Das Virus macht auch vor dem Weihnachtsmann nicht Halt: Santa Claus muss sich daher hinter eine Plexiglasscheibe begeben.

Foto: REUTERS/Attila Cser

Weihnachtsmanndorf am Polarkreis: Wo um diese Jahreszeit normalerweise Hochbetrieb herrscht, ist heuer tote Hose.

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Rovaniemi – Weihnachten wird heuer ganz anders. Das merkt man auch in Rovaniemi in der Nähe des Polarkreises. Dort, wo ganz offiziell der Weihnachtsmann zu Hause ist, tummeln sich um diese Jahreszeit normalerweise massenhaft Touristen aus aller Welt, um Santa Claus in seinem Dorf einen Besuch abzustatten. Doch davon ist in diesem Jahr nicht viel zu bemerken.

Finnland hat trotz seiner geringen Infektionsrate einige der strengsten Reisebeschränkungen in Europa eingeführt, was bedeutet, dass die meisten Ausländer nicht in das Land einreisen können. Die Folge: Im nördlichen Teil Finnlands, wo viele Unternehmen auf Touristen angewiesen sind, die den Weihnachtsmann treffen, das Nordlicht sehen oder eine Schneemobilsafari unternehmen wollen, sind die Besucherzahlen gesunken.

Strikte Sperrung

Im August 2020 gingen die ausländischen Touristenzahlen nach Angaben der finnischen Reisebranche gegenüber dem Vorjahr um 78 Prozent zurück. "Für lokale Unternehmen ist das Weihnachtsgeschäft definitiv in Gefahr", sagt Sanna Karkkainen, Geschäftsführerin des Visit Rovaniemi Tourist Board.

Finnland konnte sich im Frühjahr den schlimmsten Auswirkungen der Pandemie entziehen und entschied sich für eine strikte Sperrung, zu der auch die Isolierung der Hauptstadt Helsinki gehörte. Jetzt nehmen, wie in weiten Teilen Europas, die Infektionen wieder zu und erreichten Anfang dieses Monats einen Tagesrekord. Die Regierung erwägt neue Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus. Das Land mit 5,5 Millionen Einwohnern hat bisher insgesamt fast 13.000 Covid-19-Infektionen gemeldet, darunter 346 Todesfälle.

Mit dem Weihnachtsmann, der Kinder hinter einer Plexiglasabschirmung begrüßt, und Elfen, die Masken tragen, ist die Weihnachtsstimmung einigermaßen getrübt. Bei der Reisegesellschaft Safarctica, die Schneemobiltouren und Eisschwimmen anbietet, geht Verkaufsleiter Antti Antikainen davon aus, dass die Buchungen in diesem Jahr um 50 bis 80 Prozent sinken werden, und fügt hinzu: "Ich denke, es ist näher an 80 Prozent."

Tourismusunternehmen, die rund acht Prozent der Menschen in der Region beschäftigen, haben bereits begonnen, Mitarbeiter zu entlassen. Es gibt kaum noch Hoffnung, dass das Weihnachtsgeschäft gerettet werden kann, es sei denn, die Regierung lockert bald die Reisebeschränkungen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. (Reuters, red, 20.10.2020)

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