Aufmerksamen Mitarbeitern war es nicht ganz geheuer, dass sie regelmäßig Taschen mit Tausendern herumzutragen hatten.

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Wien – Hierzulande ist Laudamotion so gut wie Geschichte. In Wien wurde zuletzt Laudamotion durch Lauda Europe ersetzt. Die irische Mutter Ryanair ist damit in der heimischen Hauptstadt mit den Flugbetrieben Lauda Europa aus Malta, Buzz aus Polen und Ryanair selbst vertreten. Es soll wie so oft zuletzt um das Drücken der Löhne gegangen sein. Jetzt tauchen Protokolle von merkwürdigen Vorgängen auf. Flugbegleiter sollen auf Geheiß der Firma zigtausende Euro transportiert haben, wie eine gemeinsame Recherche von Profil, ORF, Welt und SWR ergeben hat.

Das haben zumindest ehemalige Laudamotion-Mitarbeiter schriftlich berichtet. Die deutsche Tageszeitung die Welt beschreibt die Vorgänge so: Erst würden die aus dem Bordverkauf stammenden Bareinnahmen in einen Tresor im Mitarbeiterraum am Flughafen deponiert. Dann würde das Geld allerdings nicht – wie es zu erwarten wäre – von einem Geldtransport abgeholt und ordnungsgemäß zur Bank gebracht, sondern verpackt in roten Taschen erneut auf Reisen gehen. Regelmäßig und mehrmals die Woche, dann wenn es nach Palma de Mallorca gegangen sei. Wo das Geld am Ende lande – es sollen bis zu 10.000 Euro je Tasche gewesen sein – und das mehrmals die Woche, wüssten die Flugbegleiter nicht, heißt es in dem Bericht. Ihre Vermutung sei Irland.

Sorge vor Verlust

Auch bei der Gewerkschaft Vida schlug das Thema 2019 auf, weil sich Laudamotion-Flugbegleiter an die Vida gewandt hatten, wie Vida-Fachbereichsvorsitzender Daniel Liebhart dem STANDARD bestätigte. Sie hätten sich Sorgen gemacht, persönlich in die Haftung genommen werden zu können, sollte ihnen eine der Taschen abhandenkommen. Um einzelne frustrierte Mitarbeiter habe es sich nicht gehandelt so Liebhart, sondern um mindestens ein halbes Dutzend. Warum ist dann nichts weiter passiert? Es sei damals eines von vielen Problemen mit Laudamotion gewesen, erinnert Liebhart. Das Management der Fluglinie hatte die Wahl des Betriebsrats nicht anerkannt. Die Betriebsratschefin wurde sogar gekündigt. Dann kam Corona mit all seinen Problemen. Spezielle gab es bei Laudamotion in Sachen Kurzarbeit. Die roten Taschen verschwanden aus dem Sinn.

Was genau der Zweck dieses Vorhabens gewesen sein könnte? Geld hin und her zu fliegen ist nicht verboten, in der EU herrscht freier Kapitalverkehr. Für Bargeld ab 10.000 Euro gibt es in Deutschland auf Verlangen der Zollbehörde eine Anzeigepflicht, in Spanien eine Meldepflicht ohne Aufforderung beim Grenzübertritt beim Zoll.

Komplexität bei Bordverkäufen

Vielleicht sei alles ganz harmlos, werden verschiedene Experten zitiert. Vielleicht aber auch nicht. Europäische Fluggesellschaften, die innerhalb des Binnenmarktes fliegen, müssten die Umsätze von Bordverkäufen in demjenigen Land versteuern, aus dem der Flug abhebe erklärt Steuerberater Gottfried Schellmann laut dem Bericht. Man brauche für jedes EU-Land, in das man fliegt, eine Steuernummer und eine Niederlassung, wird eine AUA-Sprecherin zitiert. Die AUA verzichte deswegen auf Flügen innerhalb der EU auf Bordverkäufe. Womöglich würde Laudamotion diesen bürokratischen Aufwand vermeiden wollen aber nicht auf die Einnahmen aus den Bordverkäufen verzichten, lautet die Mutmaßung.

Die Gewerkschaft fordert nun eine Steuerprüfung der Fluglinie. Konkret müssten die Umsätze aus den Bordverkäufen geprüft werden. Weiters will die Gewerkschaft einen neuen Rechtsrahmen für "gute Arbeitsbedingungen bei allen Airlines", heißt es in einer Aussendung vom Mittwoch.

Sparsam

Ryanair dementiert gegenüber den Redaktionen, dass solche Geldtransporte jemals stattgefunden hätten und spricht von "Behauptungen verärgerter ehemaliger Mitarbeiter, die nicht der Wahrheit entsprechen" würden. In einer Stellungnahme gegenüber dem STANDARD heißt es weiters: "Bevor Zahlungen für Verkäufe im Flugzeug im Frühjahr 2020 (wegen Covid) bargeldlos wurden (zB. Kreditkarten), wurde Bargeld, das durch Laudas Verkäufe im Flugzeug generiert wurde im Einklang mit EU Bestimmungen und Zollvorschriften zu sicheren zentralen Bargeldbearbeitungsstellen in Spanien, UK und Irland transportiert."

Die Flug-Verkäufe aus Laudas Flugzeugen seien zur Gänze in Laudas Buchführung und Steuerbilanz aufgezeichnet. Nachdem Lauda Verluste schreibe, werde auch keine Körperschaftssteuer/Unternehmenssteuer auf diese Flug-Verkäufe in Österreich bezahlt. Alle Passagiere würden darauf hingewiesen, dass Rechnungen online auf der Lauda Website bereitgestellt würden. Und: Bargeldbearbeitung (insbesondere der Transport und das Zählen von Münzen) sei teuer. Lauda spare Bearbeitungs- und Transportkosten indem man die Services von sicheren, zentralen Bargelbearbeitungsbüros nutzen würde. Diese "falschen Anschuldigungen, die von verärgerten Ex-Angestellten gemacht wurden", würden "von dem Fakt widerlegt, dass diese alle Provisionen für diese Flug-Verkäufe erhalten, was nur passieren kann wenn die Verkäufe akkurat in Laudas Konten aufscheinen, so wie das in allen Fällen passiert ist." (red, 2.12.2020)

Anmerkung: Dieser Artikel wurde um eine Stellungnahme von Ryanair gegenüber dem STANDARD ergänzt.