Wer am Südufer des Weißensees, mit Blick auf die markante Kirche in Techendorf, einen Spaziergang unternimmt, der stößt auf eine kleine Hütte. Sie befindet sich dort, wo im Winter die Eisläufer auf das zugefrorene Wasser gehen.

Noch steht sie einsam da, aber bald kommt noch einiges an Infrastruktur dazu. Schließlich wird der 6,5 Quadratkilometer große See am Fuße der Gailtaler Alpen dank seiner Lage auf fast 1.000 Höhenmeter zur größten Natureislauffläche Europas.

Doch auch wenn es Einheimische wie Gäste auch in dieser Saison wieder aufs Eis zieht, das ganz große Spektakel wird nicht stattfinden. Die Holländer bleiben zu Hause, Corona macht der "Alternativen Elf-Städte-Tour", der größten Eisveranstaltung der Welt, einen Strich durch die Rechnung.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Normalerweise tummeln sich im Winter tausende Niederländer am Weißensee.
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"Es ist bitter. Seit 33 Jahren gibt es dieses Event, und jetzt müssen wir passen", sagt Thomas Michor, Chef des Weißensee-Tourismus. Im Sommer noch waren die holländischen Organisatoren da. Man hat alles begutachtet, Hygienekonzepte geschmiedet und Pläne erstellt. Aber es nützte alles nichts, die Pandemie lässt es nicht zu.

Nicht nur im Weißenseer Kalender ist diese größte Eissportveranstaltung der Welt in den letzten beiden Jännerwochen ein Fixpunkt. Tausende Holländer – Spitzensportler, Hobbyeisläufer und Zuseher – reisen an, von Rotterdam nach Klagenfurt gibt es in dieser Zeit eigene Flugverbindungen.

Früher fand die Elf-Städtetour (Elfstedentocht) in den Niederlanden auf Grachten statt. Doch diese frieren – Stichwort Klimawandel – nicht mehr zuverlässig zu.

Also fällt seit 1989 der Startschuss auf dem Weißensee. Dann rasen die Läufer bis zu 200 Kilometer über den zugefrorenen See, dessen Bahnen zuvor tage- und nächtelang von den heimischen Eismeistern präpariert worden sind, auf dass das Eis so spiegelglatt ist wie der stille See in einer lauen Sommernacht.

Das Elfstedentocht hat in Kärnten mittlerweile genauso Tradition.
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"Da sind natürlich viele Freundschaften entstanden, aus der Kooperation ist längst eine Partnerschaft geworden", sagt Michor, der sich auch noch daran erinnert, wie er als junger Bursch bei der ersten Organisation mitgeholfen hat.

"Oben beim Kreuzwirt kam ein Bus nach dem anderen voll mit Holländern an. In jeden ist ein Einheimischer eingestiegen und hat den Gästen geholfen, das Quartier zu finden", erinnert er sich.

Am Kreuzwirt, einem Kinder- und Familienhotel, muss jeder vorbei, der – von Norden kommend – den See erreichen will. Chef Franz Aigner gehört, wie viele in der Region zu den Förderern der Veranstaltung. "Es ist sehr, sehr schade, dass die Holländer zum ersten Mal nicht kommen können. Wir hoffen jetzt auf die Österreicher", sagt er.

Gäste fehlen

Denn natürlich ist die Absage finanziell ein harter Schlag. "Während der Wettbewerbe verbuchen wir 35.000 Übernachtungen, und man kann rechnen, dass jeder Gast im Schnitt pro Tag 75 Euro ausgibt", sagt Michor. Kurz den Taschenrechner bemüht – es sind mehr als 2,6 Millionen Euro.

"Das können wir mit österreichischen Gästen nicht zu 100 Prozent kompensieren", meint Michor. Insgesamt gibt es 3500 Betten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Doch wer sich umhört, erfährt zwar noch mehr Bedauern über die abgesagte Veranstaltung, vernimmt aber auch immer wieder: "Umbringen wird es den Weißensee nicht."

Im Sommer nämlich ist es sehr, sehr gut gelaufen. Mehr Österreicher und mehr Deutsche als sonst wollten im Naturpark wandern, biken und schwimmen.

Platzmangel im Sommer

"Die Nachfrage war so groß, dass wir an manchen Tagen 100 bis 120 Anfragen nicht bedienen konnten", so Michor. Auf jeden Fall hoffen alle, dass 2022 der Spuk vorbei ist und die Alternative Elf-Städte-Tour wieder stattfinden kann.

Dass sie überhaupt am Weißensee abgehalten wird, ist übrigens ein bisschen James Bond zu verdanken. In Der Hauch des Todes (1987) rast Bond-Darsteller Timothy Dalton in einem Geigenkasten über einen zugefrorenen See. Organisatoren der Elf-Städte-Tour wollten wissen, wo das gedreht wurde. Die Antwort: am Weißensee in Kärnten. (Birgit Baumann, 18.11.2020)