Ex-Regierungschef Muscat war als Folge des Attentats auf die Journalistin Caruana Galizia von 2017 zurückgetreten.

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Valletta – Der maltesische Ex-Premier Joseph Muscat hat in einer öffentlichen Gerichtsanhörung zum Mord an einer Journalistin ein politisches Tatmotiv als unbegründet hingestellt. Daphne Caruana Galizia sei zum Zeitpunkt des Anschlags 2017 dabei gewesen, für Regierung und Opposition "irrelevant" zu werden, sagte Muscat am Freitag in Valletta. Der 46-Jährige war selbst im Zusammenhang mit dem Mord später so stark unter Druck geraten, dass er im Jänner 2020 als Regierungschef abgelöst wurde.

In der Untersuchung geht es unter anderem um die Frage, ob die Regierung in Valletta damals genug zur Verhinderung des Attentats getan hatte. Die Bloggerin war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Sie hatte auch über Korruption in Politik und Wirtschaft recherchiert.

Muscat sagte in seiner Befragung, Caruana Galizia habe alles gemacht, von "Weltklasse-Journalismus" bis zu Klatsch. "Wer auch immer dieses Verbrechen begangen hat, ist dumm", urteilte er.

Drei Verdächtige

Der Mordfall ist bis heute nicht voll aufgeklärt. Es laufen mehrere Verfahren. Drei Männer wurden des Mordes beschuldigt. Außerdem wurde der Unternehmer Yorgen Fenech im November 2019 als ein mutmaßlicher Drahtzieher festgesetzt. Alle bestreiten die Vorwürfe. Fenech sagte aber aus, dass ein Vertrauter Muscats hinter der Verschwörung gestanden habe.

Das Europaparlament gab Anfang Oktober bekannt, dass es einen neuen Journalistenpreis nach der ermordeten Bloggerin benennen möchte. Damit solle investigative Reporterarbeit auszeichnet werden. (APA, 4.12.2020)