Armer Teufel: Der größte Raubbeutler der Welt wird von übertragbaren Krebserkrankungen geplagt.
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Wien – Der Tasmanische Teufel (Sarcophilus harrisii) ist ein bedauernswertes Geschöpf: Das zu den Raubbeutlern zählende Tier, das ausschließlich auf der australischen Insel Tasmanien vorkommt, leidet an extrem seltenen und tödlichen Krebserkrankungen, die sich von Tier zu Tier übertragen. Infektiöse Tumoren sind bei Säugetieren eigentlich selten. Dass die Tasmanischen Teufel, auch Beutelteufel genannt, gleich von zwei verschiedenen Formen betroffen sind, weckt bei Biologen und Medizinern seit langem Interesse und Besorgnis.

Seit die erste Variante des ansteckenden Gesichtstumors in den 1990er-Jahren entdeckt wurde, ist der Bestand der Tiere dramatisch eingebrochen. In manchen Teilen Tasmaniens sind schon fast 90 Prozent der Beutelteufel verschwunden, Forscher fürchteten, die Art könnte bald ganz aussterben. Eine neue Studie im Fachblatt "Science" versprüht nun Optimismus: Genetische Analysen deuteten darauf hin, dass die Krankheit nicht für eine Ausrottung sorgen werde, berichten die Wissenschafter im Fachmagazin "Science".

Heute sind die Beutelteufel nur noch auf Tasmanien zu finden, auf dem australischen Festland sind sie schon vor Jahrhunderten ausgestorben.
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"Aussterben unwahrscheinlich"

Wie das internationale Forscherteam um Forscher um Andrew Storfer von der Washington State University berichtet, zeigen die Untersuchungen, dass sich die Ausbreitung der Krankheit zunehmend verlangsamt. Infizierte Tiere stecken demnach immer weniger Artgenossen an und sterben offenbar auch seltener, wodurch das gefährliche Potential der Krankheit abnimmt. "Das sind gute Nachrichten. Wir werden wohl weiterhin Rückgänge der Populationsgrößen sehen, aber ein Aussterben scheint sehr unwahrscheinlich", sagte Storfer.

Normalerweise wuchern Tumoren ausschließlich in dem Organismus, aus dessen Zellen sie entstanden sind. Dafür sorgt eine Vielzahl an molekularen Sicherheitsmechanismen, mit denen das Immunsystem körperfremdes Gewebe abwehrt. Bei den Tasmanischen Teufeln ist das anders: Die Krebszellen der "Devil Facial Tumour Disease" (DFTD) genannten Krankheit werden durch Bisse von einem Tier auf das nächste übertragen. Für die Verbreitung sorgen die Teufel mit großem Eifer selbst, da sie sich im Kampf um Nahrung und Geschlechtspartner häufig gegenseitig in die Schnauze beißen.

Übertragen wird das infektiöse Gewebe durch Bisse.
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Sinkende Reproduktionszahl

Für die aktuelle Studie analysierte das Forscherteam 11.000 Gene aus 51 Tumorproben und suchte nach Mutationen, die auf grundlegende Veränderungen hindeuten. Tatsächlich konnten sie zeigen, dass die zunächst epidemische Krankheit in eine weniger ansteckende Phase übergegangen sein dürfte: Offenbar ist DFTD inzwischen endemisch geworden. Das bedeutet, dass die Zahl der Erkrankungen über die Zeit relativ konstant bleibt. So schrumpfte die anfängliche Reproduktionszahl von 3,5 auf einen Wert um 1,0, schreiben die Forscher.

"Ein direktes Eingreifen zum Erhalt der Art ist wahrscheinlich nicht nötig und vielleicht sogar kontraproduktiv", sagte Storfer. Die Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass DFTD im Lauf der Zeit verschwinden oder sich in den Populationen der Tasmanischen Teufel stabilisieren könne – ganz ohne medikamentöse Nachhilfe. (dare, APA, 14.12.2020)