Anschläge wie diese Autobombe in Kabul am Sonntag sind in Afghanistan an der Tagesordnung.

Foto: AP / Rahmat Gul

Kabul/Kunduz/Wien – Bei einem Taliban-Angriff in der afghanischen Provinz Kunduz sind mindestens zehn Sicherheitskräfte getötet worden. Die acht Polizisten und zwei Soldaten einer örtlichen Einheit seien von den Angreifern im Bezirk Imam Sahib im Nordosten des Landes überfallen worden, sagten Vertreter der Gemeindeverwaltung der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Demnach wurden weitere Polizisten verletzt, zu ihrer Anzahl wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Kunduz zählt zu den besonders umkämpften Provinzen in Afghanistan. Seit 12. September verhandeln die Taliban mit Vertretern Afghanistans über einen Frieden. Der Prozess ist im Streit über Verfahrensfragen ins Stocken geraten: Momentan sei eine Pause bis Anfang Jänner eingelegt worden, sagte ein Vertreter der afghanischen Verhandlungsdelegation am Montag.

Immer wieder Anschläge

Die afghanischen Diplomaten sollen vorübergehend vom Verhandlungsort in Katar abreisen und nach Kabul zurückkehren. Bei den Taliban war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Katar hatte die Rolle eines Vermittlers eingenommen.

Trotz des Friedensprozesses kommt es immer wieder zu Kämpfen und Anschlägen. Die Hauptstadt Kabul ist auch in den vergangenen Monaten wiederholt von Bombenanschlägen und Raketenangriffen erschüttert worden. Den Verhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban war eine Vereinbarung der Islamisten mit den USA vorausgegangen. Darin verpflichteten sich die Taliban zu den Friedensgesprächen und die USA zum Abzug der meisten ihrer noch im Land stationierten Truppen.

Kritik an geplanter Abschiebung

Auch hierzulande wirkt sich die Situation in Afghanistan aus: So hängt die Sicherheitslage vor Ort davon ab, ob Menschen nach Afghanistan abgeschoben werden können. Bereits am Dienstag soll ein Charterflugzeug, das gemeinsam mit Schweden organisiert wurde, Wien verlassen.

Wegen der "prekären Sicherheitslage" vor Ort forderte die NGO Asylkoordination einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan: Aus Österreich Abgeschobene würden dort Gefahr laufen, entweder zum Objekt von kriminellen Übergriffen wie Entführung und Raub zu werden oder durch Zwangsrekrutierung direkt in lokale Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Zudem hätten viele keinerlei familiäre Netzwerke in Afghanistan, weil sie den Großteil ihres Lebens im Iran verbracht hätten, argumentierte der Sprecher der Asylkoordination, Lukas Gahleitner-Gertz. Am Donnerstag demonstrierten in Wien einige hundert Personen anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags gegen die geplante Abschiebung. (APA, 14.12.2020)