Studie zeigt: Die Mehrheit weiß gar nicht, dass sie infiziert ist.

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Wien – Ein bisschen was ist noch dazugekommen, seit die ersten Zwischenergebnisse der von Bildungsministerium, Statistik Austria, Med-Uni Wien und Rotem Kreuz abgewickelten vierten Prävalenzstudie präsentiert wurden. Erhoben wurde dabei unter anderem, wie viele Menschen aus der Stichprobe im Zeitraum von 12. bis 14. November mit Sars-CoV-2 infiziert waren.

Die wesentlichen Ergebnisse: Zum Testzeitpunkt waren rund 233.000 Menschen in Österreich (bezogen immer auf über 16-Jährige in Privathaushalten) infiziert – das sind 3,1 Prozent der Bevölkerung.

Auch die Ergebnisse der Antikörperstudie liegen jetzt vor: Demnach haben von Pandemiebeginn bis Mitte beziehungsweise Ende November österreichweit rund 349.000 Personen eine Covid-19-Infektion durchgemacht – das entspricht 4,7 Prozent der Bevölkerung.

Allerdings waren 61 Prozent der positiv auf Antikörper getesteten Personen zuvor nicht behördlich als Corona-Fälle registriert. Die Dunkelziffer war in den westlichen Bundesländern wesentlich größer als im Osten: Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich weisen eine Seroprävalenz von 5,7 Prozent auf. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland beträgt der Wert nur 3,8 Prozent.

Die Studie im Detail

Bei 2.229 Personen im Alter von über 16 Jahren wurde im Rahmen der Studie Blut abgenommen und ein Nasen-Rachen-Abstrich gemacht. Außerdem war man interessiert zu erfahren, wie es den Menschen in der Zeit vor dem zweiten Lockdown gegangen ist – das wurde mittels Fragebogen erhoben.

Die Frage nach der Verbreitung des Virus im Untersuchungszeitraum Mitte November ergab erwartungsgemäß einen deutlichen Anstieg der Infektionszahlen: Während Ende Mai, als die Vorgängerstudie veröffentlicht wurde, nur 0,1 Prozent mit dem Virus infiziert waren, kletterte der Wert jetzt auf 3,1 Prozent. Die statistische Schwankungsbreite liegt zwischen 2,6 und 3,5 Prozent.

Spannend war der Nachweis von Antikörpern samt Abgleich mit dem Epidemiologischen Meldesystem (EMS): Mittels Blutanalyse konnten bei 92 von 2.229 Proben neutralisierende Antikörper nachgewiesen werden, die vor dem Virus schützen. Hochgerechnet haben also rund 349.000 Menschen bis Mitte November bereits eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht – das entspricht 4,7 Prozent. Hier liegt die Schwankungsbreite zwischen 3,8 und 5,6 Prozent. Von diesen schienen aber nur 39 Prozent im EMS auf – die große Mehrheit der Infektionen blieb also bis zum Studienzeitraum unerkannt.

Kein Wunder: Knapp unter 50 Prozent der Befragten gaben an, so gut wie keine Symptome bemerkt zu haben – weshalb vor der Testung auch knapp 80 Prozent schätzten, dass sie nicht mit dem Virus infiziert sind.

Bei den Antikörper-Testverfahren hat sich auch gezeigt, dass bei nahezu allen im EMS gemeldeten Fällen auch neutralisierende Antikörper gefunden wurden – auch bei jenen Menschen, die einen relativ milden Infektionsverlauf hatten. Das lasse auch auf eine Immunität schließen. Je länger die Infektion zurückliegt, desto weniger Antikörper waren aber noch vorhaben.

Große Sorgen

Und wie geht es den Befragten? Das Wohlbefinden der Menschen ist deutlich gesunken: Während im Mai noch 62 Prozent der Studienteilnehmer angegeben haben, zumindest meistens gute Laune, Ruhe und Entspannung zu empfinden, war diesmal nur noch 58 Prozent so zumute. Auch die Sorgen sind mehr geworden: Elf Prozent der Befragten haben Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren (Mai: drei Prozent), sieben Prozent fürchten den Verlust eines Familienmitglieds (Mai: vier Prozent).

Eine der Schlussfolgerungen, die Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), dessen Ministerium die Studie beauftragt hat, zieht, ist: "Dass wir eine Durchseuchung der Bevölkerung erreichen, ist eine Illusion, der Weg aus der Pandemie kann nur über eine Impfung erfolgen." Nach den vulnerablen Gruppen sollten ehestmöglich Pädagoginnen und Pädagogen an die Reihe kommen. Außerdem nutzte Faßmann die Präsentation der Studie für einen Appell, an den Massentestungen teilzunehmen. Die hohe Dunkelziffer zeige, wie wirkungsvoll das sein könne. (riss, 11.12.2020)