Dolly Parton ist eine Gute. Ihre Fans lieben sie dafür.

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Eben hat sie das Weihnachtsalbum A Holly Dolly Christmas veröffentlicht. Was Stars ihres Ranges halt so tun, wenn ihnen ein bisserl fad unter der Frisur ist. Doch damit schlägt Dolly Parton gerade keine Wellen. Stattdessen feiert man sie im Netz als Retterin vor Corona, weil sie im Frühling eine Million Dollar an das Vanderbilt University Medical Center gespendet hat, das mit der Biotech-Firma Moderna nun einen Corona-Impfstoff mit 94-prozentiger Wirkung entwickelt hat.

Die Countrysängerin deshalb als Pandemie-Schutzheilige zu preisen ist natürlich heillos überzogen. Doch Parton ist nicht nur ein Superstar und eine tüchtige Geschäftsfrau, sie ist eine bekannte Philanthropin, die akuten Sympathiekundgebungen multiplizieren bloß eine prinzipielle Verehrung.

Aus ärmsten Verhältnissen

Die am 19. Jänner 1946 in Locust Ridge in Tennessee geborene Musikerin entstammt ärmlichen Verhältnissen. Früh erkannte sie in der Musik eine Fluchtmöglichkeit, schnell wurde daraus eine Karriere. Mit zehn trat sie erstmals im Fernsehen auf, mit 13 stand sie auf der Bühne der Grand Ole Opry im Mekka der Countrymusik, in Nashville.

Die gachblonde Sirene mit dem schnellen Mundwerk emanzipierte sich von ihrem Freund und Förderer Porter Wagoner, in dessen Schatten sie nicht stehen wollte. Sie trug Country weit in die Popwelt hinein und beglückte mit Liedern wie 9 to 5 oder dem Schmalzfass Islands in the Stream den ganzen Globus.

Unentwegt soll sie an Liedern arbeiten: "Bevor ich eine Unterhose finde, entdecke ich einen Zettel mit einem Lied darauf", sagte sie einmal. Ebenso knackig kommentierte sie ihre Neigung zur chirurgischen Optimierung: "You have no idea how much it costs to look so cheap."

Taufpatin von Miley Cyrus

Neben der Musik reüssierte die Taufpatin des Popgörs Miley Cyrus als Schauspielerin – etwa in dem Arthouse-Klassiker Das schönste Freudenhaus in Texas sowie im Charity-Fach: Über 15 Millionen Bücher finanzierte die Schulabbrecherin mit ihrer "Imagination Library", die unterprivilegierten Kindern Zugang zu Büchern ermöglicht. Finanziert wird das unter anderem über den ihr gewidmeten Themenpark Dollywood.

Seit 1966 ist sie mit Carl Thomas Dean verheiratet. Doch es heißt, das sei nur eine dem konservativen Country-Publikum geschuldete Ehe, um die Beziehung zu ihrer Freundin Judy Ogle zu kaschieren. Ob das stimmt oder nicht, kann dieser Text nicht klären, es ist ihm auch egal. Ganz klar ist: Dolly Parton ist eine Gute. (Karl Fluch, 18.11.2020)