Ein emiratischer Scheich (re.) und ein aus dem Maghreb stammender Israeli wollen den Rassismus im Fußballklub Beitar Jerusalem austrocknen.

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In Washington ist am Mittwoch der Versuch einer überparteilichen Gruppe von demokratischen und republikanischen Senatoren gescheitert, einen der spektakulärsten Waffendeals der jüngsten Zeit zu verhindern: ein Rüstungsgeschäft im Umfang von 23 Milliarden US-Dollar, das den Verkauf von bis zu fünfzig amerikanischen F-35-Kampfjets an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beinhaltet. Auch ein Munitionsverkauf stand, ebenfalls folgenlos, zur Debatte: Die Gegner führten die – inzwischen jedoch stark heruntergefahrene – Verwicklung der VAE in den Jemen-Konflikt oder auch die Unterstützung der VAE für den libyschen General Khalifa Haftar negativ an.

"Very comfortable"

Das Besondere am Verkauf der F-35 – laut Experten das beste Produkt auf dem Markt, das im Nahen Osten bisher nur Israel hat – ist jedoch, wer sich außer den VAE-Lobbyisten in Washington noch dafür einsetzte: der israelische Botschafter Ron Dermer, der gemeinsam mit seinem emiratischen Kollegen Yousef al-Otaiba am Montag in der Morgenshow von MSNBC auftrat.

Er sei "very comfortable", was die F-35 anbelange, sagte Dermer und fügte eine Spitze gegen den kommenden US-Präsidenten Joe Biden an: Schlaflose Nächte würde ihm vielmehr die Vorstellung bereiten, dass jemand zum Atomdeal mit dem Iran zurückkehren könnte.

"Qualitative military edge"

Die VAE seien ein Verbündeter gegen Teheran, und um die US-Selbstverpflichtung, auf das "qualitative military edge", den militärischen technologischen Vorsprung Israels, zu schauen, fürchte er nicht, sagte Dermer. Um die Senatoren zu überreden, wurde auch der Schwiegersohn und Nahostberater von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, ins Rennen geschickt.

Noch immer ist die Diskussion darüber nicht beendet, ob die US-Bereitschaft, den VAE den Kampfjet zu verkaufen, fixer Bestandteil des israelisch-emiratischen Normalisierungspakets war. Premier Benjamin Netanjahu wurde dafür auch in Israel kritisiert. Der aktuelle Stand ist jedenfalls, dass das Geschäft durchgeht – wobei es bis zur Lieferung der Jets laut New York Times bis zu acht Jahre dauern könnte.

Sport-Einkaufstour

Die israelisch-emiratische Normalisierung wird jedoch auch an anderer Stelle mit Leben erfüllt. Zu Wochenbeginn wurde bekanntgegeben, dass sich ein emiratischer Scheich mit 50 Prozent in den israelischen Fußballklub Beitar Jerusalem einkauft. Hamad bin Khalifa bin Zayed Al Nahyan ist Mitglied der Royals von Abu Dhabi und Cousin des mächtigen Kronprinzen und De-facto-Herrschers der VAE, Mohammed bin Zayed.

Hier ist die Besonderheit des Kaufs, dass Beitar Jerusalem nicht nur ganz normale Mainstream-Fans hat, sondern einen Kern von schwer rassistischen Anhängern, "La Familia" genannt. Es ist laut Haaretz der einzige israelische Klub, in dem keine Araber spielen – und nichtarabische muslimische Spieler, die engagiert wurden, regelrecht vertrieben wurden.

Für "La Familia" gilt das Motto "Für immer rein". Dementsprechend groß war das Entsetzen dieser Fans – die sich teilweise als Anhänger des Massenmörders Baruch Goldstein und des Mörders von Yitzhak Rabin, Yigal Amir, deklarieren – über die Verhandlungen mit dem Golfaraber. Jener Teil Israels, der diesen Rassismus verabscheut, jubelt hingegen: "Der Verkauf von Beitar an die Araber ist das deutlichste Zeichen, dass es einen Gott gibt", twitterte etwa die Haaretz-Journalistin Noa Landau ironisch.

Ex oriente lux

Scheich Hamad, dessen Sohn Mohammed im Vorstand von Beitar sitzen wird, hat allerdings einen kongenialen Partner mit Beitar-Besitzer Moshe Hogeg, der den Klub erst 2018 übernahm und sich selbst als "jüdischen Araber" bezeichnet. Er hat einen in Tunesien geborenen Vater und eine marokkanischstämmige Mutter. Fast schon skurril angesichts – auch hiesiger – Islam-Debatten war der Auftritt des Scheichs bei der Unterschrift des Vertrags in Dubai: Er versprach, die jungen israelischen "Gehirngewaschenen" von der Dunkelheit ins Licht zu führen, es seien ja nur junge ignorante Leute. Aufklärung aus den VAE.

Auf israelisch-emiratischer, aber auch auf israelisch-bahrainischer Ebene tut sich viel – während jene Verbindung, auf die Trump und Kushner als wichtigstes Symbol ihres "Friedensplans" für den Nahen Osten gesetzt hatten, momentan steckengeblieben erscheint.

Verbale Breitseite

Eine Abrechnung mit den Palästinensern vonseiten des früheren saudischen Botschafters in Washington, Prinz Bandar bin Sultan, in einem mehrteiligen TV-Interview im Oktober schien neue saudische politische Prioritäten zu signalisieren. Am Sonntag meldete sich jedoch ein anderer wichtiger saudischer Politdinosaurier zu Wort, inhaltlich mit genau dem Gegenteil: Beim "Manama Dialogue" verpasste Prinz Turki al-Faisal, ebenfalls früherer Botschafter in Washington und langjähriger Geheimdienstchef, am Sonntag den Israelis eine heftige Breitseite.

Im Publikum saß Israels Außenminister Gabi Ashkenazi und hörte zu, wie Turki von Israel als der "letzten westlichen Kolonialmacht" und von "Konzentrationslagern" sprach. Zu seinem Ausritt mag beigetragen haben, dass Dore Gold, Exdiplomat und Netanjahu-Vertrauter, da war: Sein Buch über Saudi-Arabien trägt den Titel "Königreich des Hasses". (Gudrun Harrer, 11.12.2020)