeit gegenüber der PMF sei nicht zu akzeptieren und man werde dagegen auf die Straße gehen.

Vor gut einem Jahr, im Oktober 2019, waren in Bagdad und den überwiegend von Schiiten bewohnten Provinzen im Süden des Landes Massenproteste gegen die politische Führung ausgebrochen. Sie richteten sich gegen Korruption und die schlechte Wirtschaftslage. Seitdem kommt es immer wieder zu Protesten mit gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften mit Toten und Verletzten. (APA, 17.10.2020)