DER STANDARD

Ein bisserl spielt da natürlich die Gewöhnungssache mit. Bei einem modernen Diesel tankt man halt nur alle 1.000 Kilometer, und das geht dann recht flott. Bei einem E-Auto mit geringer Reichweite muss man öfter zapfen, und dann dauert es auch noch länger. Ich verstehe die Einwände.

Ich war auch lange der Meinung, dass ein E-Auto mindestens 500 Kilometer weit fahren können muss, um was zu taugen, und dass es fast überall Schnellladestationen braucht. Bei einem Bus, etwa dem Mercedes-Benz EQV, der wohl auch öfter längere Strecken fährt, ist das auch durchaus sinnvoll. Nach einigen tausend Kilometern mit verschiedenen E-Autos sehe ich die Sache heute anders. 200 Kilometer Reichweite sind mehr als genug, und Schnellladestationen brauchte ich nur, wenn sie gerade dort standen, wo ich parkte.

Was man nämlich vergisst, ist, dass das Auto die meiste Zeit steht. In meinem Fall meist bei mir oder in der Redaktion. Dort wie da kann ich es anstecken – und so stuuuuundenlang laden. Nicht einmal eine Wallbox ist notwendig.

Kein Anstecken nötig

Zwischen hie und da liegen gut 50 Kilometer, weit mehr als die Hälfte davon auf der Autobahn – und regelmäßig auch ein paar Abstecher, entweder um jemanden zu treffen oder Besorgungen zu machen. Und dennoch, selbst mit den Autos, die nur 200 Kilometer Reichweite hatten – zuletzt waren das der Honda e, der Mini SE und der Mazda MX-30 –, waren die Akkus nur ein einziges Mal weniger als halbvoll und nie weniger als viertelvoll. Und dieses eine Mal ist auch schnell erklärt: Ich hab mir das Anstecken über Nacht gespart, weil es schlicht nicht notwendig war.

Wozu also teuere und schwere Akkus mitzahen, wenn man sie dann eh nicht braucht? Wegen der paar Mal, die wir auf der Langstrecke unterwegs sind? Auf der gibt es dann ohnedies Schnellladestationen und außerdem die Eisenbahn.

Zugegeben, es gibt auch Menschen mit einem Fahrprofil, das wirklich nicht zu einem solchen E-Auto passt – für die gibt es ja auch eine Reihe von Alternativen mit höherer Reichweite, denken wir an den Renault Zoe, den Nissan Leaf oder manchen Tesla. Ich habe allerdings den Verdacht, dass diese Gruppe von Reichweitenverfechtern lauter schreit als sie groß ist. Dennoch und gerade deswegen haben wir uns auch die Alternativen zum E-Auto angeschaut – mehr davon demnächst hier. (Guido Gluschitsch, Video: Michael Luger, 10.11.2020)