Kosovo, 13. März 1999: Der damalige UÇK-Anführer Hashim Thaçi gibt eine Pressekonferenz.

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Den Haag – Wenige Stunden nach seinem Rücktritt wegen einer Anklage des Kosovo-Kriegsverbrechertribunals ist der ehemalige Präsident des Kosovo, Hashim Thaçi, festgenommen worden. Wie das Tribunal in Den Haag am Donnerstagabend mitteilte, wurde Thaçi inzwischen in eine Haftanstalt des Tribunals gebracht.

Thaçi hatte im Tagesverlauf in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina erklärt, dass er mit sofortiger Wirkung sein Amt aufgebe. Er habe erfahren, dass seine Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bestätigt worden sei. Thaçi war während des Unabhängigkeitskriegs 1998/99 Oberkommandierender der kosovoalbanischen UÇK, der Kriegsverbrechen vorgeworfen werden.

Thaçi hatte erklärt, der Richter werde es ihm nicht gestatten, als Präsident vor Gericht zu erscheinen. Um die Integrität des Staates zu schützen, trete er zurück. Der Parlamentspräsident werde als Staatsoberhaupt fungieren, bis ein neues gewählt worden sei.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Bereits im Juni war die Anklage eingereicht worden. Darin werden Thaçi und anderen Angeklagten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen, darunter fast 100 Morde an Zivilisten. Im Juli hatte Thaçi die Anklagevertreter in Den Haag getroffen, um über die Anschuldigungen zu sprechen. Er hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die paramilitärische Organisation UÇK trat Anfang der 90er-Jahre in Erscheinung und kämpfte mit Gewalt für die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien. 2008 erklärte sich die Republik Kosovo für unabhängig. Thaçi war ihr erster Regierungschef, 2016 wurde er zum Präsidenten gewählt. (Reuters, 5.11.2020)