Aus dem Bericht der nach dem Terroranschlag in Neuseeland eingesetzten Untersuchungskommission geht hervor, dass der Christchurch-Attentäter Neonazis auf der ganzen Welt motivierte, für Sellner zu spenden.

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Christchurch/Wien – Die Spenden des rechtsextremen Attentäters von Christchurch sind nun erstmal im Bericht der nach dem Terroranschlag in Neuseeland eingesetzten Untersuchungskommission öffentlich einsehbar. Diese Spendenliste zeigt, dass der Attentäter Rechtsextreme aus der ganzen Welt finanziell unterstützte. Noch nicht bekannt waren Spenden an die deutschen Identitären und an Neonazi-Portale wie "The Daily Stormer" oder das kanadische "Rebel News Network". Zusammengezählt spendete der Christchurch-Attentäter so rund 5.000 Euro an die rechtsextreme Identitäre Bewegung.

Die größte Spende erging an den Österreich-Chef, Martin Sellner, Anfang Jänner 2018 im Wert von insgesamt 2.308,97 Australische Dollar (umgerechnet zirka 1.500 Euro). Sellner hatte im vergangenen Jahr bereits eine Spende des Attentäters von 1.500 Euro auf sein privates Konto eingestanden.

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In den Jahren 2017 und 2018 überwies Laut dem Bericht ermuntere der rechtsextreme Australier, der bei einem Angriff auf zwei Moscheen im März 2019 51 Menschen erschossen und 50 weitere verletzt hatte, Neonazis auf der ganzen Welt, mit denen er sich vernetzte, an Martin Sellner zu spenden. Bei seiner Reise 2018 nach Österreich traf er den Österreicher aber nicht, wie der Attentäter gegenüber der Kommission angab.

Zuvor hatte Sellner ein solches Treffen in einem E-Mail-Verkehr in Aussicht gestellt: "Ich möchte dir persönlich für deine unglaubliche Spende danken", schrieb Sellner. Er sei "wirklich überrascht und begeistert".

"Das hier ist meine persönliche E-Mail-Adresse – kontaktiere mich jederzeit, wenn du willst", so Sellner. Daraus entwickelt sich ein kurzer E-Mail-Verlauf zwischen Sellner und dem mutmaßlichen späteren Rechtsterroristen. Zu seiner Spende schreibt der Attentäter an Sellner, dass es nur "ein kleiner Betrag im Vergleich zu der vielen Arbeit, die du leistest", sei. "Du wirst von Menschen auf der ganzen Welt unterstützt", und: "Es ist noch ein langer Weg bis zum Sieg, aber jeden Tag werden unsere Leute stärker." (APA, red, 10.12.2020)