Die österreichisch-tschechische Grenze bei Reinthal im Mai – heute sind die Grenzsperren ganz anderer Natur.

Foto: AP Photo/Ronald Zak, File

So recht will dieser Tage in der EU-Zentrale in Brüssel wohl keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Nach und nach machen die Mitgliedsstaaten, darunter Österreich, ihre Grenzen faktisch dicht – wenn auch nicht mittels Stacheldraht, sondern mithilfe drakonischer Quarantänebestimmungen. So müssen etwa Reisende aus Covid-"Risikogebieten", darunter die meisten Staaten der Union, in vielen Ländern in vorweihnachtliche Isolation.

Die EU-Kommission tut sich schwer damit – schließlich stelle zwar das Reisen an sich ein Infektionsrisiko dar, ob dabei EU-Binnengrenzen überschritten werden oder nicht, sei so gut wie einerlei. Man "rate aber dringend davon ab", zu reisen, so man Covid-Symptome verspüre, hieß es Mitte der Woche aus Brüssel. Österreich hatte da schon eigene Wege beschritten: Für Einreisende aus einem Land mit einer 14-Tages-Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gilt ab 19. Dezember eine zehntägige Quarantänepflicht – betroffen sind alle Nachbarstaaten, Österreich selbst verzeichnet aktuell eine 14-Tages-Inzidenz von satten 715. Nach fünf Tagen kann man sich mittels eines negativen PCR-Tests freitesten lassen. Etwaige Ausnahmen für Berufspendler, Lebenspartnerschaften und Pflegepersonal seien noch in Arbeit, hieß es aus dem Gesundheitsministerium am Freitag.

Überblick

Österreich ist aber bei weitem nicht das einzige europäische Land, das Reisen so gut es geht zu verhindern sucht, wie eine STANDARD-Rundschau zeigt:

Ähnlich sind die Regelungen in Deutschland: Wer aus Österreich dort einreisen will und nicht ausgerechnet aus den beiden Enklaven Kleinwalsertal (Vorarlberg) und Jungholz (Tirol) kommt, muss für zehn Tage in häusliche Quarantäne – und kann sich frühestens am 5. Tag "freitesten" lassen. Die Bundesländer können aber zusätzliche Regelungen – und Ausnahmen – definieren. In Bayern fällt unter die Ausnahme der Quarantänepflicht etwa auch "familiärer Besuch", sofern ein negatives Testergebnis vorliegt, das nicht älter als 48 Stunden ist.

Ein Blick zu unserem nördlichen Nachbarn: Einreisende aus Risikogebieten müssen sich in Tschechien zunächst online registrieren, dann einen negativen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist – oder einen PCR-Test innerhalb von fünf Tagen nach der Einreise im Land durchführen lassen. Das Testergebnis muss dann dem Hygieneamt vorgelegt werden. Passiert dies innerhalb von sieben Tagen nicht, werden "die nötigen Quarantänemaßnahmen" verhängt. Auch bevor das Testergebnis vorliegt, ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wie es heißt.

Für die Einreise aus einem Risikoland in die Slowakei muss man sich registrieren lassen und einen negativen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Bisher waren Pendler, Schüler, Studierende sowie Personen, die Angehörige oder Tiere versorgen oder ein grenznahes Grundstück bewirtschaften, von dieser Regelung ausgenommen. Doch ab Montag müssen auch sie ein negatives Testergebnis vorlegen – jedoch reicht ein Antigentest. Ausgenommen von den Einschränkungen bleiben Durchreisende, Lkw-Fahrer, Diplomaten, Menschen, die in der Slowakei ihr Sorgerecht ausüben, sowie Personen, die in der Slowakei wohnhaft sind und innerhalb der vergangenen drei Monate eine Covid-Erkrankung überstanden haben.

Einreisende aus Risikogebieten nach Slowenien müssen entweder zehn Tage Quarantäne ("Freitesten" nach fünf Tagen möglich) absolvieren oder einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ausnahmen gibt es für Tagespendler, Durchreisende, Lkw-Fahrer, familiäre Gründe und Diplomaten.

Auch in Ungarn gilt ein weitgehendes Einreiseverbot für Ausländer. Ausnahmen gibt es allerdings für Geschäftsreisende und Pendler, und Ausländer und deren Familienangehörige mit einer permanenten bzw. für mehr als 90 Tage gültigen Aufenthaltsgenehmigung werden ungarischen Staatsbürgern gleichgesetzt. Nach der Einreise muss man aber zehn Tage in Quarantäne.

Bei der Einreise nach Kroatien wird ein negativer PCR-Test verlangt, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die Einreise ohne negativen PCR-Test ist möglich, jedoch muss der Test in diesem Fall in Kroatien nachgeholt werden und Reisende müssen bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses in Heimquarantäne bleiben. Ausgenommen sind unter anderem tagespendelnde Arbeitnehmer, Schüler und Studierende, Lkw-Fahrer und Diplomaten.

Und auch Griechenland ist zwar theoretisch nach wie vor erreichbar, allerdings nur per Vorlage einer Registrierungsnummer und eines negativen, nicht mehr als 72 Stunden alten PCR-Tests.

Einreisen dürfen nur in Finnland Studierende, Angehörige finnischer Staatsbürger mit Aufenthaltsrecht in Finnland, Dienstreisende, Diplomaten und – so wie fast überall – Durchreisende. Für Einreisende besteht eine grundsätzliche Verpflichtung zur Selbstquarantäne von zehn Tagen. Die Dauer kann man jedoch mit einem negativen Covid-19-Test verkürzen.

Für die Einreise nach Dänemark muss ein sogenannter berücksichtigungswürdiger Grund ("worthy purpose") angegeben werden. Dazu zählen zum Beispiel ein bestehendes Arbeitsverhältnis, Studium oder eine Geschäftsreise. Seit 26. Oktober muss man bei der Einreise nach Dänemark einen höchstens drei Tage alten, natürlich negativen Test vorlegen.

Vor der Einreise nach Belgien gilt eine verpflichtende Onlineregistrierung. Bei Einreisenden aus Risikogebieten – darunter fällt auch Österreich – wird mithilfe eines Fragebogens das Risikoverhalten evaluiert. Dadurch wird entschieden, ob sich die Betreffenden nach ihrer Ankunft in eine zehntägigen Quarantäne begeben und sich testen lassen müssen. Ausgenommen sind Personen, die sich in den letzten 14 Tagen weniger als 48 Stunden in einer "roten Zone" oder sich kürzer als 48 Stunden in Belgien aufhalten werden.

Auch Italien, ein Hotspot der ersten Welle, hat "abschreckende Vorschriften" angekündigt. Die Regierung Giuseppe Conte schreibt ab dem 21. Dezember eine 14-tägige Quarantäne für Ausländer sowie für Italiener vor, die als Touristen im Ausland waren. Die Tourismushochburg Spanien, wo laut aktuellen Zahlen 2020 um ganze 87 Prozent weniger Touristen angereist sind, hat sogar innerhalb des Landes faktische Reiseverbote erlassen – außer zum Zwecke des Familienbesuchs, heißt es.

Nach Frankreich geht es für Österreicher relativ leicht – für zwei Regionen gelten allerdings Reisewarnungen der Stufe fünf, jene rund um Paris und rund um Marseille nämlich. Von dort zurück wird es also schon kniffliger, es gilt Test- und Quarantänepflicht. Ein Kurzurlaub an der Seine wird heuer also, wie von der Obrigkeit ersonnen, eher schwierig. (Florian Niederndorfer, Noura Maan, 4.12.2020)