EU-Wettbewerbskommissarin Vestager greift immer wieder gegen US-IT-Konzerne durch: So musste Google insgesamt acht Milliarden Dollar zahlen, Apple 13 Milliarden.

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EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager will am Dienstag eine Klage gegen den US-Konzern Amazon einreichen. Dabei geht es darum, dass das Unternehmen Nutzerdaten, die es auf seinem Online-Marktplatz sammelt, zu seinem eignen Vorteil gegen andere Händler nutzen soll. Der Fokus liegt dabei auf der doppelten Rolle, die Amazon einnimmt: Das Unternehmen agiert nämlich sowohl als Marktplatzanbieter als auch selbst als Verkäufer.

Vorteil

Amazon hat dabei einen Vorteil: Das Unternehmen kann Informationen darüber sammeln, welche Produkte Kunden interessieren, wie viel sie dafür ausgeben würden, wer die großen Player auf dem Markt sind – und auch, wie übersättigt er ist. So weiß Amazon auch, wann ein bestimmtes Segment einen neuen Teilnehmer vertragen könnte, der die Mitbewerber aussticht. Gemeinsam mit Amazons massiven finanziellen Möglichkeiten und seiner Strategie, nicht in Produkten, sondern in Ökosystemen zu denken, kann die Firma zu einem günstigeren, weil künstlich geschaffenen Preis anbieten als einige Konkurrenten, insbesondere Neugründungen. Vor allem diese Datensammlung, die das Unternehmen über die Konkurrenz betreibt, ist der EU-Kommission ein Dorn im Auge.

Amazon wollte einen Bericht der "Financial Times" zu dem Wettbewerbsverfahren nicht kommentieren. In der Vergangenheit dementierte das Unternehmen aber, dass es anders agiere als andere Händler – schließlich würden etwa stationäre Händler ebenfalls Eigenmarken verkaufen, Online-Marktplätze seien überhaupt nur ein Bruchteil des Handelssektors.

Zuvor Google und Apple bestraft

Zusätzlich zu seinem Datenschatz hat Amazon im Vergleich zu den Unternehmen, die auf seinem Marktplatz verkaufen, einen unkomplizierten Vertriebsweg – und gleichzeitig die Möglichkeit, die eigenen Erzeugnisse aggressiv zu bewerben, während gleichwertige Konkurrenzprodukte nach hinten verlagert werden.

Vestager greift in ihren Verfahren immer wieder gegen US-IT-Konzerne durch: So musste Google in drei verschiedenen Fällen insgesamt acht Milliarden Dollar zahlen, Apple musste 13 Milliarden Dollar Steuern in Irland nachzahlen. (muz, 10.11.2020)