Michael Collins bei einer Diskussionsrunde im Jahr 2019.
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Jeder kennt Neil Armstrong, und die meisten auch Buzz Aldrin – wer hingegen das dritte Mitglied der historischen Apollo-11-Mission war, da müssen viele erst einmal überlegen. Denn einer aus dem Trio hatte die undankbare, aber notwendige Aufgabe, in der Kommandokapsel den Mond zu umkreisen, während die beiden anderen ihren "großen Sprung für die Menschheit" machten. Und die Wahl war auf Michael Collins gefallen, der nun seinen 90. Geburtstag feiert.

Werdegang

Geboren wurde Collins am 31. Oktober 1930 in Italien als Sohn eines US-Militärattaches. Seinem Highschool-Abschluss in den USA folgte die Aufnahme in die Militärakademie und Kader-Schmiede West Point, wo er sich zum Kampfflieger und Testpiloten ausbilden ließ. 1963 schaffte es Collins in die Astronautenauswahl der NASA.

Seinen ersten wichtigen Einsatz hatte er im Jahr 1966 für die Mission Gemini 10 – und da nicht nur als "Chauffeur". Collins war Pilot der ersten Mission, bei der ein Raumschiff an gleich zwei Satelliten nacheinander andockte. So wurde er auch der erste Mensch, der sich im All von einem Flugkörper zum anderen bewegte – und nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt gewesen.

Der Höhepunkt

Und dann Apollo 11: Rund eine halbe Milliarde Zuschauer auf der Erde bejubelten am 20. Juli 1969 die Mondlandung vor ihren Fernsehern. Collins war mittendrin – und doch ganz alleine. Einsam sei er trotzdem nicht gewesen, betont Collins immer wieder, wenn er danach gefragt wird. "Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von Apollo 11 hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen."

Als Helden will Michael Collins (Mitte) sich und seine beiden Kollegen nicht sehen. Sie hätten einfach ihre Aufgabe erfüllt.
Foto: AP/NASA

Der damalige US-Präsident Richard Nixon vergaß bei seiner Live-Schaltung vom Weißen Haus zum Mond allerdings, Collins zu erwähnen – ein erstes Zeichen dafür, dass Collins nie den Ruhm von Armstrong und Aldrin erlangen würde.

Nur ein Jahr nach seinem Flug zum Mond verließ Collins die NASA und wurde Ministerialdirektor im Außenministerium. 1971 übernahm er den Direktorenposten im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington. Ein Angebot, im Apollo-Programm zu bleiben, hatte er abgelehnt – obwohl es die Chance beinhaltet hätte, 1972 im Rahmen von Apollo 17 selbst den Mond zu betreten. Noch hatte niemand gewusst, dass diese Mission zumindest für ein halbes Jahrhundert die letzte Gelegenheit dafür sein würde.

Abgeklärte Sicht

Im Alter zog sich Collins zurück. "Grummelig" sei er geworden, sagte er einmal in einem seiner inzwischen seltenen Interviews. Seine Zeit verbringe er mit "Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Malen, Kochen, Lesen, Sorgen um die Börsenwerte machen und der Suche nach einer guten Flasche Cabernet für weniger als zehn Dollar".

Als Held habe er sich nie gesehen. "Es gibt Helden, die auch gefeiert werden sollten, aber Astronauten gehören nicht dazu. Wir arbeiten hart und haben unsere Aufgabe fast perfekt erfüllt, aber dafür waren wir auch angestellt worden." Aber er habe Glück gehabt im Leben – und sei auch glücklich gewesen. "Schreibt 'Glücklich' auf meinen Grabstein." (red, APA, 31. 10. 2020)