Weniger Geschenke, mehr Geld dürfte heuer unter dem Weihnachtsbaum liegen. Im Bild übrigens jener von US-Vizepräsident Mike Pence.

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Wien – Die Summe aller Weihnachtsumsätze steht heuer in der Coronakrise vor einem beispiellosen Einbruch. Die rund ums Weihnachtsfest gesondert getätigten Ausgaben gehen gegenüber 2019 um 17 Prozent von 2,1 auf 1,75 Mrd. Euro zurück, heißt es in einer Prognose des Standortberaters RegioPlan. Einzige Gewinner im Handel sind der Online- und der Lebensmittelhandel. Ansonsten liegt statt Gekauftem Barschaft unter dem Baum: Stark zunehmen dürfte das Verschenken von nicht handelsrelevanten Gutscheinen sowie Geld.

Ein wichtiger Teil der umsatzrelevanten Zeit vor Weihnachten ist laut den Expertenangaben bereits versäumt. Denn die meisten Bereiche, für die Weihnachten einen Großteil der Umsätze bringt, müssen geschlossen halten. "Das trifft vor allem Branchen, die Waren anbieten, die man vorwiegend nicht 'braucht', sondern 'will' – also Mode, Elektronik, Spiele, Schmuck und Ähnliches." Eine heuer fehlende Weihnachtsatmosphäre sei gerade hier oft der Impuls zum Kauf.

Online-Plus von 47 Prozent

Der Onlinehandel wird heuer coronagetrieben nach Weihnachtsumsatz so nahe an den klassischen stationären Handel herankommen, wie noch nie. Während der typische Handel um 28 Prozent einbrechen und einen Umsatz von 840 Mio. Euro erzielen dürfte, sollen die Ausgaben im Onlinehandel um 47 Prozent in die Höhe schnellen und 560 Mio. Euro erreichen. Der Anteil am Gesamtumsatzkuchen im Weihnachtsgeschäft des klassischen stationären Handels bricht den Berechnungen zufolge somit auf unter die Hälfte – auf nur mehr 48 Prozent – ein. Der Onlinehandel erreicht hingegen fast ein Drittel (32 Prozent).

Günstig sieht die Situation für den Lebensmittelhandel aus. Dieser profitiere einerseits von den Schließungen der meisten anderen Branchen und andererseits von der geschlossenen Gastronomie. Zudem dürften heuer zu Weihnachten rund 300.000 Österreicher nicht in die Ferne fliegen – sondern zu Hause essen und sich dafür freilich ordentlich eindecken. Aufgrund dieser Faktoren könne der Lebensmittelhandel heuer im Weihnachtsgeschäft mit plus 8 bis 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr rechnen.

Rein auf den prozentuellen Einbruch bezogen allergrößte Verlierer werden die Christkindlmärkte inklusive der dortigen Gastronomie sein, von denen im Jahr 2020 ja kaum etwas stattfinden darf. Sie haben mit einem Minus bei den Ausgaben von 74 Prozent auf 100 Mio. Euro (6 Prozent aller Weihnachtsausgaben) zu rechnen. Für die Gastronomie (ohne Weihnachtsmärkte) wird ein Rückgang von 67 Prozent auf 50 Mio. Euro (3 Prozent aller Weihnachtsausgaben) angegeben.

Ein Seuchenjahr

Die Geschenkevergreens (nicht handelsrelevante) Gutscheine und Geld dürften sich in ihrem Wert verdoppeln. Der Anstieg wird mit 100 Prozent auf 200 Mio. Euro (11 Prozent aller Weihnachtsausgaben) prognostiziert.

RegioPlan schreibt zum Virus passend von einem "Seuchenjahr". Einkommensverluste, eine wegen der Coronaregeln allgemeine Unlust einkaufen zu gehen, Ansteckungsrisiken, geschlossene Geschäfte und Gastronomie, kaum ausländische Gäste und eine einhergehend nur mühsam aufkommende Weihnachtsstimmung tun das ihre und verhinderten auch Spontankäufe. "Viele Österreicher sparen zudem mehr als in den Vorjahren, den sie erwarten harte Zeiten", so die Experten.

Wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, sei mit umfassenden Rabattaktionen zu rechnen. Diese brächten dem einzelnen Geschäft zwar Umsatz, in Summe würden die Weihnachtsausgaben jedoch reduziert – und zwar mit den erwarteten 1,75 Mrd. Euro auf jenen Wert, der exakt vor zehn Jahren anno 2010 erzielt worden war. (red, APA, 1.12.2020)