Der Österreicher Patrick Konrad (li.), in Italien noch auf Tuchfühlung mit dem Führenden, Joao Almeida. In Spanien startet schon die nächste dreiwöchige Rundfahrt.

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Es hätten drei entspannte Tage sein sollen. Die Vuelta a España gilt als jene dreiwöchige Radrundfahrt mit dem anspruchsvollsten Höhenprofil. 2020 war ein Start in den flachen Niederlanden vorgesehen, ein Land, das so viele Kletteranstiege hat wie Spanien Tulpen.

Die ersten drei Etappen wurden abgesagt, die Vuelta konzentriert sich stattdessen auf ihr Kerngebiet. Auch ein zweitägiger Ausflug nach Portugal ist gestrichen.

"Den Umständen entsprechend geht es dem Radsport gut", sagt Ralph Denk dem STANDARD. Der 46-Jährige ist Teammanager beim Rennstall Bora-Hansgrohe. "Andere Sportarten finden überhaupt nicht statt. Wir konnten beinahe die gesamte Saison durchziehen. Das macht unseren Sport einzigartig und ist ein gutes Signal."

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Zynisch

Für viele war aber schon die Tour im Spätsommer angesichts der Fallzahlen in Frankreich grenzwertig. Beim aktuell laufenden Giro werden die Rufe nach einem vorzeitigen Ende immer lauter. Das Team Mitchelton-Scott musste nach positiven Tests die Rundfahrt abbrechen, Jumbo-Visma reiste nach Infektionsfällen vorsichtshalber ab.

Die Vuelta soll nach 2883 Kilometern mit sechs Bergankünften am 8. November in Madrid enden. Dort dürfen Bewohner mancher Stadtteile laut einer Verordnung gar nicht mehr aus dem Haus. Das Peloton soll aber durch die Straßen der Stadt rollen dürfen. Das wirkt fast schon zynisch.

Spanien verzeichnet aktuell rund 230 tägliche Neuinfektionen pro Million Einwohner. Österreich steht bei etwas mehr als 150. Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa beschreibt die Gesamtsituation als "besorgniserregend und instabil".

Radteams müssen regelmäßig getestet werden und Hygienemaßnahmen einhalten. Den finanziellen Mehraufwand für Rennen in Zeiten der Pandemie beziffert Teammanager Denk auf ein paar wenige Prozent des Gesamtbudgets. "Das ist überschaubar."

Der Umstand, dass die Vuelta schon beginnt, während der Giro noch nicht beendet ist, lässt Denk "so gut wie kalt. Das sind wir gewohnt. Wir machen das Jahr für Jahr, fahren bis zu drei Programme parallel." Neu sei, dass ein "Copy and Paste" eines Trainingsplans aus den Vorjahren wegen des dichten Kalenders nicht mehr möglich ist.

Felix Großschartner gilt als starker Kletterer. In Spanien warten unzählige Berge.
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Abschlussrundfahrt

Felix Großschartner ist der einzige Österreicher bei der Vuelta. Der starke Kletterer fährt in Denks Team und soll viele Freiheiten bekommen. Er hofft auf einen Platz unter den besten 15.

Als Topfavorit geht Primoz Roglic ins Rennen. Der Slowene verpasste den Sieg bei der Tour auf fast schon herzzerreißende Art und Weise, als ihn Landsmann Tadej Pogacar im finalen Einzelzeitfahren überholte. Chris Froome bestreitet in Spanien sein letztes Rennen bei Ineos Grenadiers. Der zweifache Vuelta-Sieger (2011, 2017) bildet mit Richard Carapaz, Giro-Sieger von 2019, eine Doppelspitze. Hinter der Form des Briten stehen viele Fragezeichen.

"Es ist absolut wichtig, dass Rennen stattfinden", sagt Denk. "Meine Kinder sind große Fans von Peter Sagan. Fehlen solche Idole, läuft man Gefahr, dass die Kinder sich vom Sport abwenden und sich mehr auf Videospiele konzentrieren. Das wäre der absolut falsche Weg." (Lukas Zahrer, 20.10.2020)