Eine Schildkröte hat sich hoffnungslos verheddert.
Foto: imago/Nature Picture Library

Die tödlichste Form von Plastikmüll in den Ozeanen sind laut einem aktuellen WWF-Report sogenannte Geisternetze – also Fischernetze, die zurückgelassen wurden oder verloren gingen. Diese Netze mit einer Gesamtmasse von bis zu einer Million Tonnen pro Jahr treiben ohne jede Kontrolle durchs Meer und werden unzähligen Meeressäugern, Schildkröten und Seevögeln zum Verhängnis. Und es dauert Jahrzehnte, bis sich ein solches Netz vollständig zersetzt hat.

Sinnloses Sterben

Die Tiere verfangen sich in den Netzen oder verwechseln Teile davon mit Nahrung, beides mit tödlichem Ausgang, berichtet WWF-Meeresbiologe Axel Hein, der von einer unterschätzten und unsichtbaren Todesfalle spricht. "Geisternetze zerstören auch wertvolle Lebensräume vieler Arten. Sie schädigen Korallenriffe und die marine Vegetation, führen zu Sedimentablagerungen und blockieren den Zugang zu wichtigen Habitaten wie zum Beispiel Laichplätzen", sagt Hein.

Ein besonders prominentes Opfer ist der Vaquita, ein nur eineinhalb Meter langer Schweinswal, der ausschließlich im Golf von Kalifornien lebt. Illegale und zurückgelassene Stellnetze sind laut der Umweltschutzorganisation hauptverantwortlich dafür, dass die Spezies kurz vor der Ausrottung steht. Die verbliebene Population wird auf nur noch zehn Individuen geschätzt.

Der Vaquita ist der kleinste und zugleich seltenste Wal der Welt.
Foto: AP/Paula Olson/NOAA

Der WWF Österreich appelliert daher an die österreichische Bundesregierung, sich auf allen diplomatischen Ebenen für ein weltweit verbindliches UN-Abkommen gegen den Eintrag von Plastikmüll in die Meere einzusetzen. Der Kampf gegen Geisternetze als tödlichste Form der Plastikverschmutzung müsse dabei eine zentrale Rolle einnehmen. Aber auch die Fischereiwirtschaft sei in der Pflicht: "90 Prozent der durch Geisternetze getöteten Arten sind von kommerziellem Nutzen. Es liegt im Eigeninteresse der Fischereiwirtschaft, das selbst verursachte Problem schnellstmöglich in den Griff zu bekommen", betonte der WWF-Experte. (APA, red, 24. 10. 2020)