Die Rückkehrkapsel mit der wertvollen Fracht aus dem Weltall.
Foto: EPA/Jaxa

Tokio/Sydney – Die japanische Raumsonde Hayabusa 2 hat ihre Mission zum Asteroiden (162173) Ryugu erfolgreich beendet und eine Probenkapsel zur Erde geschickt. Ein Hubschrauberteam fand den kleinen Behälter im Landegebiet, der Wüste des Woomera-Testgeländes für Luft- und Raumfahrt im Süden Australiens, wie die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa am Sonntag in der Früh bekanntgab. Forscher erwarten sich von dem 4,6 Milliarden Jahre alten Inhalt des Behälters unter anderem neue Erkenntnisse über die Frühzeit des Sonnensystems.

Öffnung in einer Vakuumkammer

Nach der Bergung wird die Kapsel zunächst auf ihren Zustand untersucht. Anschließend werden die Proben in der noch verschlossenen Landekapsel im Flugzeug nach Japan gebracht, wo sie in ein Labor des Jaxa-Forschungszentrums ISAS (Institute of Space and Astronautical Science) im nahe Tokio gelegenen Sagamihara überführt werden. Erst dort wird die Kapsel mit der kosmischen Fracht mit einem Roboter in einem sogenannten Reinraum-Labor in einer Vakuum-Kammer geöffnet.

Gut verpackt geht es nach Japan in ein Speziallabor.
Foto: EPA/Jaxa

Zunächst werden die einzelnen Bestandteile der Proben kuratiert und beschrieben, ehe ab Mitte 2021 mikroskopische, mineralogische und geochemische Untersuchungen beginnen sollen. Die Wissenschafter hoffen, durch Analysen der Proben den Ursprüngen des Sonnensystems und des Lebens auf der Erde auf die Spur zu kommen. Die Proben könnten möglicherweise organisches Material enthalten, erklärte der Manager der Mission, Makoto Yoshikawa. Im Fokus stehen vor allem Aminosäuren, die die fundamentalen Bausteine des Lebens sind. Einen Teil der Proben wird die JAXA der Nasa sowie 2022 auch Forschern in anderen Ländern zur Verfügung stellen.

Zweite erfolgreiche Hayabusa-Mission

Der Asteroid Ryugu ist besonders kohlenstoffhaltig und gehört zu den erdnahen Asteroiden. Solche Asteroiden könnten bei Einschlägen auf der Erde auch Wasser zu unserem Planeten gebracht haben. Die Vorgänger-Sonde Hayabusa (Wanderfalke) hatte im Jahr 2010 weltweit erstmals Bodenproben eines Asteroiden zur Erde gebracht.

Wie eine Sternschnuppe ging der Probenbehälter nieder. Die letzten zehn Kilometer schwebte er am Fallschrim zu Boden.
Foto: Reuters/JAXA

Der Nachfolger Hayabusa 2 war im Dezember 2014 von Japan aus gestartet und hatte nach fast vier Jahren sein 300 Millionen Kilometer entferntes Ziel erreicht. Die Sonde landete später auf Ryugu und sammelte Proben von der Oberfläche sowie erstmals auch von einem Bereich unter der Oberfläche eines solchen Asteroiden ein. Die beiden Bodenproben vom Asteroiden wurden in getrennten Kammern in der Kapsel verstaut.

Funksignale für die Ortung

Die Hayabusa 2 trennte die Kapsel beim Vorbeiflug an der Erde ab. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre wurde die Kapsel zu einem Feuerball. Durch die Lufthülle bei großer Hitzeentwicklung von bis zu etwa 3.000 Grad Celsius wurde sie abgebremst. In einer Höhe von rund zehn Kilometern über Australien wurde dann ein Fallschirm ausgelöst, an dem die Kapsel zur Erde schwebte und dabei Funksignale abgab, anhand derer sie mit einem Hubschrauber geortet werden konnte.

Der Probenbehälter samt Fallschirm, kurz vor der Bergung.
Foto: EPA/JAXA

Die Mission geht weiter

Anders als die erste Transportsonde Hayabusa, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht war, setzte die Hayabusa 2 ihre Mission fort: 2027 soll die Sonde den Asteroiden 2001 CC21 passieren und im Juli 2031 den Asteroiden 1998 KY26 erreichen. Dazwischen wird sie noch zwei weitere Male an der Erde vorbeifliegen. (red, APA, 6.12.21020)