Der mutmaßliche Organisator des Ibiza-Videos soll am Freitag bei einem Industriespionage-Prozess in Krems als Zeuge aussagen.

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Wien / St. Pölten – Der mutmaßliche Organisator des "Ibiza-Videos", Julian H., soll am Freitag am Landesgericht Krems als Zeuge aussagen. Angeklagt ist ein ehemaliger Sicherheitsberater, der früher mit Julian H. – dem Begleiter der "Oligarchen-Nichte" auf Ibiza – zusammengearbeitet haben soll. Ihm werden unter anderem Verleumdung und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen vorgeworfen. Der 48-Jährige bekannte sich teilweise schuldig. Julian H. soll via Videokonferenz zugeschaltet werden.

Industriespionagefall

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein vermeintlicher Industriespionagefall im Umfeld des Bahnbaumaschinen-Herstellers Plasser & Theurer (PT). Der nun angeklagte Ex-Sicherheitsberater hatte 2016 Selbstanzeige erstattet und darin den Vorwurf erhoben, dass ein österreichisches Konkurrenzunternehmen von ihm und seinem Team ausspioniert worden sei. Die Staatsanwaltschaft Krems nahm daraufhin Ermittlungen gegen 13 Beschuldigte auf – darunter auch zwei Chefs des Traditionsunternehmens.

Die Ermittlungen gegen die PT-Chefs und weitere Personen wurden eingestellt, ein Fall wurde diversionell erledigt. Die Staatsanwaltschaft klagte den Niederösterreicher daraufhin wegen Verleumdung und Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung an. Zu beiden Vorwürfen bekannte sich der 48-Jährige beim Auftakt des Prozesses im Oktober – ebenso wie zu einem angelasteten Betrug – nicht schuldig. Bezüglich der ebenfalls angeklagten grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen bekannte er sich schuldig.

Per Haftbefehl gesucht

Am Freitag sollen nun Zeugen sowie ein Sachverständiger gehört werden. Darunter befindet sich laut dem Ladungsbeschluss, über den am Donnerstag auch die "Presse" berichtete, auch Julian H. Interessant ist die Ladung auch deshalb, weil der Detektiv im Zusammenhang mit der Erstellung des Ibiza-Videos per internationalem Haftbefehl gesucht wird. Für die Frage, ob und wann die Einvernahme tatsächlich stattfindet, war am Landesgericht Krems niemand zu erreichen. (APA, 22.10.2020)