Damaskus – Syriens langjähriger Außenminister Walid al-Muallem ist tot. Er sei Montagfrüh im Alter von 79 Jahren gestorben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Vorerst waren keine Details zu den Umständen seines Todes bekannt, allerdings habe er in den vergangenen Jahren an Herzproblemen gelitten.

Al-Muallem stand seit 2006 an der Spitze des syrischen Außenministeriums. 2012, ein Jahr nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs, wurde er auch zum stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt. Von 1990 bis 2000 war er Botschafter Syriens in den USA.

Walim al-Muallem vor der Uno in New York.
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Al-Muallem war neben Machthaber Bashar al-Assad das nach außen hin prominenteste Gesicht der syrischen Regierung. Bekannt war er für seine Auftritte, bei denen er mit ruhiger Stimme die Politik seines Landes vehement verteidigte. Der Sunnit galt als äußerst loyaler Gefolgsmann der Assad-Familie, die der religiösen Minderheit der Alawiten angehört und in Syrien seit 50 Jahren herrscht.

Gleichzeitig war Al-Muallem scharfer Kritiker der Opposition, der er vorwarf, von ausländischen Mächten bezahlt zu sein. Sämtliche internationalen Initiativen scheiterten bisher mit dem Plan, eine Annäherung zwischen der Regierung und ihren Gegnern zu erreichen, um den Boden für eine politische Lösung des Konflikts zu erreichen.

Friedensgespräche

2014, rund drei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs, stand Al-Muallem bei den Friedensgesprächen in der Schweiz an der Spitze der Regierungsdelegation. Dort hielt er sich zum Auftakt trotz einer Ermahnung des damaligen UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon nicht an die vorgeschriebene Redezeit, woraufhin es zu einem Schlagabtausch kam.

Al-Muallem war nach seinem Wirtschaftsstudium in Kairo im Jahr 1964 in den diplomatischen Dienst seines Landes eingetreten. In den 1990er-Jahren war er syrischer Botschafter in Washington. Zuletzt war er in der vergangenen Woche bei einer Konferenz in Damaskus aufgetreten. 2014 hatte er sich in der libanesischen Hauptstadt Beirut einer Herzoperation unterziehen müssen. Syrien ist gezeichnet von dem seit 2011 tobenden Bürgerkrieg. Fast 400.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, mehr als 5,5 Millionen sind laut Uno-Angaben auf der Flucht. (red, APA, Reuters, 16.11.2020)