Queen Elizabeth II befindet sich in Selbstisolation und gibt auch nur noch virtuell Audienzen – wie hier der georgischen Botschafterin.

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In Großbritannien laufen die Vorbereitungen für die Corona-Massenimpfung auf Hochtouren. Dutzende Spitäler erhielten übers Wochenende ihren Anteil an den bisher ausgelieferten 800.000 Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs. Am Dienstag sollen zunächst betagte Krankenhauspatienten sowie medizinisches Fachpersonal den Schutz gegen Covid-19 erhalten. Auch die Queen und ihr Mann Prinz Philip wollen sich impfen lassen.

Als erste weltweit hatte die britische Arzneimittelbehörde MHRA vergangene Woche das Präparat der deutschen Biotech-Firma Biontech und des US-Giganten Pfizer zugelassen. Noch diese Woche will ihr US-Pendant FDA nachziehen, wohingegen die Zustimmung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) auf sich warten lässt. Die britischen Experten widmen sich mittlerweile der Prüfung eines weiteren Impfstoffs, den Wissenschafter der Universität Oxford zusammen mit der britisch-schwedischen Firma Astra Zeneca entwickelt haben. Auch dafür könnte die Freigabe schon diese Woche erfolgen.

Schwerpunkt auf Spitälern

Das in Belgien hergestellte Pfizer-Biontech-Produkt stellt die Logistiker vor Probleme, weil es bei minus 70 Grad transportiert und dann rasch verabreicht werden muss. Deshalb nahm der zuständige Impfausschuss unter Leitung von Wei Shen Lim Abstand von seiner ursprünglichen Absicht, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen prioritär zu behandeln. Der Schwerpunkt liegt nun auf gut ausgerüsteten Spitälern des nationalen Gesundheitssystems NHS.

Dort erhalten von Dienstag an Patienten über 80 Jahren den Impfstoff, dazu jene Ärztinnen und Pfleger, die täglich mit Corona-Patienten zu tun haben. Wer am Dienstag seine erste Spritze erhält, muss gegen Jahreswechsel erneut im Spital vorsprechen, da für wirksamen Impfschutz nach drei Wochen eine zweite Dosis fällig wird. Von kommender Woche an soll das Programm auf größere Allgemeinarztpraxen und Altenheime ausgeweitet werden.

Isolation auf Windsor

Mögen die Briten auch davor zurückscheuen, Schloss Windsor als Altenheim einzustufen – de facto haben sich die Königin, 94, und ihr betagter Gatte, 99, dort in den vergangenen Monaten mit einem kleinen Kreis von Dienern und Beratern in die Isolation zurückgezogen. Beschwerden dürfte es kaum geben, würde das Staatsoberhaupt diese Woche zu den ersten Geimpften gehören. Zumal dies aus propagandistischen Gründen angezeigt sein mag, schließlich liegen die Zustimmungswerte für die Dauermonarchin in märchenhaften Höhen.

Schon einmal, in ihrem sechsten Jahr auf dem Thron, ging die Queen mit gutem Beispiel voran: Als 1957 Zweifel an der damals neuen Impfung gegen Kinderlähmung laut wurden, ließ die junge Mutter das Volk wissen, Prinz Charles und Prinzessin Anne, damals acht und sechs Jahre alt, hätten den Wirkstoff erhalten. Prompt schwand der Widerstand.

Kein Zwang, laut Johnson

Ob Elizabeth II auch im 69. Thronjahr zugunsten der Pfizer-Biontech-Impfung solch durchschlagende Wirkung erzielt? Anfang des Monats erklärten sich in einer Opinium-Umfrage 20 Prozent der Briten zu Skeptikern – 68 Prozent wollten mitmachen, der Rest zeigte sich unentschlossen. Von Zwang könne keine Rede sein, hat Premierminister Boris Johnson im Unterhaus beteuert: "Das ist nicht unsere Art." Neben der Königin sollen auch andere Prominente für die Sicherheit des Präparats einstehen.

Pfizer hatte vergangene Woche noch signalisiert, dass bis Jahresende bereits zehn Millionen Dosen auf die Insel geliefert werden könnten, deren Regierung insgesamt 40 Millionen zum Preis von umgerechnet je 16,6 Euro erworben hat. Später ruderte die Firma zurück, nun ist von der Hälfte die Rede. Im neuen Jahr steht die Royal Air Force für Hilfsflüge bereit, falls durch die dann fälligen Zollkontrollen in den Häfen Lieferengpässe entstehen.

"Marathon, kein Sprint"

Stephen Powis, der ärztliche Leiter des NHS in England, versuchte am Sonntag die Erwartungen zu dämpfen: Es handle sich um "einen Marathon, keinen Sprint". Tatsächlich dürften viele Monate ins Land ziehen, bis die wichtigsten Risikogruppen geimpft sind, vom Rest der Bevölkerung ganz zu schweigen.

Dennoch stellte Gesundheitsminister Matthew Hancock ein Lockerung der Covid-Einschränkungen für die Osterzeit in Aussicht. (Sebastian Borger aus London, 7.12.2020)