"Häufig wird bei den Übergriffen ein Zusammenhang zum Attentat hergestellt."

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Der islamistische Terroranschlag in Wien hat zu einer Zunahme rassistischer verbaler Übergriffe auf Muslime geführt. Über 80 Fälle von Beschimpfungen, Drohungen oder Anfeindungen hat der Antirassismusverein Zara in den vergangenen zwei Wochen gesammelt und dokumentiert. "Häufig wird bei den Übergriffen ein Zusammenhang zum Attentat hergestellt", sagt Zara-Sprecherin Meike Kolck-Thudt dem STANDARD. Opfer würden als Terroristen beschimpft, weil "sie als muslimisch wahrgenommen wurden". Betroffen sind demnach vor allem Frauen, die ein Kopftuch tragen.

Zara erwartet, dass die Fallzahl in den kommenden Wochen weiterhin wachsen könnte, an erster Stelle stehe vorerst die Beratung der Betroffenen und der Zeugen.

Offline und Online

Auch die Dokumentationsstelle für Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus verzeichnet ein Wachstum antimuslimischer Anfeindungen. Betroffene berichten sowohl von hetzerischen Kommentaren in sozialen Medien als auch von Pöbeleien auf der Straße. "In den zwei Wochen vor dem Anschlag hat es keine einzige Meldung gegeben, seitdem mindestens eine pro Tag", sagt Elif Adam von der Dokumentationsstelle. Problematisch sei dabei, dass "tatsächlich nur die Spitze des Eisberges bei den Meldestellen ankommt". Schließlich wüssten viele Betroffene nicht einmal, dass es die Meldestelle oder Zara gibt. Einfacher sei die Meldung von Angriffen auf sozialen Medien, da die Dokumentation dank Screenshot vergleichsweise einfach funktioniere.

Zivilcourage zeigen

Seitens von Zara wird gegenüber Zeugen von antimuslimischem Rassismus dafür plädiert, nicht wegzuschauen, sondern aktiv zu werden und Zivilcourage zu zeigen. Selbst bei Übergriffen im Internet könne dies für Betroffene einen Unterschied machen.

Am Donnerstag veröffentlichte die Wiener Polizei auf Twitter ein Video "im Gedenken an die Opfer" des Anschlags vom 2. November. Bewohner Wiens, darunter Prominente wie Fußballer David Alaba und Staatsoperndirektor Bogdan Roščić, sprechen dabei in ihren Muttersprachen die Worte "Wien, ein Platz für mich" in die Kamera. Zuletzt ergänzt ein Polizeibeamter "Aber kein Platz für Terror". (Markus Sulzbacher, Mickey Manakas 20.11.2020)