Blutabnahme in Eluru.

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In der Stadt Eluru im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh füllen sich die Krankenhäuser. Schon am Wochenende waren rund 200 Menschen mit Symptomen wie epileptischen Anfällen, Übelkeit, Angstzuständen, Gedächtnisverlust und Schwindel in die Spitäler gebracht worden – mittlerweile sind es dreimal mehr. Bei den Betroffenen lässt sich kein klares demografisches Bild ausmachen, viele Frauen und kleine Kinder sind offenbar dabei. Mindestens ein Mann ist infolge der Erkrankung auch gestorben, etwa 85 Prozent der Betroffenen konnten die Krankenhäuser allerdings nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Auf der Suche nach der Ursache der Erkrankungen entsandte die Regierung in Neu-Delhi Experten des Nationalen Instituts für Virologie, der indischen Gesundheitsbehörde und des Instituts für Medizinwissenschaften nach Eluru. Sie untersuchten unter anderem die Nahrungsmittel der Bewohner von Eluru, darunter Reis und Öle, und entnahmen Blut- und Urinproben.

Im Blut findet sich eine Erklärung

Klar war bisher nur gewesen: Um Corona handelt es sich bei den Krankheitsausbrüchen nicht, Tests waren samt und sonders negativ ausgefallen. Zudem schien klar, dass sich die Erkrankung nicht von Mensch zu Mensch übertrage. Und: Die Symptome sind echt, es handelt sich also auch nicht um eine Massenhysterie. Nun haben die Befunde aber doch ein deutliches Indiz geliefert: Im Blut der Betroffenen sind deutlich erhöhte Werte an Nickel, Blei und weiteren Schwermetallen gefunden worden, die nach einigen Tagen in ärztlicher Betreuung wieder zurückgingen. Die Mediziner gehen deshalb davon aus, dass es sich um eine Form der Umweltvergiftung handeln muss.

Behördenvertreter vermuteten mögliche Komplikationen mit chemischen Zusätzen in Düngemitteln und Insektenvernichtungsmitteln, während Bewohner auf Probleme mit Müll und verwilderten Hausschweinen hinwiesen. Möglich ist in diesem Zusammenhang, dass die Erkrankungen Folge einer medizinischen Intervention sein könnten: nämlich des massiven Einsatzes von Chlor, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Untersucht wird aber auch noch das Grundwasser der Stadt. Eluru ist ein Zentrum der indischen Textilindustrie, Abwässer könnten womöglich in die Wasserversorgung gelangt sein. Das vermutet vor allem auch die Opposition in dem Bundesstaat.

Ganz sicher ist das alles aber noch nicht: Bisher hatten die Mediziner Wasser- oder Luftverschmutzung aber explizit als Quelle ausgeschlossen. Auch die WHO ist mittlerweile mit einem Team angereist. Wo genau die Erkrankten, die aus unterschiedlichen Teilen der Stadt – und teils auch aus dem Umland – kommen, über einen Zeitraum mehrerer Tage mit dem gleichen Umweltgift in Kontakt gekommen sein könnten, ist bisher nicht klar. (mesc, APA, Reuters, 10.12.2020)