Gute Freunde kann niemand trennen, nicht einmal die Justiz. Jedenfalls nicht, solange Donald Trump seine Hand über sie hält. Denn dass ein Freund für seine Untaten ins Gefängnis wandert, das passt so gar nicht in die Welt des Möchtegernautokraten mit Ablaufdatum.

Donald Trump und sein Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn.
Foto: AP/Evan Vucci,

Trumps Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn, den der abgewählte Präsident nun begnadigt, mag ein überführter Lügner sein. Doch seine Freunde lässt Trump nicht hängen. Ganz einfach, weil er es kann. Egal, ob er damit das Amt beschädigt, egal, was mit dem Land geschieht.

Der 45. Präsident mag nicht der erste sein, der seine letzten Tage im Weißen Haus für Freundschaftsdienste nutzt: Gerald Ford begnadigte seinen Vorgänger Richard Nixon, George Bush die Protagonisten in der Iran-Contra-Affäre, Bill Clinton gar seinen Halbbruder, der wegen Drogenschmuggels einsaß.

Trump wäre aber nicht Trump, traute man ihm nicht das Undenkbare zu. Weil die Justiz nach Ende seiner Amtszeit etwa wegen möglicher Justizbehinderung in der Russland-Affäre bei ihm anklopfen dürfte, könnte er versucht sein, sich selbst zu begnadigen. Die Verfassung verbietet es ihm nicht, solange es unter Bundesrecht fällt; einen Präzedenzfall gibt es nicht.

Trump, so zeigt der Fall Flynn, geht es nicht um Amerika, er will es gar nicht "wieder großartig" machen, schon gar nicht jetzt, da es ihn so gedemütigt hat. Trump geht es am Ende nur um Trump. (Florian Niederndorfer, 26.11.2020)