Der Impfstart in Österreich rückt näher.

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Wien – Rund 10.000 Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer könnten in Österreich aufgrund des Gutachtens der europäische Arzneimittelbehörde (EMA), das schon am 21. Dezember vorliegen soll, bereits vor Jahresende "in einigen ausgesuchten Alten- und Pflegeheimen" zum Einsatz kommen. Das sagte der Covid-Sonderbeauftragte Clemens Martin Auer am Mittwoch dem Ö1-"Morgenjournal".

Im Laufe des ersten Quartals sollen dann 900.000 weitere Impfdosen dieser Sorte für Österreichs Bevölkerung zur Verfügung stehen. Das berichtete Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach dem Gespräch mit Vertretern der Firma Pfizer. Demnach sollen nach 240.825 Dosen im Jänner, 331.500 Dosen im Februar 375.375 im März folgen.

Schneller als gedacht

Am Sonntag ging man in Österreich noch davon aus, dass die erste Impfstofflieferung Anfang Jänner zu erwarten sei. Die EMA erklärte den nun um acht Tage vorverlegten Termin damit, dass die Impfstoffprüfung besser als gedacht laufe – Medien berichteten jedoch von einem wachsenden Druck von EU-Regierungen. Am 21. Dezember trifft sich der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA, dann muss die EU-Kommission noch pro forma zustimmen, damit das in Belgien produzierte Präparat dann angeliefert werden kann.

Die frühere Zulassung führt laut Auer einfach dazu, dass die Firma Pfizer aufgrund ihrer Vertragsverpflichtung sofort nach der Zulassung die rund 10.000 Dosen ausliefert, "mehr werde es auch nicht sein" in der ersten Runde. Am 23. oder 24., aber feiertagsbedingt spätestens am 28. Dezember rechne er damit, dass man dann in Wien und Niederösterreich mit der Impfung beginnen könne.

Der weitere Plan

Die Vakzine würden sich jedenfalls noch nicht in Österreich befinden, die EU-Staaten würden ja "nicht die Katze im Sack kaufen", gab Auer an. Die ersten Impfdosen im Jänner werden entsprechend der österreichischen Impfstrategie ebenfalls in Alters- und Pflegeheimen zur Anwendung kommen.

Im Jänner sollen auch 200.000 Dosen von Moderna zur Verfügung stehen. Damit wird die Immunisierung des Gesundheitspersonals in Krankenhäusern, Ordinationen et cetera und von Hochrisikogruppen möglich sein.

Die dritte Impfstofftranche sollte von Astra Zeneca kommen und ist mit rund zwei Millionen Vakzin-Dosen die höchste. Damit soll die zweite Impfplanphase beginnen: Impfungen für alle Personen über 65 sowie solche mit Systemrisiko in den Bereichen Bildung, Sicherheit, Justiz und in der kritischen Infrastruktur.

Impfbereitschaft zuletzt gesunken

Problematisch ist kurz vor der Zulassung von Corona-Impfstoffen die sinkende Bereitschaft der Österreicher, sich auch impfen zu lassen: Nur jeder Fünfte (22 Prozent) will sich aktuell sicher immunisieren lassen, jeder Vierte (27 Prozent) zumindest wahrscheinlich, geht aus der aktuellen Umfrage des Gallup-Instituts hervor. Die Bereitschaft sinkt, wie aus der vierten derartigen Umfrage hervorgeht.

Anderswo hat man indessen gar nicht die Wahl, denn mindestens ein Fünftel der Weltbevölkerung könnte bis zum Jahr 2022 keinen Zugang zu einem Impfstoff haben, so eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" (BMJ) veröffentlicht worden ist. Die wohlhabenderen Nationen sollen mehr als die Hälfte der potenziellen Impfdosen für 2021 bereits für sich reserviert haben, obwohl sie nur 14 Prozent der Weltbevölkerung stellen.

Von der Leyen und Kurz für europaweiten Start

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sprach sich indes für einen gemeinsamen EU-Impfstart aus. "Lasst uns so bald wie möglich gemeinsam mit dem Impfen anfangen, zusammen, als 27, mit einem Start am selben Tag", sprach sie am Mittwoch im Europaparlament die 27 EU-Mitgliedsstaaten an.

Österreichs Bundeskanzler unterstützt sie dabei. "Je früher wir in der EU zu impfen beginnen können, desto besser", bekräftigte Kurz. (red, APA, AFP, 16.12.2020)