Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) trommelt nicht für die App.

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In Deutschland ist rund um die Corona-Warn-App eine politische Debatte entbrannt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hält das Handyprogramm für praktisch nutzlos. "Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung", sagte der CSU-Vorsitzende. Dabei wurde die Corona-Warn-App seit Juni rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen und wird von 16 Millionen Menschen aktiv genutzt, um einen Hinweis zu erhalten, wenn man Kontakt mit einem Infizierten hatte.

Verglichen mit Österreich sind das sensationelle Zahlen. Zwar wurde die hiesige Corona-Warn-App des Roten Kreuzes seit April über 1,1 Millionen Mal heruntergeladen, über ihre Nutzung sind aber keine detaillierten Informationen in Erfahrung zu bringen. Nur dass immerhin rund "650 Warnungen über bestätigte Infektionen" mittels App verschickt wurden, wie das Rote Kreuz dem STANDARD sagt. In Deutschland geben 60 Prozent der positiv getesteten Nutzer ihren Befund weiter.

Gesetz soll App retten

Wesentlich beigetragen zur schwachen Nutzung der App in Österreich hat die Bundesregierung. In ihrer Kommunikation wird sie derzeit nicht einmal mehr ignoriert. Fotos, die etwa Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit der App zeigen, sind nicht zu finden.

Die "Stopp Corona"-App ermöglicht es, ein elektronisches "Tagebuch" am Handy zu führen, mit dem aufgezeichnet wird, mit wem der jeweilige User in der Vergangenheit Kontakt hatte. Schlägt dann einer der User wegen eines positiven Tests oder eines Verdachtsfalls Alarm, werden alle seine via App aufgezeichneten Kontakte anonymisiert verständigt.
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Zusätzlich leidet sie an einem Imageproblem, seit ÖVP-Politiker die Installation der App verpflichtend machen wollten. Dies hat der App nachhaltig geschadet, auch wenn dieser Vorstoß von den Grünen rasch abgewehrt wurde. Um Vertrauen zu gewinnen und die App zu retten, fordert SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher eine gesetzliche Regelung, denn die App sei "grundsätzlich eine gute Idee, die aber von der Regierung kaputtgemacht wurde". Dieses Gesetz soll den Datenschutz sowie die freiwillige Nutzung garantieren und Klarheiten schaffen, etwa welche Auswirkungen der Erhalt einer Warnung hat. Damit könnte die Nutzung gesteigert werden, so der Oppositionspolitiker.

Es steht außer Frage, dass die App wichtig für das Contact-Tracing sein kann und auch die Zettelwirtschaft in der Gastronomie ersparen könnte.

Querelen und technische Probleme

Neben den politischen Querelen kämpft die App noch mit einem anderen Ärgernis. Zwar sind die technischen Probleme der ersten Monate mittlerweile behoben, aber andere Apps sind weiter. So können die Corona-Warn-Apps von Deutschland, Irland und Italien nun auch länderübergreifend über eine möglicherweise gefährliche Begegnung mit Corona-Infizierten warnen. Am Montagmittag erschien das dafür notwendige Update in den App-Stores von Google und Apple. Weitere Staaten sollen noch im November folgen. Ob die österreichische App dabei ist, steht in den Sternen, da die Finanzierung nicht gesichert ist. Für die technische "Weiterentwicklung und für die laufenden Betriebskosten gibt es noch keine Finanzierungszusage des Gesundheitsministeriums", sagt Rotkreuz-Sprecher Thomas Marecek. "Wenn diese kommt, kann die Weiterentwicklung starten."

Bisher wurde die Finanzierung der App von der Uniqua-Privatstiftung mit zwei Millionen Euro bestritten. Dieses Geld ist größtenteils aufgebraucht, auch finden sich wenige freiwillige Programmierer, die an der Weiterentwicklung der App arbeiten wollen. Auf diese hoffte das Rote Kreuz, als es im Juli die Stopp-Corona-Plattform ins Leben rief und den Quellcode der App öffentlich machte. (Markus Sulzbacher, 21.10.2020)