Die Hintermänner des Botnetzwerks auf Telegram bieten Premium-Coins an, mit denen Nutzer schnellere Berechnung und Bilder ohne Wasserzeichen kaufen können.

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Eine App namens "Deepnude", die mittels künstlicher Intelligenz aus Fotos von Frauen Nacktbilder erzeugt, sorgte vor einiger Zeit für einen öffentlichen Aufschrei. Die Entwickler planten, die App kostenpflichtig zu vermarkten, stellten ihren Dienst aber infolge der negativen Resonanz ein.

Doch das Ende des Services war nicht das Ende der App oder der Technologie. Das Programm wird in gecrackter Form im Netz immer noch verbreitet, und mindestens zwei öffentlich zugängliche Webseiten bieten den Dienst an. Denn der Quellcode der dahinterliegende Software ist offengelegt worden. Seine Weiternutzung dürfte nun auch hinter einem Botnetzwerk stehen, das zum Verkauf KI-erzeugter Nacktbilder über den Messenger Telegram dient, wie aus einem Report des IT-Sicherheitsunternehmens Sensity hervorgeht, berichten "Engadget" und "MIT Technology Review".

Auch KI-Nacktbilder von Minderjährigen

Mit Stand Juli konnten diese Deepnudes von mindestens 104.000 Frauen finden. Die Nutzer der Gruppen können diese kostenlos anfertigen lassen oder Credits kaufen und damit zahlen, um Ergebnisse schneller und ohne Wasserzeichen zu erhalten. In den meisten Fällen soll es sich nicht um Pseudo-Nacktbilder von Prominenten handeln, sondern von Frauen, die aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Besteller stammen dürften und auch nichts von der Zweckentfremdung ihrer Bilder wissen.

Sensity fand auch eine "begrenze Anzahl" an KI-Nacktbildern, die Minderjährige zeigten. Für ein Dutzend "Premium Coins" werden umgerechnet etwa 1,10 Euro verlangt.

Vor allem in Russland beliebt

Die Popularität dieses Dienstes beschränkte sich zum Zeitpunkt der Erhebungen vor allem auf Russland. Rund 70 Prozent der Nutzer dürften von dort stammen. Das ist auch insofern erstaunlich, als die russische Regierung rund zwei Jahre lang versuchte, den Dienst zu blockieren. Allerdings scheiterte man dabei auf technischer Ebene.

Vor wenigen Monaten wurde die Sperre schließlich offiziell aufgehoben, mit der Begründung, dass der Gründer des Messengerdienstes, Pawel Durow, sich zur besseren Kooperation mit den Behörden bereiterklärt habe. In englischsprachigen Ländern scheint der Deepnude-Dienst noch kaum auf Resonanz zu stoßen. (gpi, 22.10.2020)