Das Angebot an Corona-Tests ist inzwischen sehr groß – für Laiinnen und Laien schier unübersichtlich.

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Wenigstens Weihnachten mit der Familie feiern – oder ein anderes religiöses beziehungsweise säkulares Fest: Das wünschen sich nach diesem Horrorjahr viele Menschen in Österreich. Hat man sich früher noch mit Geschenken und Festmenüs auseinandergesetzt, gibt es dieses Jahr eigentlich nur eine Sorge: Wie kann ich sicherstellen, nicht infiziert zu sein?

Freitesten. Das ist das geflügelte Wort für alle, die mit Eltern, Großeltern oder anderen Corona-gefährdeten Risikopersonen unterm Tannenbaum stehen wollen – denn Singen ist heuer wegen der allfälligen Infektionsgefahr tatsächlich tabu. Die frohe Botschaft: Für ein paar Stunden sicher sein, dass man nicht ansteckend ist, das geht. Denn tatsächlich gilt es ja herauszufinden, ob jemand mit Sars-CoV-2 infiziert ist, keine Symptome zeigt, aber trotzdem für andere eine Gefahr darstellt.

Der Goldstandard für Corona-Tests sind PCR-Tests, weil sie die sicherste Methode für den Virusnachweis sind. Ihr Nachteil: PCR-Tests brauchen, um ausgewertet werden zu können, eine Laborinfrastruktur und damit eine Logistik, bei der es zu Wartezeiten kommen kann.

Die schnellere und unkomplizierte Alternative sind Antigentests, die derzeit im Zuge der Massentests zum Einsatz kommen. Innerhalb von 15 Minuten ist das Ergebnis fertig und damit auch die Lizenz zum gemeinsamen Feiern. Ihr Nachteil: Sie sind weniger zuverlässig als ihre PCR-Alternative.

Nur eine Momentaufnahme

Das ist der Grund, warum alle Expertinnen und Experten unisono betonen, dass ein negativer Test immer nur "eine Momentaufnahme" darstellt. Soll heißen: Im schlechtesten Fall hatte man beim Test das Virus in sich, aber in zu geringer Konzentration, um nachgewiesen werden zu können. Es könnte theoretisch also sein, dass es sich während der Weihnachtsfeier vermehrt und dann Oma oder Opa ansteckt.

Die bestmögliche Variante ist also, sich einerseits freizutesten, andererseits aber trotzdem die Abstandsregeln, die Hygienevorschriften einzuhalten und auch aufs Lüften nicht zu vergessen. Oder eben noch strenger: nur mit der Kernfamilie und möglichst nicht generationenübergreifend zu feiern.

In den vergangenen Wochen hat sich das Angebot von Corona-Tests aller Art stark erweitert. Abgesehen von PCR- oder Antigen-Test gibt es beide Varianten auch als Wattestäbchen oder zum Gurgeln. Die Standard-Redaktion hat die Vorweihnachtszeit genutzt, um sich einen Überblick über die Tests zu verschaffen. Jeder einzelne wurde einer kritischen Prüfung unterzogen. Wie laufen diese verschiedenen Tests ab? Wie lange dauert es bis zum Ergebnis? Was kostet es? Was wir ehrlicherweise nicht sagen können, ist, wie die Situation dann unmittelbar vor Weihnachten, also am 23. und 24. Dezember, sein wird. Denn dann werden sich wohl die meisten Menschen testen lassen wollen.

Nur eines ist klar: Alle, die kurz vor dem Fest ein positives Testergebnis haben, sollten allein bleiben. Insofern ist Negativsein 2020 der sehnlichste Wunsch ans Christkind.

Antigentest in der Apotheke

Roche, Nano Repro oder Nal von Minden: Die Bandbreite der Testanbieter nimmt stetig zu, die Auswahl treffen Apotheker selbst. Stichproben in den Bundesländern ergeben teilweise massive Preisschwankungen von 19,95 (Salzburg Stadt) bis 58 Euro (Wiener Innenstadt). Die Terminvergabe per Telefon verläuft aber problemlos: zu Mittag anrufen, am Nachmittag vorbeikommen. Termine für den 23. Dezember sind teilweise ausgebucht.

In einer Wiener Apotheke darf man zum Bezahlen und Ausfüllen des Datenblatts die Apotheke zwar betreten, der Abstrich wird aber durch das Ausgabefenster der Nachtapotheke durchgeführt. Der Rachenabstrich selbst ist zwar nicht angenehm, aber auch nicht schmerzhaft. Das Ergebnis kommt binnen 20 Minuten per SMS oder Telefon.

Berichten zufolge werden in manchen Apotheken Antigentests direkt an den Endverbraucher verkauft. Hersteller und Mediziner warnen davor. Das Ergebnis könnte verfälscht, der Nasenrachenraum verletzt werden. (elas, lauf)

Wartezeit: 15–20 Minuten, Kosten: ab 19,95 Euro

Expertencheck: Achtung! Antigentests sind nur eine Momentaufnahme. Bereits am Folgetag können sie ein anderes Ergebnis aufweisen.


Massentest in Wien nützen

Extrem unspektakulär geht der Massentest am ersten Testsamstag in den Messehallen in Praternähe über die Bühne. Die Anmeldung wurde wenige Tage zuvor erledigt, von Massenandrang ist mittags um 12.45 Uhr keine Rede. Warteschlangen: null. Eine weiße FFP2-Schutzmaske wird ausgehändigt, schon ist man drin in den Hallen.

Auch hier läuft alles geordnet ab, die digitale Datenerhebung, die am Anfang Probleme bereitete, ist kein Ding an diesem Samstag. Nach gefühlt fünf Minuten sitzt man auf dem Teststuhl, es folgt der Taschentuchschnäuzer. Der Testende im weißen Raumanzug führt das Stäbchen dermaßen routiniert ein, dass man über den "schlimmsten Teil des Tests" gar nicht nachdenken kann.

Nach 15 Minuten wird das Ergebnis ausgedruckt: "Folgen Sie der grünen Linie nach draußen", werden die negativ Getesteten angewiesen. Zwanzig Minuten hat der Spaß gedauert. Zur Feier des Tages genehmigen sich draußen einige einen Kaffee im Pappbecher. (feld)

Wartezeit: 15 Minuten, Kosten: 0 Euro

Expertencheck: Massentests dienen dem Finden von Personen, die keine Symptome aufweisen. Erst bei einer Wiederholung machen sie Sinn.


Antigen-Schnelltest für Unternehmen

Die Idee hinter einem Do-it-yourself-Corona-Test ist bestechend. Etwa für eine Firma, die nicht alle Kundenkontakte ins Netz verlagern kann. Überhaupt wäre das Leben in der Pandemie leichter, könnte man vor Face-to-Face-Treffen jeder Art einen Schnelltest machen, den man in 25er- oder 75er-Gebinden online bestellt und spontan zur Hand hat.

Allein, bei einem Produkt wie etwa dem Covid-19-Ag Rapid Test Device von Panbio hapert es nicht nur an der den Viruseigenschaften geschuldeten Unzuverlässigkeit. Auch das Selbermachen schafft Probleme. Wie weit, bitte, muss man den Teststupfer wirklich in die Nase einführen, um laut Anleitung "eine Tiefe zu erreichen, die dem Abstand von den Nasenlöchern bis zur äußeren Öffnung des Ohres entspricht"? Die entstandene Unsicherheit prägt die weiteren Testschritte mit Röhrchen, Pufferlösung und Testkassette.

Nach 15 Minuten weist diese "negativ" als Ergebnis aus. Man könnte dem mehr vertrauen, hätte eine medizinisch geschulte Person die Probe entnommen. (bri)

Wartezeit: 15 Minuten, Kosten: Rund 6 Euro pro Test

Expertencheck: Antigentests schlagen erst bei relativ hoher Viruslast an. Die Entnahme sollte durch geschultes Personal erfolgen.


PCR-Gurgeltest mit Vorlaufzeit

Die Produktbeschreibung auf der DM-Homepage weckt Vertrauen. Um ein Aufeinandertreffen Infizierter in einer DM-Filiale zu verhindern, sei der Corona-Selbsttest – er kam als erster PCR-"Schnelltest" für den Privatgebrauch auf den Markt – "als praktische Gurgellösung" nur online zu haben, steht da. Auch das Bestellen läuft problemlos: Name, Adresse, Kreditkartennummer eingetippt, "Senden" gedrückt, alles paletti.

Dann jedoch beginnt das Warten. Die Bestellung ging am Freitag, dem 4. Dezember, raus. Am Montag, dem 7. Dezember, kommt eine Mail: Die Auslieferung habe sich verzögert. Stunden später eine zweite: Der Test werde binnen zwei bis fünf Werktagen von der Post zugestellt.

Donnerstagabend dann ist es so weit. Der Test ist da! Die Handhabung ist auf der mitgelieferten Gebrauchsanleitung gut erklärt, das Gurgeln, Spucken, Röhrchenverschließen und Beschriften klappt. Auch gut: Der Karton zum Zurückschicken passt in den Schlitz eines Postkastens. Nur: Jetzt heißt es wieder warten – auf das Ergebnis. (bri)

Wartezeit: Ende ungewiss, Kosten: 119 Euro

Expertencheck: Eine Frage des perfekten Timings: Zu früh durchgeführt, besteht erneutes Risiko – wenn er überhaupt pünktlich geliefert wird.


PCR-Gurgeltest mit Online-Anleitung

Dieser Selbsttest ist schon wieder vier Wochen her. Der Auslöser: ein Journalistentermin, bei dem alle Sicherheitsmaßnahmen (inkl. Masken) eingehalten wurden. Doch sechs Tage später informiert eine der teilnehmenden Personen, dass ihr vor sechs Tagen durchgeführter Test nun endlich da und positiv sei.

Zur Sicherheit ist also ein eigener Test angesagt, bei dem die Wartezeit danach nicht nur wegen eigener Termine keine sechs Tage dauern darf. Die Partnerin besorgt ihn am späten Nachmittag in einer Bipa-Filiale. Zu Hause wird dann am Abend vor der laufenden Kamera des Laptops, der über das Netz mit der Firmenhomepage des Testherstellers verbunden ist, eine Minute lang gegurgelt.

Die im Röhrchen abgefüllte Flüssigkeit geht dann nicht per Post an den Hersteller, sondern wird – weil der Sitz der Firma in der Nähe ist und es schnell gehen soll – um neun Uhr früh des nächsten Tages direkt beim Testhersteller in 1060 Wien abgegeben. Das Ergebnis kommt tags darauf um 11.30 Uhr per E-Mail. Und ist negativ. (tasch)

Wartezeit: (netto) 26,5 Stunden, Kosten: 119 Euro

Expertencheck: Ein PCR-Gurgeltest ist genauso sensitiv und zuverlässig wie der mit dem Wattestäbchen. Bei Kindern bevorzugt angewandt.

PCR-Test-KIassiker im Labor

Ganz konservativ geht der Test mit einem PCR-Test aus dem Privatlabor. Für den Test der Tests wurde eines im siebenten Bezirk in Wien aufgesucht. Eine Voranmeldung war nicht nötig. Die Wartezeit vor Ort hielt sich an einem Wochentagmorgen in Grenzen – das Schild, das die Personenzahl im Wartezimmer auf drei beschränkt, wird von Patienten allerdings konsequenzlos ignoriert.

Bei der Anmeldung müssen Name und E-Mail auf einen Zettel notiert werden, Telefonnummer und Wohnadresse werden ohne ersichtlichen Grund mündlich (und dank Mund-Nasen-Schutz und Plexiglasscheibe lautstark) angegeben. Das erscheint weder als hygienisch noch als datenschutzsensibel. 120 Euro bezahlt man für den Test im Voraus vor Ort.

Der Abstrich wird in einer Kabine durch die Nase abgenommen, was bekannterweise unangenehm, aber auch schnell vorbei ist. Das Ergebnis kommt am nächsten Tag zwischen acht und neun Uhr per E-Mail in einem passwortgeschützten PDF. (sefe)

Wartezeit: Maximal 24 Stunden, Kosten: 120 Euro

Expertencheck: Das Verfahren gilt als GoldStandard. Trotzdem ist das Einhalten von Abstand- und Hygienerichtlinien im Labor unerlässlich.


PCR-Test im Labor in Tirol

Drei Labors bieten in Innsbruck private PCR-Tests an. Die Wahl fällt auf jenes, das als erstes telefonisch erreichbar ist. Eine Anmeldung ist nicht nötig: "Kommen Sie einfach am Vormittag vorbei und läuten Sie im Zelt." Das schmucklose weiße Zelt steht in der Franz-Fischer-Straße, auf dem Parkplatz vor dem Gebäude, in dem sich das Labor befindet. Drinnen ein Stehtisch zum Ausfüllen des Anmeldeformulars und ein Desinfektionsmittelspender.

Die freundliche Labormitarbeiterin, die nicht im Zelt, sondern dem angrenzenden Gebäude steht, nimmt durch ein Fenster das Datenblatt entgegen. Nun darf man die Maske kurz abnehmen, und die Dame nimmt, wieder durch das Fenster langend, mittels Rachenabstrich die benötigte Probe. Ein kurzer Würgereflex, und schon ist der Spuk vorbei.

Das war um fast genau 11 Uhr. Um genau 13.16 Uhr kommt das Ergebnis per SMS. Kurz dem Link folgen, Namen und Geburtsdatum eingeben: negativ! Fazit: eine durchaus positive Erfahrung. (ars)

Wartezeit: Ergebnis garantiert noch am selben Tag, Kosten: 120 Euro

Expertencheck: Zuverlässig (PCR), schnell (weil zeitnah) und unter Einhaltung aller Corona-Regeln. Top!


Do-it-yourself-Test aus der Apotheke

Braune Schachtel, zwei Röhrchen und eine lange Anleitung: Wer dieses Package will, muss erst online eine Apotheke suchen, die das Produkt anbietet. "Dieser Gurgeltest ist sehr teuer, ich kann mir nicht leisten, viele dieser Kits auf Vorrat zu halten", so der Apotheker beim Kauf von Yes We Care. Wer sich vor Weihnachten testen lassen will, sollte vorbestellen. Die Service- leitung der Apotheke: Der Test wird erklärt. Also gurgeln, reinspucken, wieder zurück in die Packung und Etiketten drauf. Die Apotheke übernimmt den Versand: "Dann müssen Sie sich nicht bei der Post anstellen."

Für den Test an sich sollte man sich 15 Minuten Zeit nehmen, die Anleitung ist ausführlich, dafür aber tadellos. Das Prozedere beginnt mit der Online-Registrierung. Das ist notwendig, damit das Ergebnis dann per E-Mail mitgeteilt werden kann. Um 7.55 Uhr erfolgte die Registrierung auf der Website, um 9,28 Uhr war der Test in der Apotheke. Um 18.22 Uhr kam das Ergebnis dann auch schon per E-Mail. Also innerhalb von acht Stunden. (pok)

Wartezeit: maximal 24 Stunden, Kosten: 150 Euro

Expertencheck: Ein PCR-Test macht drei bis fünf Tage vor Weihnachten Sinn, wenn man danach keine Ansteckungsrisiken mehr eingeht.


Fahrradkurier mit PCR-Gurgelprobe

Erstaunlich reibungslos verläuft die Order des Covid-19-Gurgeltest über deliverytest.at. Die Bestellung wird online abgewickelt, eine Kreditkarte ist erforderlich. Die Bestätigungsmail erfolgt prompt, ebenso wie der Anruf zur telefonischen Terminvereinbarung. "Wann haben Sie zuletzt etwas gegessen? Wenn Sie wollen, können wir den Test gleich heute machen." Mindestens drei Stunden vorher darf nichts gegessen, 30 Minuten vor der Testung nichts getrunken werden.

Der Tester erscheint pünktlich. Die Personalien werden überprüft, das Plastikkuvert überreicht und der Ablauf – in entsprechender Distanz – erklärt. Das Gurgeln erfolgt mittels Kochsalzlösung aus einer Pipette, über einen Trichter wird nach 30 Sekunden in ein Röhrchen gespuckt. Alles ins Kuvert rückverpackt – fertig!

Einziges Manko: Der "Fahrradkurier" kam mit dem Auto. In Anbetracht des ersten Schnees aber verständlich. Das Ergebnis erhält man wie angekündigt am Folgetag per Mail oder SMS. (jupa)

Wartezeit: maximal 24 Stunden, Kosten: 149 Euro

Expertencheck: Zuverlässiges Verfahren, schnelle Testung und Abwicklung trifft auf automatische Meldung bei positivem Ergebnis.

Testen lassen in Wiener Containern

Leichte Halsschmerzen und etwas Schwächegefühl: Deswegen machen sich die wenigsten Leute unter normalen Umständen Sorgen – und auch in Pandemiezeiten lässt man sich wegen so etwas vielleicht keinen Gurgeltest vom Fahrradkurier bringen. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, kann in Wien die Schnupfenboxen aufsuchen: Das sind Container an öffentlichen Plätzen, in denen nach kurzfristiger Voranmeldung kostenlos ein Antigen-Schnelltest gemacht werden kann.

Von der Anmeldung bis zum Testtermin vergehen im STANDARD-Testdurchlauf (mit echten Symptomen) wenige Stunden. Nachdem der Ordner vor der Box die zu Testenden in den Container geschickt hat, werden noch einmal Name, Adresse und Telefonnummer aufgenommen, dann erfolgt die Testabnahme per Nasenabstrich. 15 Minuten dauert es, bis ein Ergebnis da ist, die Wartezeit verbringt man im Freien. Dann weiß man Bescheid, ob es wirklich nur eine Verkühlung ist. (sefe)

Wartezeit: 15 Minuten, Kosten: 0 Euro

Expertencheck: Schnupfen, Infekt oder Corona? Auch hier gilt: Das Ergebnis ist Momentaufnahme und könnte morgen ein anderes sein.

(12.12.2020)