Der Wecker läutet, in zehn Minuten ist Morgenbesprechung. Kein Problem. Jogginghose angezogen, Kaffee gemacht, und schon liegt man mit dem Headset auf dem Balkon. Homeoffice hat eindeutig Vorzüge, wie viele Österreicher in diesem Jahr erfahren haben. Denn im Frühjahr arbeitete laut Statistik Austria fast jeder dritte Erwerbstätige von zu Hause.

Wer morgens in den Kindergarten oder die Schule in der Nähe des Büros muss, nur um wieder kehrtzumachen und sich zwischen Wäschehaufen und Spielzeug hastig ins Meeting einzuwählen, sieht das Teleworking vermutlich weniger gelassen. Unter Österreichern herrscht laut Umfragen mittlerweile Konsens, dass Teleworking auch nach der Pandemie vermehrt im Einsatz sein soll. Aber wer profitiert davon?

Schneller und länger

Manche Vorteile von Homeoffice liegen auf der Hand: Mitarbeiter sparen sich Zeit, weil sie nicht in die Arbeit fahren müssen. Laut Umfragen pendelt rund die Hälfte der Österreicher täglich knapp eine Stunde zwischen Heim und Arbeit hin und retour. Wer sonst im Stau steht, in vollen Bussen fährt oder neben Abgasen radelt, gewinnt dank Telearbeit an gehaltvoller Lebenszeit.

Laut Studie sind Heimarbeiter produktiver.
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Untersuchungen legen nahe, dass die Arbeit von daheim auch abgesehen vom entfallenen Pendeln Mitarbeiter zufriedener machen kann. Eine vielbeachtete Studie kommt von Nicholas Bloom, Ökonom an der Stanford-Universität. Zusammen mit Kollegen hat Bloom für eines der größten Reisebüros in China getestet, wie sich Homeoffice auf die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter auswirkt: 500 Freiwillige durften für neun Monate lang von zu Hause aus arbeiten.

Die Heimarbeiter waren wesentlich produktiver, seltener krank, und der Abgang aus der Firma war unter ihnen nur halb so groß wie im Rest der Belegschaft. Einerseits arbeiteten die Personen im Homeoffice im Schnitt um neun Prozent länger, andererseits erledigten sie um vier Prozent mehr Anrufe. Ein Manko: Alle, die von zu Hause arbeiteten, fühlten sich zunehmend isoliert. Außerdem wurden die Angestellten im Homeoffice seltener befördert, obwohl sie mehr Leistung erbrachten. Sein Gesicht zu zeigen und der Chefin mal einen Kaffee zu bringen zahlt sich wohl aus.

Kosten des Teleworkings

Andere Untersuchungen bestätigen den Befund, dass Homeoffice die Produktivität steigern kann. Allerdings hängt es von der Art der Tätigkeit ab. Das zeigt eine Auswertung von Eco Austria: Je selbstbestimmter die Tätigkeit, desto höher ist der Nutzen von Telearbeit. Generell gelte, dass die Produktivität abnimmt, je länger Mitarbeiter im Homeoffice sind.

Ob die Rechnung beim Homeoffice aus Sicht der Unternehmen aufgeht, hängt aber nicht nur mit der Produktivität der Beschäftigten zusammen, sondern hat auch damit zu tun, ob das Modell günstiger ist. Immerhin muss weniger Bürofläche gemietet, gewartet und eingerichtet werden, wenn Mitarbeiter zu Hause bleiben. Arbeitnehmer hingegen drohen durch die Finger zu schauen, wenn die Kosten des Teleworkings bei ihnen hängenbleiben.

Wer neben der Arbeit den Nachwuchs bei Laune halten musste, ist vielleicht nicht mehr der größte Homeoffice-Fan.
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Den Ruf nach Regeln fürs Homeoffice hat die Politik mittlerweile gehört. Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) soll zusammen mit den Sozialpartnern in der Arbeitsgruppe Homeoffice klären, welche Rahmenbedingungen die neue Arbeitswelt benötigt. Im Oktober fanden erste Treffen statt. Bis März sollen die neuen Regeln stehen. Also ein Jahr, nachdem Homeoffice für viele Österreicher zur Lebensrealität wurde.

Aus Sicht der Arbeitgeber sei wichtig, dass die Unfallversicherung rechtlich klar geregelt ist, sagt der Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Karlheinz Kopf, dem STANDARD. Zumindest bis Jahresende gilt, dass Unfälle im Homeoffice als Arbeitsunfälle zählen.

Betriebsvereinbarungen

Für die neuen Heimwerker ist wichtig, welche Zusatzkosten ihr Arbeitgeber übernimmt. Strom, Heizung, Internet, Büromöbel und belegter Wohnraum sind einige der Bereiche, bei denen so mancher Mitarbeiter mehr ausgeben muss. Gesetzlich kann ein Kostenersatz für Leistungen in Rahmen des Teleworkings geltend gemacht werden. In der Praxis tun sich einzelne Mitarbeiter schwer, derartige Forderungen mit ihren Vorgesetzten auszuhandeln.

Momentan regeln oft Betriebsvereinbarungen, welche Kosten ersetzt werden, sagt Silvia Hruška-Frank von der Arbeiterkammer. Das hat den Vorteil, dass flexibel auf die Situation eingegangen wird. Aber: "Wir sehen Fälle, da erhalten Mitarbeiter 90 Euro für zusätzlichen Stromverbrauch und andere keinen Cent", sagt Hruška-Frank. Damit Betriebsvereinbarungen den Kostenersatz besser regeln, müssten sie rechtlich soliden Beinen stehen. Das ist noch nicht der Fall, vieles beruht auf Freiwilligkeit.

Nicht rückwirkend

Weniger gut sieht es beim Ersatz bisheriger Kosten aus. Die Zusatzausgaben der vielen Menschen im Homeoffice, die nun im Winter mehr einheizen und künstliches Licht brauchen, genießen in der Arbeitsgruppe nicht oberste Priorität. "Derzeit sind wir immer noch im Krisenmodus. Bei den aktuellen Gesprächen geht es um langfristige Regelungen und nicht um rückwirkende Änderungen", sagt Kopf.

Bei der Arbeiterkammer appelliert man daher: "Die Abrechnung von Kosten für die abgelaufenen Monate sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden", sagt Hruška-Frank. Dazu müssen Mitarbeiter die Rechnungen vorlegen.

Wenn sich Teleworking etabliert, sind solche Einzellösungen kaum praktikabel. Andere Länder sind bei der Kostenaufteilung viel weiter. Mit Neid darf der hiesige Heimwerker in die Schweiz blicken, wo Arbeitgeber bei Homeoffice sogar einen Anteil der Miete übernehmen. (Leopold Stefan, 27.10.2020)