Bitcoin ist das neue Gold – dieser zuletzt immer öfter vernommene Slogan hat die Kryptowährung ihr Rekordhoch aus dem Hype-Jahr 2017 übersteigen lassen. Zuletzt schlug auch der US-Fondsgigant Blackrock in diese Kerbe, indem dessen Fixed-Income-Anlagechef Rick Rieder Bitcoin als "dauerhaften Mechanismus" einstufte, der Gold bis zu einem gewissen Grad ersetzen könne. Warum? "Weil es viel zweckmäßiger ist, als einen Goldbarren herumzureichen", sagt Rieder. Zudem verweist er auf die Empfänglichkeit junger Leute für Technologie und Kryptowährungen.

Bitcoin wird immer öfter als das neue Gold bezeichnet – ein Narrativ, das auch institutionelle Investoren anlockt.
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Allerdings erwartet Rieder, dass Regierungen Kryptowährungen stärker zu regulieren versuchen, sollte der Bitcoin-Preis weiterhin deutlich ansteigen. Innerhalb von vier Monaten hat sich der Kurs auf mehr als 19.000 US-Dollar verdoppelt und seit vielen Tagen kratzt er an der 20.000-Dollar-Marke, auch wenn es zwischendurch immer wieder mal deutlich bergab geht. Am Montag jedenfalls erreichte der Bitcoin-Kurs dann vorübergehend den Wert von 19.808 US-Dollar und übertraf damit das etwa drei Jahre alte Rekordhoch von Ende 2017. Damals stand er bei 19.783 Dollar. Wobei sich Rieder gar nicht sicher ist, ob das derzeitige Preisniveau überhaupt gerechtfertigt sei, weswegen er Bitcoin nur wenig in sein Geschäft integriere.

Das könnte auch mit der immensen Größe von Blackrock zu tun haben. Mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 7,4 Billionen Dollar können große Player wie der Fondsriese nur homöopathische Dosen an Bitcoins erwerben, ohne selbst den Preis nach oben zu treiben. Denn der Gesamtwert der Kryptowährung liegt bei gut 350 Milliarden Dollar – was auch verglichen mit Gold ein sehr geringes Marktvolumen darstellt. Von dem Edelmetall wurden bisher geschätzte 6,7 Milliarden Unzen gefördert – im Gesamtwert von mehr als zwölf Billionen Dollar.

Volumen mehr als verdoppelt

Dennoch fließt immer mehr institutionelles Kapital in den Markt. Die US-Handelsplattform Coinbase ließ etwa vergangene Woche mit einem deutlichen Anstieg des von ihr verwahrten Kapitals von Profiinvestoren aufhorchen. Demnach ist dessen Volumen seit April von sechs auf derzeit 20 Milliarden Dollar angestiegen.

Auch Eric Demuth, Chef und Mitgründer der Wiener Handelsplattform Bitpanda, führt die jüngsten Kursanstiege von Bitcoin auf Zuflüsse von institutionellen Anlegern zurück. Zudem kommen auch sehr viele private Erstkäufer von Kryptowährungen. "Was wir derzeit erleben, ist eine neue Mentalität, bei der die jüngere Generation Bitcoin als das Gold ihrer Generation ansieht", sagt Demuth – und fügt eine gewagte Prognose hinzu: " Ich halte es durchaus für realistisch, dass Bitcoin in den kommenden Monaten die 50.000-Dollar-Marke knackt."

Stockendes Angebot

Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten – zumal es eine weitere, weniger spektakuläre Erklärung für den zuletzt so steilen Anstieg bei Bitcoin gibt. Demnach soll das Angebot aus China, wo mehr als die Hälfte aller neuen Bitcoin "geschürft" wird – so die Bezeichnung für das sehr energieintensive Erzeugen neuer Einheiten über Rechenleistung –, derzeit stocken. Chinesische Behörden sperrten im Kampf gegen Geldwäsche unzählige Konten, darunter laut der Handelsfirma QCP Capital auch diejenigen solcher Miner, weshalb diese ihre frisch erzeugten Bitcoins nicht wie üblich auf den Markt werfen können.

Ist also Bitcoin wirklich das Gold der jungen Leute? Zugegeben, Handhabe und Verwahrung sind einfacher, zudem ist Bitcoin im Gegensatz zu Edelmetallen fast beliebig in kleinere Einheiten teilbar. Ungeachtet der jüngsten Kursgewinne von Bitcoin bleibt bei langfristiger Betrachtung Gold unerreicht: Es war seit tausenden Jahren zu keinem Zeitpunkt wertlos – und hat damit schon unzählige Währungen überdauert. (Alexander Hahn, red, 30.11.2020)