Sehr gute Jobchancen warten auf relativ wenige Studierende.

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Die Automobilindustrie steht vor einem radikalen Wandel. Der Verkehr ist laut einer Erhebung von Eurostat für fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der EU verantwortlich, rund 70 Prozent davon entfallen auf den Straßenverkehr.

Ein wichtiger Hebel, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen. Auf ein konkretes Ablaufdatum für Verbrennungsmotoren konnte sich die Europäische Union zwar noch nicht einigen, aber immer mehr Staaten sagen Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb den Kampf an. Weltweit gibt es mittlerweile 14 Länder, die zwischen 2030 und 2040 keine neuen Diesel- oder Benzinautos mehr zulassen wollen. Dazu gehören etwa Frankreich oder Großbritannien. Auch in Deutschland wird ein Zulassungsverbot ab 2035 für Verbrennungsmotoren diskutiert. In Österreich gibt es dafür noch keine genauen Pläne.

Wenig Interesse der Studierenden

Die österreichische Wirtschaft sei aber bei modernen Antriebssystemen – sowohl was die Global Player als auch was klein- und mittelständische Unternehmen betreffe – gut aufgestellt, sagt Winfried Egger, Studiengangsleitung Electrical Energy & Mobility Systems an der FH Kärnten. Woran es hapere, sei der Nachwuchs. Seit 2007 gibt es an der FH Kärnten den Masterstudiengang Electrical Energy & Mobility Systems. Das Interesse österreichischer Studierender ist gering. 90 Prozent der Teilnehmer kommen aus dem Ausland, aus Ostasien, Pakistan, aber auch aus Südamerika und Südeuropa. Auch unter den 200 Bewerbungen für das aktuelle Studienjahr waren nur wenige aus Österreich. Dazu kommt, dass Studierende sehr mobil sind. Die meisten Absolventen würden ihre Karriere nicht in Österreich beginnen, so Egger. Die Jobchancen sind im Bereich der modernen Antriebstechnik weltweit ausgezeichnet und vielfältig. Schon jetzt werde die Entwicklung gebremst, weil Fachkräfte fehlten, dieser Engpass werde sich in Zukunft noch verschärfen, ist Egger überzeugt. Ähnlich schwierig werde es bei der Nachbesetzung des wissenschaftlichen Personals. Durch die Pensionierungswelle der Babyboomergeneration werde auch hier viel Know-how verlorengehen, befürchtet er.

Gefragte Absolventen

Das Masterstudium Green Mobility an der FH Campus Wien widmet sich ebenfalls der Elektromobilität, aber weniger technisch als an der FH Kärnten. Inhaltlich wird der Bogen von den Fahrzeugkomponenten bis zu deren Nutzung auf der Straße gespannt. "Um die Klimaziele zu erreichen, ist E-Mobilität ein wichtiger Baustein, sie kann aber nicht die Lösung für alles sein", sagt Studiengangsleiter Andreas Petz. Dafür brauche es auch neue Verkehrskonzepte, wie beispielsweise Sharing-Systeme. Daher werden im Studium nicht nur technische Ansätze, sondern auch ökologisches, ökonomisches und rechtliches Know-how vermittelt. Die Absolventen sind in Österreich gefragt. Noch bevor die Studierenden ihre Abschlussarbeit fertig hätten, hätten viele schon konkrete Jobangebote. Dazu gehöre neben der Autozulieferindustrie auch die öffentliche Verwaltung oder der Bereich der Ladeinfrastruktur – der neuen Tankstellen.

Den Fachkräftemangel sieht Petz nicht so dramatisch, auch weil E-Mobilität noch kein Massenphänomen sei. Aber in den nächsten Jahren werde sich hier vieles verändern, dafür brauche es Fachkräfte. Und auch wenn die Studie der Boston Consulting Group (BCG) zum Schluss kommt, dass sich der Personal- und Arbeitsaufwand zwischen dem Bau eines Elektroautos und dem eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor kaum unterscheidet, sind doch andere Qualifikationen gefragt. "Jede Technologieveränderung heißt auch, dass sich Jobs ändern. Das darf man nicht verschlafen", sagt Petz. (Gudrun Ostermann, 23.10.2020)