Trauer vor afghanischen Gräbern.

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Kabul – Bei einem nächtlichen Taliban-Angriff sind in Afghanistan erneut mindestens 20 Angehörige der Streitkräfte getötet worden. Das teilten Provinzräte in der südwestlichen Provinz Nimruz am Freitag mit. Die Taliban nahmen lokalen Behörden zufolge einen Kontrollposten ein. Die Luftwaffe bombardierte Talibankämpfer.

Widersprüchliche Angaben

Am Mittwoch starben bei einem Angriff der afghanischen Luftwaffe auf eine Moschee im Norden Augenzeugen zufolge zwölf Kinder. Das Verteidigungsministerium erklärte dagegen, dass nur Taliban-Kämpfer bei dem Luftangriff getötet worden seien. Afghanistans Vizepräsident Amrullah Saleh drohte Journalisten mit juristischen Konsequenzen, sollten sie über zivile Opfer berichten. In dem Zusammenhang sei eine Person verhaftet worden, hieß es aus dem Büro des Vizepräsidenten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte Saleh. "Die Regierung sollte jeden, der auf Salehs Anordnung festgenommen wurde, unverzüglich freilassen und eine gründliche und unparteiische Untersuchung des Luftangriffs durchführen", sagte die HRW-Asiendirektorin Patricia Gossman laut einer Mitteilung.

Zähe Verhandlungen, schwere Kämpfe

Vertreter der Taliban und der Regierung in Kabul hatten im September in Katar Friedensgespräche aufgenommen. Eine Waffenruhe lehnen die Islamisten bisher ab. Experten erwarten lange und zähe Verhandlungen, bevor ein Waffenstillstand vereinbart werden könnte. Der Konflikt im Land geht unterdessen weiter. Experten sagen, dass die Taliban ihre Offensiven intensivierten, um ihre Kämpfer vor der kalten Jahreszeit zu motivieren.

Seit mehr als einer Woche gibt es in Afghanistan erneut schwere Gefechte. Im Süden starben nach einer Taliban-Offensive in der Provinz Helmand inzwischen mehr als 100 Zivilisten, zehntausende Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Im Norden wurden in der Provinz Takhar bei einem Angriff mehr als 40 Soldaten getötet. (APA, dpa, 23.10.2020)