Tesla-Chef Elon Musik ist vom "Full Self Driving"-Modus überzeugt. Die Nutzer sind da eher geteilter Meinung.

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Während andere Hersteller seit Jahren mit großer Vorsicht an der Entwicklung von selbstfahrenden Autos arbeiten, hat Tesla einen anderen Weg gewählt: Vor kurzem wurde der "Full Self Driving"-Modus kurzerhand als Beta-Version für die Besitzer entsprechender Elektroautos veröffentlicht. Dass man diesem System trotz seines Namens lieber noch nicht die uneingeschränkte Kontrolle über sein Fahrzeug überlassen sollte, betont dabei sogar Tesla selbst. Und wie sich nun zeigt, sind diese Warnungen durchaus berechtigt.

Reaktionen

Die ersten Reaktionen auf den autonomen Fahrmodus von Tesla fallen ziemlich durchwachsen aus, wie CNN Business berichtet. Während manche Nutzer davon beeindruckt sind, beklagen andere schwere Defizite. Der "Full Self Driving"-Modus fahre wie ein Betrunkener, fasst es ein verärgert Tesla-Kunde zusammen. Ein anderer hat wiederum Videos gepostet, in denen zu sehen ist, wie das Fahrzeug beinahe die Straße verlässt oder einfach beim Abbiegen zwischen die beiden Fahrtrichtungen fährt. Andere Clips zeigen, wie ein Tesla einfach das Rotlicht an der Ampel ignoriert oder simple Abbiegungen verpasst. Auch ein Auffahrunfall konnte so mancher Nutzer nur durch manuelles Eingreifen verhindern.

Ein Teil des Problems dürfte dabei allerdings auch die Erwartungshaltung sein. Mit Begriffen wie "Full Self Driving" erzeugt Tesla-Chef Elon Musk den Eindruck, dass es wirklich um autonomes Fahren gehe. Von der Leistungsfähigkeit her sind die Systeme des Autohersteller aber noch weit von dem entfernt, was Firmen wie die Google-Schwester Waymo in dieser Hinsicht vermögen. Experten hatten Musk entsprechend auch immer wieder vorgeworfen, hier aus Werbegründen gezielt irreführende Begriffe zu verwenden. Überhaupt glänzt der Tesla-Chef in dieser Hinsicht nicht unbedingt durch realistische Einschätzungen. So prognostizierte er 2016, dass schon 2017 der erste Tesla komplett ohne Eingriff des Fahrers von Los Angeles nach New York fahren könnte. Davon sind die Autos des Unternehmens aber auch derzeit noch weiter entfernt.

Beta

Bei Tesla lässt man sich von all dem nicht beeindrucken. So hat das Unternehmen in den vergangenen Tagen bereits eine neue Beta verteilt, die angeblich die Notwendigkeit manueller EIngriffe um ein Drittel reduziert. In Zukunft soll die Software alle fünf bis zehn Tage aktualisiert werden. Natürlich nur bei denen, die bereits sind, das nötige Kleingeld auszugeben. Die Aktivierung des "Full Self Driving"-Modus kostet aktuell zwischen 8.000 und 10.000 US-Dollar. Sie funktioniert mit Tesla-Fahrzeugen, die seit dem Jahr 2016 produziert wurden. (red, 2.11.2020)