"Kann man das Gerät auch per Ratenzahlung kaufen?", fragt eine Frau um die 50, die gerade das Geschäft betreten hat. Das Gerät nennt sich Cookit und ist der Grund, warum sich Passanten die Nase an der Scheibe des Bosch-Flagshipstores in der Wiener Mariahilfer Straße plattdrücken.

Dort soll ich eine Kurzeinführung für ein Testgerät erhalten. Der Cookit ist erst seit Juni auf dem Markt der "selbstkochenden" Multifunktionsgeräte für die Küche, der bisher von Vorwerk mit dem Thermomix dominiert wurde. Für diesen legt man derzeit 1359 Euro auf den Tisch. Dem steht der Cookit nicht viel nach: 1.299 Euro kostet das Grundgerät inklusive Zubehör wie Dämpf- und Zerkleinerungsaufsatz zum Raspeln. Und die Zahlung per Raten ist tatsächlich möglich.

Der Cookit von Bosch.
Foto: Bosch

Kochen daheim

Der smarte Helfer wurde 2019 auf der Elektronikmesse IFA präsentiert, wegen Corona startete der Verkauf erst im Juni über die Website. Binnen 45 Minuten war die erste Tranche ausverkauft. Einer der Gründe dafür dürfte im Lockdown im Frühling zu suchen sein, meint Marjam Sadegh, Head of Cookit Austria. Selbst Menschen, die selten kochen, waren gezwungen, sich daheim Mahlzeiten zuzubereiten. Familien mussten beim Homeschooling (womöglich neben der Homeoffice-Tätigkeit) die Kinder auch regelmäßig mit warmen Mahlzeiten versorgen, was sonst teils in Schule oder Kindergarten erfolgt. Kein Wunder, dass der Wunsch nach technischer Unterstützung gewachsen ist.

Der von Bosch favorisierte Verkauf über den Webshop und ausgewählte Fachhändler ist in Zeiten wie diesen erst recht von Vorteil, setzt Konkurrent Thermomix doch vordringlich auf den Vertrieb über Partys. Diese werden aufgrund der Nachfrage mittlerweile auch von Bosch angeboten. (Anm. wegen der aktuellen Lage werden derzeit Online-Vorführungen angeboten)

Zum Testen daheim erhalte ich einen beeindruckend großen Trolley, der alle Teile enthält. Die Kunden bekommen einen Karton, der mit "Hallo ich bin zuhause" (das "o" als Herzsymbol) bedruckt ist. Damit soll schon von Beginn an eine besondere Beziehung zum Gerät hergestellt werden, die dann weiter durch regelmäßige Newsletter gepflegt wird.

Risottorühren ist nur eine der Tätigkeiten, die der neue Tausendsassa von Bosch ohne Murren übernimmt.
Foto: Getty Images

Echt XL

Im großzügigen Store wirkte der Cookit lange nicht so voluminös wie in meiner doch relativ kleinen Küche, das ist die erste Erkenntnis. Er nimmt einiges an Raum ein. Schließlich fasst der Topf auf dem Grundgerät drei Liter, und auch der Deckel, der aus drei zerlegbaren Teilen inklusive Messbecher besteht, braucht Ablagefläche, wenn er abgenommen wird.

Der Topf ist schwer, ihn mit einer Hand zu halten, um etwas herauszuleeren, ist für durchschnittlich kräftige Menschen kaum möglich. Doch Bosch hat sich bei der Entwicklung des Geräts (man tüftelte seit 2015 daran) ja etwas gedacht und Analysen und Umfragen durchgeführt.

Ein großer Drei-Liter-Topf, in dem man Mahlzeiten für eine mehrköpfige Familie zubereiten kann, war offenbar ein gewünschtes Feature – gerade im Vergleich zur Konkurrenz. Das große Topfvolumen könnte natürlich auch für die Gastronomie interessant sein.

Verbunden mit der App

Das Gerät wird zunächst mit dem WLAN verbunden. Dabei setzt Bosch auf die eigene Smart-Home-App. Damit lassen sich nicht nur neue Rezepte abrufen und Updates einspielen, man kann auch den Fortschritt verfolgen. Beim Wäscheaufhängen lässt sich also mit dem Blick aufs Handy feststellen, wann das Gerät erneut bedient werden muss.

Die gespeicherten Gerichte am Cookit finden heißt: sich durch Kategorien auf dem bebilderten Touch-Display zu scrollen, eine echte Suche gibt es – noch – nicht, allerdings eine Filterfunktion. "Wir planen laufend Verbesserungen", erklärt Marjam Sadegh, allein an Rezepten gibt es derzeit bereits 360 (von ursprünglich 200 im Juni) im Repertoire.

Neben dem sogenannten Guided Cooking – also der Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Zubereitung von gespeicherten Gerichten – stehen auch 24 Automatikprogramme zur Auswahl. Das umfasst Vorgänge wie Teig kneten, Zwiebeln anbraten oder Schokolade schmelzen.

Klare Anweisungen

Ist die Speise gewählt, erhält man klare Anweisungen: zunächst, welches Rührteil (Messer, 3D-Rührer oder Zwillingsbesen) man auf die Antriebsachse im Topf setzen soll.

Dann kommt die jeweilige Zutat – die Menge kann mittels integrierter Waage dosiert werden – in den Behälter, der Deckel muss nun mittels Drehen verschlossen werden, sonst läuft der Motor nicht – eine Sicherheitsvorkehrung. Für meinen Test habe ich als erste Speise Risotto gewählt, es gelingt wunderbar, obwohl ich die Zutaten etwas variiert habe.

Ich werde mutiger: Für einen Brotteig verwende ich mein eigenes erprobtes Rezept und nutze nur die Automatikfunktion "Teig kneten". Das funktioniert mit dem Universalmesser in kürzester Zeit. Ich knete kurz händisch nach, dann kann der Teig im Topf bei 37 Grad aufgehen. Dies ist der untere Wert der Temperaturrange des Cookit. Bis zu 200 Grad heiß kann der Topfboden werden, Fleisch lässt sich also gut anbraten.

Die Funktion Teig gehen lassen, erweist sich als sehr praktisch.
Foto: Petra Eder
Die "Sonntagsbrötchen" nach einem Rezept aus dem beigelegten Kochbuch bevor sie ins Rohr kommen.
Foto: Petra Eder

Damit punktet Bosch besonders, denn die Vorwerk-Konkurrenz schafft mit dem aktuellsten Modell TM6 nur 160 Grad. Bei der Zubereitung einer Zucchini-Suppe wechsle ich überhaupt auf manuelles Kochen. Die Suppe hatte ich zwar aus dem Guided-Cooking-Programm gewählt, doch die Croûtons, die ich zu Beginn braten soll, müsste ich händisch umrühren. Wäre das nicht genau das, was mir das Gerät abnehmen soll? Mit offenem Deckel ist das eben aus Sicherheitsgründen nur ohne Rühr- oder Schneideinsatz möglich. Doch wer sagt, dass das nicht auch mit Deckel funktioniert? Eben, das Ganze dauert länger, aber dafür kann ich stattdessen anderes erledigen.

Rühren, rühren

Dass die Cookit-Community gerne experimentiert, lässt sich auch in diversen Foren und Blogs sehen, dort findet ein lebhafter Austausch zu Rezepten statt, und es werden kreative Tipps gegeben, auch zu Mengenangaben. Wegen des XL-Topfes, der eine Mindestmenge benötigt, sind die Portionen aus dem Cookit nämlich recht groß.

Das ist für eine mehrköpfige Familie wunderbar praktisch, will man aber nur für die Kleinfamilie kochen, tut man sich etwas schwer. Erst recht, wenn man Sauce Hollandaise (gelingt sehr gut) mit der vorgegebenen Menge von einem Viertelkilo Butter zubereitet – und einfrieren ist wohl keine gute Idee.

Die Hollandaise gelingt, nur die Menge ist zu viel.
Foto: Petra Eder

Hier wünscht man sich eine Mengenanpassung. "Ist in der Pipeline", verspricht Marjam Sadegh, die mehrmals betont, dass man Wünsche ernst nehme und weiteres Zubehör plane. Mein Highlight beim Test ist jedenfalls eine Sauce Béchamel für Lasagne: Dass hier die Maschine statt mir rührt, macht sie äußerst sympathisch. Und die Menge ist ebenfalls kein Problem, denn Lasagne gibt’s auch bei mir in der kleinen Küche immer in einer XL-Auflaufform. (Petra Eder, RONDO, 6.11.2020)

Das Gerät wurde für die Dauer des Tests zur Verfügung gestellt.