In Little Havana feierten die US-Kubaner den Sieg von Donald Trump in Florida.

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Der 41-jährige Youtuber Alex Otaola sieht sich als Stimme der jungen kubanischen Bevölkerung in den USA.

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Washington – Der klare Sieg von US-Präsident Donald Trump in dem umkämpften Schlüsselstaat Florida geht laut Experten auf dessen Umwerben der dortigen Latino-Bevölkerung durch scharfe Kritik an den linken Regierungen in Lateinamerika zurück. Die "enge Beziehung" des Amtsinhabers zu den kubanischen und venezolanischen Gemeinden in Miami habe "das Gleichgewicht zugunsten von Trump gekippt", sagte Jorge Duany, Leiter des kubanischen Forschungsinstituts an der Universität FIU, in der Wahlnacht.

Auch sein FIU-Kollege, der Politikwissenschafter Eduardo Gamarra, sieht die Niederlage Joe Bidens in Florida in den vielen nichtgewonnenen Stimmen der Latinos begründet, die 20 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaats ausmachen.

Little Havana feierte Trump-Sieg

"Die Demokraten haben die hispanische Abstimmung verloren", sagte Gamarra. Nicht nur die Kubaner, die die große Mehrheit der Latinos in Florida ausmachen und die traditionell den Republikanern nahestehen, wählten demnach diesmal Trump. Auch die Venezolaner, Argentinier, Bolivianer und Kolumbianer hätten für Trump gestimmt.

In Miamis Stadtteil Little Havana hörten dutzende Kubaner am Dienstagabend Salsamusik und schwenkten US-Flaggen, als sie Trumps Sieg in Florida feierten. "Freiheit für Kuba!", rief eine Frau vor TV-Reportern. Viele Kubaner in dem südlichen Bundesstaat verabscheuen die kommunistische Regierung in Havanna. Trump punktete bei ihnen mit seiner antisozialistischen Rhetorik.

Youtuber als Stimme der jungen Kubaner

Dass die Meinungen der jungen US-Kubaner eher republikanisch sein dürften, zeigt sich auch an der einflussreichen Youtube-Show des 41-jährigen Alex Otaola. Täglich schauen sich rund 100.000 Menschen an, was der Influencer zu sagen hat – unter anderem, dass er bei der vergangenen Wahl für Hillary Clinton gestimmt und seither seine Meinung in Richtung Trump geändert hat. Die Demokraten seien ihm zu links geworden, erklärte Otaola, der daraufhin zu einem persönlichen Treffen mit Trump Mitte Oktober eingeladen wurde.

Otaola trug dabei einen grünen Turban und hatte den republikanischen Abgeordneten Mario Diaz-Balart dabei. Der Youtuber bot dem Präsidenten schließlich eine Liste von 60 kubanischen Künstlern und Prominenten an, die enge Kontakte zur kubanischen Führung pflegen. Otaola forderte, dass die Trump-Regierung überlegen solle, den Betroffenen ihre US-Visa zu entziehen. Denn die jungen Kubaner hätten genug vom Kommunismus.

Black Lives Matter schadete Biden

Die Antirassismusproteste, die nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt im Mai die USA erschütterten, hätten die Latinos in Florida nicht dazu bewogen, für Biden zu stimmen, sagte Gamarra. Ganz im Gegenteil: Dem Wissenschafter zufolge schadete die Black-Lives-Matter-Bewegung Biden in Florida. Die Latinos dort würden sich nicht mit den Schwarzen in den USA identifizieren.

Biden habe den Wahlkampf in Florida außerdem nur zögerlich geführt und auf Trumps Darstellung als das Gesicht der extremen Linken, die den Sozialismus in den USA einführen würde, nur langsam reagiert. Offenbar hatten die Demokraten aber eine böse Vorahnung über Trumps Strategie und schickten dessen Vorgänger Barack Obama nach Miami. Der versuchte bei einer Drive-in-Veranstaltung gegen Trumps Rhetorik zu arbeiten: "Wenn man den Republikanern zuhört, würde man meinen, dass Joe kommunistischer als die Castros ist! Lasst euch von diesem Mist nicht reinlegen."

Mit dem Erfolg in Florida gewann Trump 29 Wahlleutestimmen und machte damit einen wichtigen Schritt im Rennen um die Präsidentschaft. Er hatte auf vielen Kundgebungen im Sunshine State für sich geworben. (APA, red, 4.11.2020)