Tausende gedachten des Oppositionellen Roman Bondarenko in Minsk.

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Minsk – Nach dem Tod eines Regierungsgegners ist es in Belarus zu erneuten Massenprotesten in der Hauptstadt Minsk und anderen Städten des Landes gekommen. Tausende gingen am Freitag auf die Straßen, nachdem der Tod es 31-jährigen Oppositionellen Roman Bondarenko bekannt wurde. Er starb im Krankenhaus und war nach Angaben von Demonstranten zuvor von Sicherheitskräften misshandelt worden. Auf Videos waren Bürger mit weiß-rot-weißen Fahnen und Fotos von Bondarenko zu sehen. Hunderte Menschen fanden sich zu einer Schweigeminute zusammen und skandierten danach: "Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben."

"Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben", skandierten die Demonstranten.
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Das Innenministerium wies jegliche Verantwortung für den Tod des Regierungsgegners zurück und nannte einen Streit zwischen Zivilisten als Ursache. Laut Augenzeugen war Bondarenko verhaftet worden, nachdem er sich an einem Spielplatz ein Handgemenge mit Personen in Zivilkleidung geliefert hatte. Diese hatten dort rot-weiße Bänder entfernen lassen – ein Symbol der Oppositionsbewegung gegen Präsident Alexander Lukaschenko.

EU droht mit weiteren Sanktionen

Die EU hat Belarus mit weiteren Sanktionen gedroht. Dies geht aus einer Stellungnahme eines Sprechers des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell vom Freitag hervor. Zuvor hatte die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja die EU dazu aufgefordert, den Druck zu erhöhen. Roman Bondarenko ist ein Held, ein unschuldiges Opfer eines furchtbaren Regimes", sagte Tichanowskaja. Sie hatte selbst wegen politischer Verfolgung nach der Präsidentenwahl am 9. August das Land verlassen und lebt seither im Exil in der EU.

Lukaschenko hatte im August den Wahlsieg mit 80,1 Prozent der Stimmen für sich beansprucht. Die Opposition sprach von Wahlbetrug. Seitdem kommt es immer wieder zu Massenprotesten, die Sicherheitskräfte gehen teils brutal gegen Demonstranten vor. Tausende Menschen wurden festgenommen.

Lukaschenko regiert das Land seit 26 Jahren mit harter Hand. Die EU-Staaten erkennen die Präsidentenwahl nicht an. Die Europäische Union nannte den Tod Bondarenkos "ein empörendes und beschämendes Ergebnis" des Agierens der belarussischen Behörden. Sie drohte zugleich mit möglichen weiteren Sanktionen gegen das Land. Von den bisherigen sind hohe Amtsträger von Belarus betroffen. (Reuters, APA, red, 13.11.2020)