Vor dem Amtssitz von Premier Edi Rama wurde ein Christbaum angezündet und umgeworfen.

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Demonstrierende warfen teilweise auch mit Steinen.

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Ein Großteil der Kundgebung verlief allerdings friedlich.

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In Albanien sind am Mittwochabend hunderte Menschen zu spontanen Protesten auf die Straße gegangen. Den Ausschlag dafür gab der Schock über einen Fall von Polizeigewalt in dem Balkanstaat. Beamten hatte in der Nacht auf den Mittwoch einen 25-jährigen Mann erschossen, der offenbar gegen die nächtliche Ausgangssperre verstoßen hatte. Diese ist in Albanien zum Schutz vor Corona-Ansteckungen in Kraft. Die Polizei teilte dazu mit, es habe sich um einen "übertriebenen Einsatz von Gewalt gehandelt". Wieso genau Klodian Rasha getötet worden war, teilte sie nicht mit. Er habe aber zuvor Aufforderungen, stehen zu bleiben, nicht beflogt.

Die Demonstrierenden in der Hauptstadt Tirana sowie in Shkodra, Durres, Bluqiza und weitere Städten forderten den Rücktritt von Innenminister Sander Lleshaj. Der Ex-General teilte auf Facebook allerdings mit, er teile zwar den Schmerz der Familie Rashas und bedauere den Vorfall – er werde aber nicht auf sein Amt verzichten. Auch die Polizei selbst drückte ihr Bedauern aus. Der Tod Rashas werde in einer internen Untersuchung geprüft werden. Die Schütze befindet sich in Untersuchungshaft. Die Polizei in Albanien war in den vergangenen Jahren mehrfach in die Kritik geraten, unter anderem wird ihr politisch parteiisches Vorgehen vorgeworfen.

Wut auf Weihnachtsdekoration

Die Demonstrationen am Mittwochabend waren ihrerseits wegen der Corona-Pandemie verboten worden, was den Zustrom an Empörten aber kaum minderte. Teilweise kam es dabei auch zu Gewalt. Nach Informationen des albanischen Innenministeriums, die das Portal "Balkan Insight" verbreitete, wurden mindestens neun Polizisten verletzt. Auch zwei Demonstrierende mussten behandelt werden.

Die Polizei versuchte unter anderem mit dem Einsatz von Tränengas die Protestierenden auseinanderzutreiben und die Demos zu beenden. Auch die Kundgebungsteilnehmer verhielten sich nicht durchgehend friedlich. So wurde in Tirana etwa ein großer Christbaum vor dem Amtssitz von Premier Edi Rama in Brand gesteckt und anschließend umgeworfen. Auch weitere Weihnachtsdekorationen wurden zerstört. Polizisten wurden mit Gegenständen und Steinen beworfen. Ein Großteil der Kundgebungsteilnehmer demonstrierten allerdings gewaltlos. (mesc, 10.12.2020)