Es hört und hört nicht auf zu schneien in Osttirol und Oberkärnten.

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Ein Polizei-Helikopter bei einem Versorgungsflug aufgenommen am Dienstag in Huben (Gemeinde Matrei) in Osttirol.

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Straßensperre ins Defereggental, aufgenommen am Dienstag in Osttirol.

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Innsbruck/Klagenfurt/Bregenz – Keine Entspannung der Wetterlage hat es am Dienstag in den vom massiven Neuschnee betroffenen Gebieten in Osttirol und Oberkärnten gegeben. Zahlreiche Straßen waren nach wie vor gesperrt, Haushalte noch immer ohne Strom. Die Lawinengefahr war hoch, laut Lawinenwarndienst galt Warnstufe 4, spontane Lawinenabgänge waren möglich. In Nordtirol wie auch in Vorarlberg galt verbreitet Lawinenwarnstufe drei, also erhebliche Gefahr. Vor alle an steilen Grashängen sei mit Nass- und Gleitschneelawinen zu rechnen. Lawinen können bereits durch die Belastung einzelner Wintersportler ausgelöst werden. Unterdessen hat es am Dienstag erneut zu schneien begonnen.

Videos von den Schneemassen in Osttirol: Kals am Großglockner/Abfaltersbach.
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Am Dienstagnachmittag waren vorerst noch 1.200 Osttiroler Haushalte vom Stromnetz abgeschnitten. Als große Herausforderung stellte sich infolge von Straßensperren, Lawinengefahr und hoher Baumbruchgefahr weiter die Zugänglichkeit der Störstellen dar. Seitens der Tinetz-Tiroler Netze GmbH waren alle verfügbaren Personen im Einsatz, man war aber auch vor neuen Störungen nicht gefeit. Nach wie vor bestanden auch zahlreiche Straßensperren.

Viele umgestürzte Bäume

Probleme mit dem Stromnetz bestanden im Tauern- und im Villgratental sowie in Teilen des Lesachtals, berichtete Tinetz-Sprecher Christian Ammer auf APA-Anfrage. Umgekehrt habe man etwa im Bereich Matrei eine Störstelle beheben können. Am Montag waren noch mehr als 1.000 Haushalte mehr ohne Strom gewesen. Einen Zeitpunkt, zu dem alle Haushalte wieder an der Stromversorgung hängen sollen, konnte Ammer nicht nennen. Wo die Zugänglichkeit nicht gegeben sei, könne man keine Reparaturen durchführen. Umgekehrt behelfe man sich – wo dies möglich sei – mit Notstromaggregaten. Offen war auch, ob etwa neue Störstellen dazukommen. "Es hat wieder zu schneien begonnen, die Baumlast ist extrem", sagte Ammer.

Auf den Straßen waren etwa die B108 zwischen Huben und Matrei in Osttirol sowie die Felbertauernstraße zwischen Mittersill und Huben nicht befahrbar. Auch die B100 war aufgrund eines Erdrutsches zwischen Lienz und Leisach gesperrt. Ebenfalls nicht befahrbar waren die B111 von Obertilliach bis Maria Luggau sowie weitere Landesstraßen in Osttirol. Im Ötztal in Nordtirol war die B186 zwischen Neudorf und Niederthai zu. Die Brennerstraße (B182) bleibt wegen Hangrutschungen zwischen dem Gasthof Stefansbrücke und der Abzweigung Schönberg für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen bis voraussichtlich Weihnachten gesperrt.

50 Zentimeter Neuschnee prognostiziert

In Osttirol herrschte auch am Dienstag Lawinenwarnstufe 4, also große Gefahr. An steilen Grashängen waren jederzeit Nass- und Gleitschneelawinen möglich, vereinzelt auch sehr große, wurde im Lawinenreport gewarnt. Es waren noch einmal 50 Zentimeter Neuschnee prognostiziert.

Weiterhin angespannt war die Lage auch in Oberkärnten. Dort hat es am Dienstag gegen Mittag wieder zu schneien begonnen, es wird damit gerechnet, dass stellenweise mehr als ein halber Meter Neuschnee dazukommen wird. Die Lawinengefahr bleibt unverändert groß, laut Lawinenwarndienst galt – ebenso wie in Osttirol – die Lawinenwarnstufe 4.

Bergretter Josef Lugger berichtet in der "ZiB Nacht" über die Schneelage im Kärntner Lesachtal und über die Hilfseinsätze, an denen er beteiligt ist.
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Betroffen war vor allem das Obere Mölltal (Bezirk Spittal an der Drau), wo noch immer Höfe und ganze Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten waren, und das Lesachtal (Bezirk Hermagor) – hier war die Bundesstraße noch für den gesamten Verkehr mit Ausnahme von Einsatzfahrzeugen gesperrt. Auf höhergelegenen Straßen brauchten alle Fahrzeuge Schneeketten.

In Heiligenblut wurden laut Informationen der Gemeinde stellenweise mehr als 1,50 Meter Neuschnee verzeichnet. In einigen Ortschaften gab es nach wie vor keinen Strom, alle Güterwege und Hofzufahrten im Gemeindegebiet wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Gemeindebewohner wurden außerdem ersucht, daheimzubleiben.

Schulen geschlossen

Der Schneefall machte sich am Samstag aber auch in Unterkärnten bemerkbar. Kettenpflicht galt zum Beispiel auf dem Seebergsattel, dem Paulitschsattel, der Flattnitzer Landesstraße und dem Loiblpass.

Aufgrund dieser Prognosen bleiben betroffene Schulen und Kindergärten in den Bezirken Spittal an der Drau und Hermagor auch am Mittwoch geschlossen. Wie der Landespressedienst Kärnten am Dienstag mitteilte, wird aber für Kinder, die trotzdem in die Schulen kommen, eine Betreuung organisiert. (APA, 8.12.2020)