Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer erhielt in Großbritannien eine Notfallzulassung.

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London – Großbritannien hat als erstes Land den Corona-Impfstoff des deutschen Unternehmens Biontech und dessen US-Partners Pfizer zugelassen. Die Arzneimittelbehörde habe eine Notfallgenehmigung erteilt, erklärte die Regierung am Mittwoch. "Der Impfstoff wird ab nächster Woche in ganz Großbritannien erhältlich sein", sagte Gesundheitsminister Matt Hancock. "Das sind sehr gute Nachrichten."

Der Anhänger eines harten Schnittes mit der Europäischen Union stellte das Handeln seiner Regierung als Erfolg des Brexit dar. "Wir waren in der Lage, eine Entscheidung zu treffen dank der britischen Aufsichtsbehörde, einer Weltklassebehörde, und mussten nicht das Tempo der Europäer gehen, die sich ein bisschen langsamer bewegen", sagte Hancock dem Sender Times Radio am Mittwoch.

Herausforderung Lagerung

Alle Sicherheitschecks seien durchgeführt und die gleichen Prozesse durchlaufen worden. "Aber wir waren wegen des Brexits in der Lage, den Ablauf zu beschleunigen", so Hancock. Den Transport und die Lagerung des Vakzins bezeichnete Hancock als eine Herausforderung, denn das Mittel müsse bei minus 70 Grad aufbewahrt werden.

Am Dienstag haben Biontech und Pfizer auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) einen Antrag auf eine bedingte Marktzulassung eingereicht. Die EMA will noch im Dezember über eine Zulassungsempfehlung entscheiden. Spätestens am 29. Dezember soll ein Ergebnis vorliegen, teilte die Agentur mit. Sollte die EMA grünes Licht geben, könnte das eine Verwendung des Impfstoffs in der EU noch vor Jahresende ermöglichen.

Kritik am Vorpreschen

Aus dem Europäischen Parlament kommt Kritik am Vorpreschen Großbritanniens, den Impfstoff von Pfizer and Biontech bereits jetzt schon in einer Notstandsverordnung zuzulassen. "Ich halte diese Entscheidung für problematisch", sagt der deutsche EVP-Abgeordnete Peter Liese. Er empfehle, dass die EU-Mitgliedsstaaten dieses Vorgehen nicht nachahmen. Er plädiere vielmehr dafür, dass die EMA den Impfstoff sorgfältig prüfe, mahnt der CDU-Politiker.

Schützt zu 95 Prozent

Nach einer finalen Analyse der entscheidenden Studie habe der Impfstoff von Biontech und Pfizer einen Schutz von 95 Prozent vor Covid-19 gezeigt, hieß es Mitte November. Damit ist er sogar wirksamer als ursprünglich gedacht. Anfangs war man von einem Schutz von 90 Prozent ausgegangen.

Der Impfstoff funktioniere über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut und zeige praktisch keine ernsten Nebenwirkungen, teilten die Firmen nach Abschluss letzter Analysen mit. Der Impfschutz bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind, liege bei über 94 Prozent.

Diese Ergebnisse beziehen sich auf den Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung. Inwiefern der Impfstoff auch vor der Infektion und einer Weitergabe des Virus schützt, ist noch nicht klar.

Gründer ausgezeichnet

Biontech ist 2008 von dem Wissenschafterehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci gegründet worden – DER STANDARD hat die beiden Gründer hier porträtiert. Von Anfang an mit dabei war auch ein gebürtiger Wiener: Christoph Huber. Ende November bekam dieser das Österreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse verliehen. (Reuters, APA, red, 2.12.2020)