In Bełchatów betreibt Polen das größte Braunkohlekraftwerk der Welt.

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Im Juni besuchte Polens Präsident Andrzej Duda seine US-Amtskollegen Donald Trump in Washington.

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Duda bei einem Besuch des polnischen Nuklearforschungszentrums in Świerk bei Warschau, September 2016.

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Die Überreste der Kraftwerksbaustelle Żarnowiec, März 2011.

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Um die von der EU vorgegebenen Klimaschutzziele zu erreichen, setzt Polens Regierung auf den Ausbau der Atomkraft. Bis 2033 soll der erste Reaktor des Landes ans Netz gehen, die Technik kommt aus den USA.

US-Energieminister Dan Brouillette gab vor einer Woche bekannt, dass die Regierungen in Warschau und Washington ein Abkommen unterzeichnet haben, das vorsieht, Nukleartechnologie im Volumen von 18 Milliarden Dollar (15,33 Milliarden Euro) von US-Firmen zu beziehen. Das polnische Atomprogramm soll bis 2040 etwa 150 Milliarden Złoty (knapp 33 Milliarden Euro) kosten. Geplant ist eine Kapazität von sechs bis neun Gigawatt im Vollausbau.

Auch Offshore-Windparks geplant

Außerdem sollen Windkraftanlagen vor der polnischen Küste errichtet werden, die bis 2040 acht bis elf Gigawatt liefern sollen, budgetiert sind dafür 130 Milliarden Złoty (28 Milliarden Euro). Durch die Neubauten sollen 300.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Polen rechnet mit einer EU-Förderung in Höhe von 60 Milliarden Złoty (13 Milliarden Euro).

Als einziges EU-Land hat Polen sich dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 noch nicht angeschlossen. Die regierende PiS-Partei (Recht und Gerechtigkeit) hat aber angesichts steigender Preise für Emissionen von Kohlenstoffdioxid nun aber erklärt, bis 2040 den Kohleanteil an der Energieproduktion des Landes von derzeit 75 Prozent auf maximal 28 Prozent senken zu wollen.

Standorte gesucht

Als mögliche Standorte für Polens Atomkraftwerke werden die derzeitigen Kohlekraftwerke Bełchatów und Pątnów im schlesischen Braunkohlerevier sowie Żarnowiec an der Ostsee, 60 Kilometer westlich von Gdańsk (Danzig), genannt. Dort hatte die kommunistische Regierung geplant, vier Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart zu installieren.

Die Planung sah damals vor, einen nahegelegenen See sowohl für die Kühlung der Anlage als auch in Kombination mit einem eigens errichteten Pumpspeicherkraftwerk als Energiespeicher zu nutzen. Der kalkulierte Anstieg der Wassertemperatur um zehn Grad störte die kommunistischen Ingenieure damals offenbar nicht.

Das gesteigerte Algenwachstum sollte durch eigens ausgesetzte wärmeliebende Fische wie zum Beispiel Graskarpfen bekämpft werden. Als Vorbereitung für die neuen Bewohner wurden Fangbeschränkungen für Raubfische aufgehoben und der See fast leergefischt.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl und dem Ende des Kommunismus wurde der Bau allerdings eingestellt. (Bert Eder, 28.10.2020)

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