Die Idylle trügt. Homeoffice verschlechterte vielerorts das Betriebsklima, der Arbeitsdruck stieg

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Wien – Corona zieht vielen Betrieben den Boden unter den Füßen weg. Wie geschwächt gehen diese aus der Krise hervor? Greifen Hilfen der Regierung? Stieg der Druck auf Mitarbeiter? Welche Nachwehen drohen? In einer aktuellen Studie des Sozialforschers Ifes wird versucht, Licht in innere Strukturen und den Arbeitsalltag der Unternehmen seit dem Ausbruch der Pandemie zu bringen. Im Auftrag von Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund wurden dafür mehr als 1800 Betriebsräte befragt.

Gefahr durch insolvente Partner

Die Hälfte unter ihnen sieht ihr Unternehmen von Corona teils stark getroffen. Nur 15 Prozent befürchten jedoch für die Zukunft grobe Probleme: Nahezu jeder Zweite ist sogar davon überzeugt, dass die Krise ohne nachhaltige Blessuren überstanden werden kann. Allein 13 Prozent bescheinigen ihren Betrieben ernste Liquiditätsengpässe. Zu Kündigungen kam es bisher lediglich in jedem elften organisierten Unternehmen.

Die Gefahr einer Pleite des eigenen Betriebs schätzen Betriebsräte eher als gering ein. Risiken orten sie vielmehr durch gekürzte Investitionen und insolvente Lieferanten und Kunden. Gut ein Viertel unter ihnen geht daher davon aus, künftig vermehrt mit Kündigungen und Investitionsstopps konfrontiert zu sein.

Soziale Härten abgefedert

"Es ist bisher vielfach gelungen, soziale Härten zu vermeiden", sagt AK-Experte Heinz Leitsmüller. Vor Jahren noch totgesagt, erweise sich die Sozialpartnerschaft nun als Treiber gemeinsamer Lösungen: Mehr als 80 Prozent der Betriebsräte fühlten sich gut in die laufenden Entscheidungen eingebunden.

Die wichtigsten Maßnahmen waren Homeoffice, Abbau von Urlaub und Kurzarbeit. Die Umfrage verdeutlicht jedoch auch Brüche innerhalb der Betriebe. Von verschärftem Arbeitsdruck und schlechterem Betriebsklima ist die Rede. Am untersten Ende rangiert dabei die Gesundheits- und Sozialbranche. Leiharbeiter, Risikogruppen, niedrig qualifizierte Arbeitnehmer, vor allem aber Frauen zählen Betriebsräte zu den größten Verlierern der Krise.

Auch das Homeoffice läuft vielfach keineswegs rund. Jedes fünfte Unternehmen lässt seine Leute zumindest zeitweise auf ihren privaten Geräten arbeiten. Mehr als jeder vierte Mitarbeiter muss private Mobiltelefone beruflich nutzen. Die Kosten fürs Internet tragen die Beschäftigten fast zur Gänze selbst.

Verloren in Zettelwirtschaft

Für Betriebsräte sei es in der Krise schwieriger geworden, an die Leute heranzukommen, sagt Willi Mernyi, leitender Sekretär des ÖGB. "Wir können nicht mehr in die Runde fragen: Wie geht’s euch, was ist los? Viel Soziales geht verloren." Unbestritten ist für ihn, dass in organisierten Unternehmen weniger Jobs gestrichen wurden als in jenen ohne Betriebsrat. "Wo es keine Ansprechpartner seitens der Belegschaft gab, stellte sich Informationspolitik als katastrophal heraus." Manch Arbeitgeber habe sich in Zettelwirtschaft rund um Kurzarbeit verloren.

An welchen Schrauben drehen Unternehmer nun? Jeder dritte entwickelt neue Produkte und Dienste. Ein Viertel verlagert Geschäfte ins Internet. Und jeder fünfte reduziert seine Abhängigkeit von Lieferanten und Kunden. Teile des Betriebs verkauft haben nur sechs Prozent.

Wer zahlt für die Krise?

Mernyi pocht darauf, dass die Zusammenarbeit der Sozialpartner nicht nur hoch im Kurs steht, wenn es darum geht, Pakete gegen die Krise zu schnüren. "Bald stellt sich die Frage, wer für diese Krise zahlt. Und dann dürfen Unternehmer nicht mit dem Finger auf die Arbeitnehmer zeigen." (Verena Kainrath, 27.11.2020)