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Es war ein Herzensprojekt von Uber-Mitgründer Travis Kalanick. Der langjährige Chef des US-Fahrdienstvermittlers wollte alles billiger machen, so billig wie möglich. Weil Lenker von ihrem Beruf leben müssen – also kosten -, lag es nahe, einfach Roboter ans Steuer zu setzen. Obwohl Uber seinen Konkurrenten auch bei der Entwicklung einer selbstfahrenden Flotte ein Stück weit davonzog, trennt sich Uber nun von Kalanicks Herzensprojekt. Die teure Entwicklung der Technologie geht an das Roboterwagen-Start-up Aurora, teilten die Unternehmen am Montag mit.

Allerdings bleibt der Fahrdienstvermittler als strategischer Partner an Bord. Uber investiert 400 Millionen Euro in Aurora, das Zugang zur Uber-Plattform bekommt. Das Start-up testet bereits Fahrzeuge in den Regionen um San Francisco und Pittsburgh.

Gemeinsames Ziel bleibt

Gemeinsames Ziel sei, auf eine autonome Uber-Flotte hinzuarbeiten, ließen die Unternehmen wissen. Mit dem Verkauf will Uber-Chef Dara Khosrowshahi aber seinem Ziel näher kommen, den Fahrdienst bis Ende 2021 auf bereinigter Basis in die schwarzen Zahlen zu steuern. Es geht um den Weg zur Rentabilität, so Khosrowshahi. Insider vermuten, dass demnächst auch Elevate veräußert wird – die Einheit, die bei Uber an fliegenden Autos tüftelt.

Um das autonome Fahren voranzubringen, hatte Ex-Chef Kalanick einst eigens Anthony Levandowski als Projektchef an Bord geholt, einen prominenten Entwickler aus dem Roboterwagenprojekt von Google. Der Internetkonzern klagte Uber daraufhin mit dem Vorwurf, Levandowski habe vertrauliche Informationen mitgehen lassen. In dem langen Rechtsstreit wurde Levandowski gefeuert, und Uber musste sich verpflichten, keine Google-Technik zu nutzen.

Einziger tödlicher Unfall

Auf das Konto von Ubers Programm geht auch der bisher einzige tödliche Unfall mit einem Roboterwagen. Im März 2018 erfasste eines der Uber-Fahrzeuge bei einer nächtlichen Testfahrt in Tempe im US-Bundesstaat Arizona eine Frau, die die mehrspurige Fahrbahn überquerte und dabei ein Fahrrad neben sich schob. Nach Erkenntnissen von Unfallermittlern konnte die Uber-Software zunächst nicht einordnen, was sie sah. Zudem war die Sicherheitsfahrerin am Steuer abgelenkt, und Uber hatte die automatischen Bremssysteme des umgebauten Serienfahrzeugs deaktiviert.

Für Aurora, das die Entwicklung der Technologie nun weitertreiben soll, heißt der Deal vor allem eines: Wachstum. Derzeit beschäftigt das Start-up rund 600 Mitarbeiter. Die Abteilung, die nun von Uber zu Aurora wechselt, ist doppelt so groß. Zudem soll sich die Bewertung des Unternehmens durch den Deal auf zehn Milliarden US-Dollar vervierfachen, heißt es bei Aurora, an dem auch der Online-Handelsriese Amazon und die Beteiligungsgesellschaft Sequoia beteiligt sind – diese steckte 2019 mehr als eine halbe Milliarde Dollar in das Start-up.

Bei Aurora ist man über den Deal jedenfalls begeistert. Dem US-amerikanischen Start-up, dessen drei Gründer zuvor bei Tesla, Google und Uber selbstfahrende Autos entwickelt hatten, sind frühere Partner wie Fiat Chrysler und Volkswagen abhandengekommen. Mit Uber hat man nun erneut einen Mobilitätsriesen als Partner. (luis, 8.12.2020)