Ein paar tausend Flugzeuge, die am Boden bleiben, bringen noch lange kein Ende des Klimawandels.
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Es ist schon paradox: Die Lockdown-Maßnahmen, die in vielen Staaten in den vergangenen Monaten vollzogen wurden, haben manche Branchen so hart getroffen, dass diese ohne Übertreibung von einem katastrophalen Einschnitt sprechen können. Dazu gehört nicht zuletzt der Tourismusbereich. Und obwohl dieser untrennbar mit klimaschädlichem Massenverkehr verbunden ist, hat sich dessen Einschränkung so gut wie gar nicht auf die Klimaentwicklung ausgewirkt.

Es gebe es nur "eine winzige Delle" in der nach oben steigenden Kurve, fasst Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO), deren jüngsten Bericht zusammen. Zwar habe es einen Rückgang an Kohlendioxid-Emissionen im Zuge der Lockdowns gegeben. Der hole die Konzentration des Treibhausgases in der Atmosphäre aber nicht aus dem Bereich zurück, in dem sie sich in den vergangenen Jahren befand.

Es geht weiter nach oben

Diese Konzentration befindet sich langfristig im Anstieg, beim Ausmaß dieses Anstiegs kommt es aber von Jahr zu Jahr aufgrund verschiedener Faktoren zu Fluktuationen. So schwankt beispielsweise stets das Volumen an Kohlendioxid, das pro Jahr von der Vegetation aufgenommen wird. Und so einzigartig 2020 für uns Menschen auch war – es lag bzw. liegt immer noch innerhalb dieser Schwankungsbreite. Und nach den vorläufigen Ergebnissen einiger Messstationen ist die Konzentration auch heuer wieder gestiegen, dafür sorgen unter anderem der verbleibende Verkehr, Industrie, Abholzungen und andere Veränderungen der Landnutzung.

2019 durchbrach die CO2-Konzentration im globalen Durchschnitt erstmals die Marke von 410 ppm (Teilchen pro Million Teilchen), wie aus dem Bericht hervorgeht. Konkret lag die CO2-Konzentration im vergangenen Jahr bei 410,5 ppm, nach 407,9 beziehungsweise 405,5 ppm in den beiden Jahren davor. Die Kurve führt also weiter nach oben.

Schon im Frühling hatten Experten Hoffnungen gedämpft, dass die Pandemie wenigstens dem Klima eine kleine Erholungspause verschaffen würde. Das hat sich später mit jeder weiteren Studie bestätigt, bis hin zum aktuellen WMO-Bericht. In Anlehnung an einen Ausdruck, den Epidemiologen im Zusammenhang mit den Coronavirus-Infektionen oft benutzen, sagte Taalas daher: "Wir müssen die Kurve nachhaltig abflachen." (red, 23.11.2020)