Kyle Lafferty stürmte trotz eines Trauerfalls in der Familie gegen die Slowakei. Nach dem 1:2 war der Nordire gebrochen.

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Nations League: Österreich vs. Nordirland, So. 20.45 Uhr

Wien – Österreichs Nationalmannschaft empfängt am Sonntagabend einen gebrochenen Gegner zum vorletzten Spiel der Nations-League-Gruppenphase im leeren Prater-Oval. Nordirlands Auswahl kassierte drei Tage vor dem Gastspiel in Wien die bitterste Niederlage der jüngeren Vergangenheit. Die "Norn Iron" verlor am Donnerstag in Belfast das Playoff um einen Startplatz bei der EM im kommenden Jahr gegen die Slowakei mit 1:2 nach Verlängerung. Teamchef Ian Baraclough war danach bemüht, keine Untergangsstimmung aufkommen zu lassen.

"Ich würde nicht sagen, dass wir eine Gelegenheit verschwendet haben. Wir waren einfach nicht in der Lage, eine Gelegenheit zu nützen", sagte der 49-Jährige, gab aber zu, dass die Pleite vor 1060 zugelassenen Fans im Windsor Park "eine gewisse Zeit schmerzen" werde.

Kurze Hoffnung

Die Slowaken war durch Juraj Kucka (17.) in Führung gegangen, dank eines Eigentors von Milan Skriniar (88.) retteten sich die Nordiren in die Verlängerung. Die Gäste hatten aber das bessere Ende für sich, weil Goalie Bailey Peacock-Farrell in der 110. Minute einen haltbaren Schuss von Michal Duris passieren ließ. "Es war ein Spiel auf des Messers Schneide, die Partie hätte auch in die andere Richtung kippen können. Wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagte Baraclough.

Die Nordiren verpassten damit ihre zweite EM-Teilnahme nach 2016. In der Nations League geht es nur noch um einen halbwegs versöhnlichen Ausklang. Nordirland liegt in Gruppe 1 der Liga B nach vier von sechs Runden mit nur einem Punkt am Tabellenende.

Baraclough wusste unmittelbar nach der Niederlage gegen die Slowakei noch gar nicht, mit welchen Kickern er die Reise nach Wien antreten wird. "Fünf oder sechs Spieler werden vielleicht nicht dabei sein." Ins Flugzeug steigen wollte Kyle Lafferty, obwohl seine Schwester Sonia erst vor einer Woche im Alter von 41 Jahren gestorben war. Trotz des Todesfalls war der Stürmer gegen die Slowakei im Einsatz und hatte in der 90. Minute mit einem Stangenschuss Pech.

Stimmungsaufheller

Ebenfalls mit gegenüber dem jüngsten Spiel deutlich veränderter Formation, aber in deutlich besserer Stimmung werden die Gastgeber antreten. Allseits begrüßt wird die für Samstag avisierte Rückkehr von Marko Arnautovic in den Kader. "Wir freuen uns, dass er zurückkommt. Er ist wichtig für uns auf dem Platz und außerhalb. Ich bin schon auf seine Geschichten gespannt", sagte Aleksandar Dragovic, der wie Arnautovic schon 85 Länderspiele auf dem Buckel hat, also wie dieser im besten Fall schon im nächsten Jahr als erst zweiter Spieler nach Rekordler Andreas Herzog (103) den Hunderter an Einsätzen für die Elite des österreichischen Fußballbundes knacken kann.

Dass Nordirland nach einer schweren Enttäuschung in Wien antritt, sah Dragovic nicht unbedingt als Vorteil. Mir wäre lieber gewesen, sie hätten sich qualifiziert. Dann hätten sie wahrscheinlich zwei Tage durchgefeiert", sagte der 29-Jährige.

Über den Gruppensieg wird erst am Mittwoch im Heimspiel gegen die Norweger entschieden, sofern die Partie stattfinden kann. Norwegens Team wurde von der Gesundheitsbehörde unter Quarantäne gestellt, das Spiel am Sonntag in Rumänien abgesagt. Teamchef Franco Foda will gegen Nordirland aber "unbedingt gewinnen, weil wir einfach mit einem guten Gefühl ins letzte Spiel gehen wollen". Ein Erfolg über die Nummer 41 der Weltrangliste wäre für die Nummer 25 der fünfte Sieg en suite. (APA, lü, 14.11.2020)