Mehr als 40.000 Menschen sind aus Tigray geflohen und auf Hilfe angewiesen.

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Hilfe ist nicht gewünscht. "Die internationale Gemeinschaft soll sich ruhig verhalten, bis die äthiopische Regierung ihre Unterstützung anfordert", sagte Äthiopiens Premier Abiy Ahmed am Mittwoch zu Medien. Damit wies der Friedensnobelpreisträger von 2019 Angebote zur Mediation im Krieg mit der Tigray-Minderheit im Norden des Landes zurück. "Unwillkommene und unrechtmäßige Einmischungsversuche" sollten unterbleiben, sagte er. Der UN-Sicherheitsrat hatte zuvor bei einer Besprechung keine gemeinsame Linie gefunden.

Am Mittwoch lief auch ein Ultimatum aus, das die äthiopische Regierung den Truppen der Tigray-Befreiungsfront TPLF gestellte hatte. Bis dahin sollte sie sich aus der Provinzhauptstadt Mekele zurückziehen – andernfalls würde man die Stadt "ohne Gnade" bombardieren, wie Abiy zu Wochenbeginn ankündigte. Berichte über einen solchen Angriff gab es vorerst zwar nicht – allerdings ist die Kommunikation in die Provinz auch unterbrochen, viele Nachrichten kommen erst spät an.

Kampf um mehr Autonomie

Im Rest des Vielvölkerstaates mehren sich derweil die Meldungen über Diskriminierung von Angehörigen der Tigray – unter anderem sollen Mitglieder der Ethnie von einem Friedenseinsatz der äthiopischen Armee im Südsudan nach Hause geschickt worden sein. Die Tigray stellen zwar nur rund fünf Prozent der Bevölkerung, haben die Politik aber seit den 1990er-Jahren dominiert. Erst mit dem Aufstieg Abiys änderte sich das. Die TPLF kämpft daher nun für mehr Autonomie, Addis Abeba will diese verhindern. Vor dem Konflikt, von dem auch Gräueltaten gemeldet wurden, sind Zehntausende in den Sudan geflohen. (mesc, 25.11.2020)